Verunheiligt

von Jade aus der Kategorie Drama Geschichten

Hallo (:
Ich bin neu hier und wollte einmal den Anfang meiner Geschichte reinstelln. Ich würde mich natürlich über Kommentare freuen!

Verunheiligt

Prolog

Keine Sekunde hätte ich daran geglaubt, dass mein Traum einmal wahr werden würde, mein Traum aus mir auszubrechen und eine Neue zu werden, eine neues Ich, das erstrahlt, in einem nie dagewesenem Glanz. Beachtet, geliebt, ja sogar verehrt.
Ein Leben ohne Zweifel an der eigenen Persönlichkeit, ohne Verlangen jemand anders zu sein, ohne den Glauben, dass man nicht gut genug ist, für die Welt. Einfach man selbst zu sein, ohne Einschränkungen und Vorschriften, frei zu sein, die Flügel auszubreiten und endlich fliegen. In der unvergänglichen Ewigkeit, die ihre Schatten längst verloren hat und dich in ihrem Licht aufnimmt. Nein, daran hatte ich nie geglaubt.
Doch manchmal erkennt man zu spät, dass sich vielleicht nicht jeder Traum erfüllen sollte oder dass es vielleicht die falschen Flügel sind, die man sich ausgesucht hat.

Vergangen

Es war kalt. Eiskalt. So, dass selbst wenn man die Heizung ganz aufdrehte das Zittern nicht verschwand und man eine Gänsehaut hatte.
Draußen glitzerte der Schnee im schwachen Sonnenlicht und der frische Wind wehte über die Straße und fegte den Leuten die Hüte vom Kopf.
Ein eisiger Wintertag, wie jeder der vergangen Tage auch.
Trotz der warmen Decke, die ich mir umgewickelt hatte konnte ich die Kälte in jedem meiner Knochen spüren und meine Hände umklammerten steif den Einband des Buches, das ich gerade las. Es war spannend und normalerweise hätte mich nicht mal meine Mutter abgelenkt, die gerade mit dem Staubsauger in der Küche zugange war, doch heute war es anders. Heute war alles anders.
Ich konnte nicht genau sagen woran es lag, schließlich war eigentlich gar nichts passiert.
Um viertel vor neun war ich aufgewacht, hatte mich geduscht und gefrühstückt.
Währenddessen lief im Radio praktisch in Endlosschleife der Wetterbericht und in den Nachrichten wurde immer wieder vor den spiegelglatten Straßen gewarnt.
Danach hatte ich mich wieder in mein Zimmer verzogen und begonnen zu lesen.
Meine Mutter hatte zwischendurch immer wieder zu mir hereingeschaut, mir gesagt das ich Hausaufgen machen sollte und aufräumen.
Ein ganz gewöhnlicher Samstagmorgen. Eigentlich.
Wenn da nicht dieses Gefühl gewesen wäre. Es war nicht mehr als ein Gefühl.
Nichts, was einen anderen beunruhigt hätte, jeder hat mal dieses Gefühl, dass es einfach kein guter Tag war. Ich auch.
Vielleicht hatte ich auch einfach schon zu viele Bücher gelesen und Filme gesehen, in denen dieses „Gefühl“ vorkam-ich hatte einfach den Hang dazu, die Geschehnisse dort in mein Leben zu übertragen. Vielleicht.
Der Tag zog sich endlos in die Länge. Um Mittag herum beschloss ich zu versuchen, die wenigen Matheaufgaben zu lösen, die wir aufbekommen hatten, doch ich musste schnell wieder aufgeben. Mathe war einfach grausam. Mir war schleierhaft wie irgendjemand dieses Durcheinander von Zahlen und Buchstaben-oder wie hieß es gleich? Variablen?-begreifen konnte.
Auch Latein war nicht viel besser. Sum baceolus, murmelte ich vor mich hin, während ich über eine elend langen Liste unmerkbarer Vokabeln saß.
Anscheinend hast du die Stunde verpasst, als ihr erklärt bekommen habt, warum man wissen muss, was die Wörter Heuschrecke, Blasentee und Hülsenfrucht übersetzt heißen, meinte ich ironisch zu mir selbst und begann wieder mit meinem Ich bin dumm. Gesumme.
Unendlich langsam kroch der Minutenzeiger meiner Uhr über das Zifferblatt und jedes Mal wenn zu der runden, schwarzen Uhr, mit dem kleinen Riss unten rechts in dem durchsichtigen Glas schaute hatte ich das Gefühl, dass die Zeit heute wirklich langsamer als sonst verlief.
Vielleicht ja auch um das unmögliche hinauszuzögern. Das Unwirkliche.
Im Nachhinein, wenn ich nachts in dem harten, ungemütlichen Bett lag und versuchte das Schnarchen der anderen auszublenden kam es mir tatsächlich so vor. Unwirklich.
Der ganze Tag, in seiner langatmig aufwallenden Langweiligkeit und Müdigkeit, die in mir schlummerte, im Rückblick war es unwirklich.
Mein warmer Kakao, fast schon zu heiß, den ich morgens getrunken hatte, vermischt mit dem Geruch nach warmen Toast und weicher Butter.
Hinzu die nahezu untragbare Kälte, die sich Stunde um Stunde weiter durch meine Knochen fraß. Hausaufgaben, das fast nie abrechende, nervende Geräusch des Staubsaugers, den meine Mutter durch die Räume schob. Unwirklich.
Und alles zusammen-vielleicht die Chance noch einmal normal zu sein?
Noch einmal meinen normalen Tagesablauf zu spüren? Ein letztes Mal das alltägliche Leben fühlen.

„Emma, das Telefon!“ der plötzliche Ruh überraschte mich. Gerade hatte ich es geschafft, eingekuschelt in meine Decke alles um mich herum zu vergessen und mich endlich ganz der Welt der Wörter hinzugeben, als meine Mutter mich mit ihrem fast befehlsartigen Ton wieder in die Wirklichkeit zurück holte. Einen Moment brauchte ich zu verstehen, sprang dann aber schnell auf als ich das durchdringende Schrillen registrierte.
Eilig lief ich in den schmalen Flur mit der roten Tapete unserer Wohnung, hin zu der Holzanrichte auf der unser altertümlich grünes Telefon mit Schnur stand.
Ich nahm den Hörer in die Hand-wie alles andere eiskalt-und schnaufte meinen Namen in die Muschel: „Emma Evans“
„Hey Em!“ Sie brauchte gar nicht ihren Namen zu nennen, schon an ihrer aufgeregten, sehr weiblichen Stimme hatte ich sie sofort erkannt. Und sowieso, Lilli, war die Einzige, die mich Em nannte.
„Hey Lilli.“, erwiderte ich freudig überrascht. Jeder Andere, der mich von meinem Buch weggeholt hätte, hätte wahrscheinlich nicht mehr als ein genuscheltes „Hallo.“ bekommen.
„Du hast du vielleicht Zeit?“
„Wann denn?“, fragte ich.
Es dauerte einen Moment bis ihre Antwort kam: „Am besten jetzt gleich?“
Die Stimme, die aus dem Telefon kam klang zögerlich und unsicher.
Lilli wusste, dass ich unter jeden Umständen sofort zu ihr gekommen wäre-wenn ich die Möglichkeit dazu hatte.
Man konnte sich eben nicht aussuchen, wo seine beste Freundin wohnte.
Im Gegensatz zu mir wohnte Lilli in einem kleinen Dorf abgeschieden von der 20 Kilometer entfernten Stadt. Es war zwar sehr viel ruhiger und friedlicher als hier, dafür fuhren nur selten Busse und wenn sie außerhalb der Schule einmal in die Stadt wollte musste Lilli meist von ihrer Mutter oder ihrem Vater dorthin gefahren werden.
„Ich frage. Warte mal kurz.“ Meine Stimme war jetzt nicht mehr so fröhlich, wie eben noch und bevor ich den Hörer neben das Telefon legte konnte ich noch hören, wie sie „Es ist wirklich wichtig, hörst du Em!?“ rief.
Zögerlich ging ich in das kleine Bad wo meine Mutter gerade das Waschbecken putzte und wartete ab, bis sie mich bemerkte.
Wie gesagt, es war klein mit weißem Fließen ausgelegt und vor der Toilette lag ein beiger Wollteppich mit ovalem Ausschnitt.
Meine Mutter stand mit gelben Handschuhen über das Waschbecken gebeugt und putzte mit einem blauen Lappen den silbernen Wasserhahn sauber.
Die kurzen, blonden Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst und hin und wieder viel ihr eine vorwitzige Locke ins Gesicht.
Ihre Haut war ebenso hell wie meine und würde sie den Kopf heben, hätte man die hellblauen, müden Augen sehen können unter denen sich meistens tiefe Ringe vom vielen arbeiten zogen.
Als sie mich in der Tür stehen sah schaute sie erst überrascht, warf einen Blick in den Flur und runzelte dann in Erinnerung die Stirn: „Wer war das denn, Emma?“
„Es war…ist“, verbesserte ich schnell, „ist Lilli“
Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen, bevor sich die Miene meiner Mutter versteinerte und sie sich wieder dem Waschbecken zuwandte.
Normalerweise hatte sie nicht so schlechte Laune oder eher gesagt, normalerweise versteckte sie ihre schlechte Laune besser vor mir. Als ich sie einmal gefragt hatte, warum sie das immer tat hatte sie nur knapp erklärt, dass man seien schlechte Laune nie an anderen Leuten auslassen sollte, schon gar nicht an den eigenen Kindern.
Aber soweit ich das richtig verstanden hatte, hatte es gestern mal wieder einen riesen Krach in der Firma gegeben, wo sie arbeitete, da anscheinend einige Stellen gestrichen werden sollte und ihre gehörte wohl dazu. Wie viele andere musste sie also um ihren Job bangen.
Mein Grund, warum ich sie in Ruhe ließ und mich nicht beschwerte, wenn sie so mit mir redete. Es war die Art meiner Mutter so in solchen Situationen zu reagieren.
„Also, sie hat angerufen, weil ich zu ihr kommen soll. Jetzt, am besten.“
Meine Stimme wurde bei den letzten Worten immer leiser, bis ich kaum noch zu verstehen war aber meine Mutter hatte es trotzdem gehört.
Entgeistert schaute sie mich an und als ich diesen Blick sah überlief es mich kalt ohne Vorwarnung hatte das Gefühl wieder auf mich eingeschlagen. Es drang rücksichtslos in mich ein und nahm mir für einen Moment den Atme. Etwas-irgentetwas lief hier völlig schief, aber ich konnte es nicht benennen.
In den Augen meiner Mutter lag etwas bettelndes, das sagte, bitte versuch nicht mich zu überreden, dich dort hin zu bringen, doch ich versuchte es natürlich trotzdem.
„Bitte Mama! Sie meinte es wäre wirklich wichtig und ich sollte jetzt sofort kommen!
Du weißt doch, dass sie mir sowas nicht aus Spaß sagen würde!“
„Emma“, sie klang wütend, genervt und sehr, sehr müde, „Ich habe jetzt wirklich keine Zeit dich zu Lilli zu bringen! Und außerdem musst du doch noch Hausaufgaben machen, oder? Wenn es wirklich so wichtig ist, könnt ihr das dann nicht am Telefon klären? Oder ihre Eltern bringen sie hierher!“
Für meine Mutter schien das Thema damit erledigt.
Fast war es, als ob eine unsichtbare Kraft versuchte mich am Reden zu hintern. Es konnte aber auch sein, dass ich mir das in meinen Erinnerungen an diesen Nachmittag nur einzubilden versuchte.
„Emma!“
Doch ich hörte nicht auf den Wiederspruch meiner Mutter und versuchte es weiter.
Währenddessen ich bettelte ging ich rückwärts zurück zur Anrichte, auf dem das Telefon lag, wo Lilli am anderen Ende der Leitung immer noch auf eine Antwort von mir wartete.
„Also“, sagte ich, mit Absicht übertrieben entschuldigend, „Meine Mutter hat gerade leider keine Zeit mich zu dir zu fahren. Ich weiß, dass es total dringend ist und du mich jetzt unbedingt brauchst, aber es geht nicht. Tut mir wirklich leid.“
Ich wusste selber, dass es kindisch und albern war, aber etwas in meinem Innern drängte mich dazu. Vielleicht ja schon das Ungeheuer, das Verlangen, dass später noch in mir wachsen sollte.
Einige Sekunden dauerte ich, bis ich hörte, was ich wollte.
„Na gut!“ Ihre Stimme war wie nicht anders zu erwarten immer noch genervt, aber das war mir egal. Ich konnte das klatschen der Handschuhe hören, als meine Mutter sie von ihren Fingern zog und neben das Waschbecken pfefferte, die unnötig harten Schritte und als sie im Flur erschien hatte ich fast das Gefühl das eine der Strähnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten und ihr ins Gesicht hing, sie aufgrund eines wütenden Schnaubens nach oben hob.
„Lilli, wir fahren jetzt los!“, rief ich triumphierend und knallte den Hörer auf.
Eilig lief ich in mein Zimmer, wickelte mir den warmen Schal, der auf meinem Schreibtischstuhl gelegen hatte um den Hals, zurück im Flur nahm ich meine Winterjacke von der Garderobe und streifte sie mir über.
„Fertig!“
Meine Mutter stand bereits an der Tür, mit den Autoschlüsseln in der Hand.
Schon als wir hinaus in das Treppenhaus traten schlug mir die eisige Kälte entgegen.
Hier wurde meist nie geheizt, weshalb ich Angst hatte, dass meine Finger gleich an dem eiskalten Geländer festfrieren würden. Unsere Schritte halten in dem leeren Raum wieder und außer der lauten Musik, die aus einer Wohnung im zweiten Stock drang und dem Getöse der Autos auf der Straße draußen konnte ich nichts hören.
An der Tür nach draußen begegneten wir einer alten Frau, eingewickelt in ihren braunen Mantel mit echtem Pelz, die zwei schwere Einkaufstüten schleppte.
Wenn ich mich nicht irrte, war es die Französin die gerade erst eingezogen war, was ich aufgrund des Mantels allerdings nicht genau sagen konnte.
Gerade noch konnte ich meine Mutter davor abhalten, der Frau einen Vortrag über zu Unrecht getötet Tiere zu halten, die für ihren Pelz sterben mussten.
Ich lief, so schnell es eben ging über den vereisten Steinweg zu den Garagen, wo das alte, klapprige Auto stand. Auf dem Rasen rund um die hier stehenden Hochhäuser lag Schnee und ich konnte kaum die Bäume am Straßenrand aus machen, da es so neblig war.
Einige Sekunden später saßen wir endlich und meine Mutter steckte den Schlüssel doch ohne den Motor anzumachen.
„Was ist?“, fragte ich verwirrt.
Einige Augenblicke schaute sie mich mit immer noch versteinerter Miene an und fragte dann tonlos: „Wie wäre es mit einem Danke Mama, dass du für mich alles stehen und liegen gelassen hast?“
„Danke Mama, dass du für mich alles stehen und liegen gelassen hast!“, hauchte ich leise und schaute noch vorne, aus der Heckscheibe. In einer Ecke der Garage lag die kaputte Sommerliege unseres Nachbarn, die er irgendwann einmal hier abgelegt hatte.
Eingestaubt und schon fast auseinandergefallen.
Seufzend drehte sie endlich den Schlüssel und manövrierte den Wagen auf die Straße.
Fast bis zum Ende der Stadt, wo die Landstraße begann fuhren wir schweigend, bis sie mir begann Vorwürfe zu machen: „Ich versteh ja, wenn du dringend zu ihr musst, aber du kannst wirklich nicht erwarten, dass ich dann immer alles stehen und liegen lasse. Das war das letzte Mal, verlass dich darauf!“
Ihre Stimme klang gefasst, eben weil sie ihre wütenden Gefühle versteckte und der Blick konzentriert auf die vereiste Straße gerichtet. Ab und zu schlingerte der Wagen.
„Ja, ist doch jetzt gut!“, murmelte ich und schaute auf meiner Seite nach draußen.
„Nein, eben nicht!“
Sie klang aufgebrachter als eben und ich konnte ich es nicht lassen zu ihr zu blicken.
„Du kannst das nicht immer erwarten! Ich bin nicht dein Sklave, den du hin und her kommandieren kannst!“
Für einige Sekunden schweifte ihr Blick von der Straße zu mir ab.
„Ja, ist ja gut!“, murrte ich.
„Nein, eben nicht!“, sagte sie noch einmal.
Plötzlich tauchte ein Trecker aus dem Nebel vor uns auf. Er war grün.
Case, stand in großen, weißen Buchstaben darauf.
An jedes Detail konnte ich mich erinnern. An den großen schwarzen Reifen klebte kaum Dreck, es war sowieso merkwürdig, warum ein Trecker bei diesem Wetter unterwegs war. Aber in diesem Moment spielte das Warum keine Rolle.
Er war da. Und das war das Problem.
Das riesige Gefährt das vor uns ebenfalls hin und her schlingerte und dann unerwarteter Weiße zum Stehen kam, weil vor ihm plötzlich ein durscheinendes, rotes Licht aufgeflackert war. Es war alles so klar. Selbst der dunstige Nebel um uns herum.
„Manchmal bist du einfach unerträglich!“, rief meine Mutter neben mir.
Ich schrie, weil der Trecker stand und wir immer noch im ungedrosselten Tempo auf ihn zurasten. In diesem Moment verstand ich nicht, warum sie nicht auf die Bremse trat, warum die Reifen nicht quietschend langsamer rollten. Ich verstand nichts.
Nicht den Regen, der plötzlich einsetzte und prasselnd auf dem Autodach und der Scheibe aufkam.
Nicht, dass die Scheibenwischer angingen, aber wir immer noch nicht langsamer wurden.
Nicht, warum meine Mutter erst jetzt ebenfalls schrie.
Und ganz sicher nicht, warum sie anstatt nach vorne zu schauen und ihr Leben zu retten mir gesagt hatte, das ich unerträglich war.

Stille.
Schmerz.
Stille.
Noch mehr Schmerz.
Stimmen. Schreie.
Schmerz.
Schreie.
Schmerz, Schmerz, Schmerz.
Keine Luft.
Schreie. Lärm. Unerträglich.
Warum schweigen sie nicht?
Es tat weh, irgendetwas, irgendwo.
Die Schreie in meinen Ohren.
Zu laut, zu viel, zu überall.
Nicht hier, jetzt, irgendwo.
Kein Grund, kein Grund. Unverständlich.
Wo? Wann? Warum?
Angst. Angst. Angst.
Unerklärlich. Unverständlich. Nicht klar. Nichts mehr.
Laute. Immer noch Unverständlich.
Ich weiß nicht. Wie? Was? Wo?
Ich weiß nichts. Nicht mehr. Oder will ich es nicht wissen?
Gedanken. Gedanken und Erinnerungen.
Sie dringen unaufhörlich auf mich ein.
Rücksichtslos.
Kalt.
Gefährlich.
Wieder die Angst.
Machen mich tot. Innerlich.
Sie machen mich innerlich tot.
Sie-Meine Erinnerungen. Oder…?
Sie?
„Hallo, hallo! Können Sie mich hören?“-„Wir brauchen einen Krankenwagen!“
Rufe, Schreie. Zu laut, zu viel.
Du bist unerträglich!
Wo bin ich?
Hilfe! Warum hilft mir denn niemand?
Du bist unerträglich!
Nein, ich will das nicht.
Unerträglich!
Warum? Warum sagt sie das?
Sie, nicht meine Erinnerungen.
Sie hat es gesagt. Zu mir. Und jetzt…
Tod.
Überall.
Überall ist Tod.

Etwas kratz. Kratzt in meinem Hals.
Dann ein Geräusch.
Hoch. Sehr hoch. Zu hoch!
Es quietscht, schmerzt in meinen Ohren.
Tut weh, es tut weh!
Das Geräusch oder sie?
Ein Schrei-es ist ein Schrei!
Warum schreit es denn?
Warum?

Und dann, im letzten Moment, bevor alles schwarz wird-
Ich habe geschrien. Geschrien wegen dem Tod.
Wegen dem Tod neben mir, um mich herum. Überall.
Wegen dem Tod in mir, der Leere.
Ein Abgrund, ein tiefer Abgrund tut sich auf.
Das erste Mal, das ich einen Blick in ihn werfen darf-muss!
Ich sehe es und-tot.
Etwas ist tot. Nicht sie. Ich.
Etwas in mir ist tot.
Ich bin tot.


Kommentare

Es gibt 3 Kommentare zu dieser Geschichte

Jade schrieb am 04.02.2012 um 18:29 Uhr folgenden Kommentar:
ups, ganz vergessen, es geht weiter bei Verunheiligt Teil 2 (:


Jade schrieb am 04.02.2012 um 18:20 Uhr folgenden Kommentar:
Hi Clara, erstmal Danke für dein Kompliment (: Ja, es ist jemand gestorben, was du gleich im neuen Teil lesen kannst (;


Clara schrieb am 07.01.2012 um 14:30 Uhr folgenden Kommentar:
Wow das Ende ist so traurig und ich würde es am liebsten weiterlesen! Was ist passiert? Ist jemand gestorben? Die Mutter? Sie? Keiner von beiden? Toll geschrelieben. Toller anfang tolles Ende. Auch das mit den wortgruppen. Perfekt!

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