Von Blitzern, Knickfröschen und Faltenschlägern

von Clara A.M.I. aus der Kategorie Lustige Geschichten

Eine interessante Überschrift – oder? Was könnte das sein? Blitzer: die allmorgendlich im Radio erwähnten Tempo-Fallen sind hier nicht gemeint. Knickfrösche: eine neue Spezies aus dem Reich der Amphibien? Und was sind Faltenschläger? Allenfalls der Begriff Schaumschläger ist bekannt.


Nähern wir uns der Sache:
Als angehende Mediengestalterin sammle ich als Praktikantin in einer Werbeagentur Berufserfahrungen im Anlegen von Drucksätzen, Herstellen von Schilderbeschriftungen und arbeite auch in der Druckerei mit. Wie es manchmal so ist, gibt es hier kurzzeitig besonders viel zu tun. Letztens war es wieder extrem: Ausfall einer Kollegin, also Ganztagsjob in der Druckerei für mich.

Es wurde ein ausgesprochener Flyer – Tag. Flyer, das sind die papiernen Faltprodukte, die den Jetzt-Zeit-Menschen hierzulande im Briefkasten, auf Ämtern, in Geschäften und überall begegnen und ihn mit mehr oder weniger nützlichen Informationen überfluten. Bisher hatte ich gelegentlich die bunten Bildchen darauf ausgeschnitten und klebte sie auf Briefumschläge, Festzeitungen und Ähnliches. Momentan sammle ich die hier in der Agentur gedruckten Flyer alle und meine Kiste ist schon gut gefüllt!

Doch zurück zur Produktion: Da liegen sie also, frisch gedruckt und beschnitten. Ich stehe erwartungsvoll an der Falzmaschine, alle Schalter für Luftzufuhr, Transport und Falzmesser sind angeschaltet . Chefdrucker Reinhard nimmt alle notwendigen Einstellungen vor. Dann kommt es: sein prüfender Blick macht knallharte Qualitätskontrolle:

„Knickfrösche!“

tönt es empört aus seinem Munde und er hält die Maschine an. Er zeigt mir die eingeknickten Ecken am oberen Rand der Faltprodukte. So geht es nicht – also Einstellung der Maschine ändern. Ein weiterer Testlauf bringt in diesem Punkt Zufriedenheit. Doch da fällt ihm noch was auf: es sind „Faltenschläger“, d.h. die letzte Flyer - Seite sieht aus wie unordentlich gebügelte Wäsche. Nach einer weiteren Korrektur an der Maschine kann’s weitergehen. Aber vorher muss ich hoch und heilig versprechen, auf „Blitzer“ zu achten, diese auszusortieren und bei größeren Vorkommen die Maschine anzuhalten. Blitzer entstehen bei ungenauer Einstellung der Falzbreite, dann „blitzt“ ein Streifen der Rückseite hervor, da geht`s um Zehntel – Millimeter.

Als erstes sind englischsprachige Flyer zu falten. Klack, klack, klack – in schöner Gleichmäßigkeit transportieren die Rollen fertig gefalzte Produkte in die Ablage. Links von mir stehen die Kartons. Einen Schwung Flyer in meiner Hand, lockere ich diese, stauche sie auf, dann werden sie mittig gefasst und die Luft aus dem Stapel wird beidseitig herausgedrückt. Dann ab in die Kiste damit, ca. 400 Stück passen da hinein. Zum Glück gibt’s ein Zählwerk an der Maschine.

Jetzt, da alles problemlos läuft, sind meine grauen Zellen nicht sonderlich gefordert. Also trainiere ich sie selbst, indem ich für die bevorstehende Theorieprüfung übe: Was ist das jetzt für ein Falz? Also das müsste ein Zwei-Bruch-Parallel-Falz sein.

Die laufende Flyer – Druck –Runde ist beendet. lief ja ganz gut. Nun die nächste Sorte: Ein einfaches Faltblatt im A4-Format. Darauf hat die Apotheke am Markt viele unentbehrliche Sachen aus der Natur anzupreisen. Nur ein Falz – das wird schnell gehen. Dachte ich.

Ständig gab es Papierstau . Fast immer mussten wir dazu die Falzgitter und andere Teile der Maschine ausbauen, um die verklemmten Seiten zu entfernen. 3 Minuten falzen, 10 Minuten Papierstau entfernen. Ich dachte mehrmals an den Spruch eines meiner Dozenten, der da lautet: „Ich liebe es, wenn`s funktioniert!“ Ich gab ihm 100 Mal Recht! Warum um alles in der Welt begriff diese Maschine nicht, dass sie nur einen Falz je Seite machen sollte. Stattdessen stellte sie „Plisseefalze“ her und wickelte alles um die Walzen!

Da sind mir Blitzer, Knickfrösche und Faltenschläger viel lieber!

(geschrieben 2002)


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