Wanderer

von Einzelkämpfer aus der Kategorie Geschichten

Ein einsamer Mann zieht durch die Landen.
Seine Bestimmung? Kennt er nicht. Sein Ziel? Unbekannt.
Er läuft. Schritt für Schritt. Ohne Sinn, wie das Leben ihm nun mal so grausam zeigte.
Hoffnung hat er keine mehr. Es fällt ihm schwer sein elendes Dasein weiter zu fristen; und doch tut er es, ohne dass jemand den Grund dafür kennt.
Sein Rucksack wiegt schwer. Er legt ihn ab. Doch keine Last fällt von ihm ab.
Plötzlich hinter ihm ein Geräusch. Er wendet sich, doch nichts ist dort. Nur gähnende Leere.
Da: die Stimme spricht wieder zu ihm.

Warum wanderst du?

Weil ich es muss.

Warum musst du es? Warum fährst du immer fort; das Ende ist doch zum greifen nah!

Es muss eben fortgehen. So war es immer.

Narr! Erkenne doch, dass alles vergeht!

Ja. Alles vergeht; das Blatt am Baum fällt im Herbst; das Haus zerfällt; das Schwert zerschellt am Schild des siegreichen Gegenübers. Alles vergeht.

Auch dein Leben. Und warum nicht das beenden was Gott begann?

Schweig! Ich will nichts hören von deinen Lügen, Märchen!

Aber es ist doch die Wahrheit.

So geht er immer fort; den Weg klar vor Augen und doch wie in einem Nebelschleier; in Trance. Er setzt einen Fuß vor den anderen, unwissend, wohin er ihn zu tragen vermag.
Er wandert. Tag und Nacht gehen an ihm vorbei; dreimal, fünfmal, siebenmal, er zählt es nicht. Er bricht zusammen weil sein Körper ausgelaugt war und erhebt sich doch wieder.

Lange schon ist er von der Heimat entfernt. Er vermag kaum zu sagen, wo er ist, es ist ihm auch einerlei. Er hatte ohnehin niemals heimelige Gefühle gehabt. Keiner, den er am Herzen lag.
Die Stimme kehrt zurück.

Wohin gehst du?

Fort.

Ohne Ziel?

Ohne Ziel. Einfach fort.

Du bist zu blind um zu sehen, dass es schon vorbei ist.

Es ist nicht vorbei. Noch bin ich nicht da.

Wo willst du denn sein? Du irrst schon so lang durch die Wälder und Ebenen; du weißt doch nicht mal mehr, wo du bist!

Das ist auch nicht wichtig.

Die Stimme spricht weiter zu ihm, lacht ihn aus, verspottet ihn, sucht seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Er kommt an einen Teich. Er blickt ins Wasser. Sieht sich selbst.
Die Wangen ausgemergelt, was nicht einmal der Bart zu verdecken vermag, der ihm inzwischen im Gesicht wächst wie Moss auf einem toten Baum.
Die Augen tief in den Höhlen.
Stumpf und glanzlos.

Sieh doch. Du bist erbärmlich.

Noch atme ich.

Ändere es! Dein Leben ist doch nicht mehr als ein Schatten!

Es ist mir gleich.

Dann beende dieses Schauspiel.



Du schweigst. Du gibst auf!

Ja, er gibt auf.
Das Spiegelbild scheint sich zu verändern; zeigt wie er langsam zerfällt.
Alles um den Teich verschwindet. Nur noch er und das Wasser. Es zieht ihn dorthin.
Er wehrt sich. Ein letztes Aufbäumen. Er kämpft dagegen an, will leben, will lieben. Und verliert.
Er legt die Kleidung ab.
Nur einmal kurz abkühlen, etwas trinken.
Ja, das ist wahrhaft ein guter Gedanke.
Einmal ins Wasser tauchen.
Er steigt ins Wasser. Es ist eiskalt. Er ringt nach Luft, aber sie kommt nicht. Er will zurück ans Ufer.
Aber die Stimme will es nicht. Sie scheint Besitz von ihm zu ergreifen, ihn zurückzuhalten.
Sein geschundener Körper wird müde. Seine Muskeln brennen, es wird unmöglich sich zu bewegen.
Seine Augen werden müde. Er schließt sie.
Er geht unter.
Und dann ist er wieder hellwach, doch er kann sich nicht mehr bewegen. Um ihn herum das Wasser, wie ein eisiger Sarg.
Die Stimme lacht ihn aus, feiert ihren Sieg. Er will schreien. Doch Wasser hat seine Brust angefüllt.
Er spürt wie er langsam scheidet.

Und es macht ihn glücklich.


Kommentare

Es gibt einen Kommentar zu dieser Geschichte

Billie Jean schrieb am 01.01.2011 um 20:11 Uhr folgenden Kommentar:
Hmm.... Hattest du nicht auch irgendein ´Gedicht geschrieben, was so geklungen hat? Hmm. Nimm das jetzt nicht böse, aber diese Geschichte gefällt mir nicht SO gut... Die andere find ich besser.

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