Schlachtfest

von Hukwa aus der Kategorie Geschichten über Menschen

Der Tag wird kommen da das Töten eines Tieres genau so als Verbrechen betrachtet wird
Wie das Töten eines Menschen. Leonardo da Vinci



Fleisch Fleisch Fleisch immer aßen sie Fleisch kamen sie an einer Metzgerei vorbei sagten Sie lass uns hineingehen und ein wenig Fleisch kaufen
Zu Hause brieten sie dann das Fleisch sie hatten es am liebsten halb gar
Medium nannten sie das Fleisch das nur halb gar war
In das sie mit der Gabel hineinstachen und das Wasser lief ihnen dann im Mund zusammen
Wenn aus dem Fleisch ein wenig rohe und rote Brühe rann mochten sie es besonders
So ist es richtig sagten sie
Halb Gegart man muss das Fleisch richtig schmecken meinten sie
Kartoffeln und Gemüse schoben sie beiseite sie wollten nur Fleisch
Fleisch pur sagten sie dazu
Sie dehnten das Wort förmlich
Es war ein heiliges Wort
Sie murmelten es wie ein Mantra
Fleisch sagten sie so oft wie es nur ging
Ohne Fleisch meinten sie ist der Mensch nur ein halber Mensch
Und sie aßen jedes Fleisch
Schweinefleisch Ferkelfleisch Rindfleisch Kalbfleisch Hühnerfleisch Pferdefleisch
Hauptsache Fleisch sagten sie immer wieder
Sie sagten
Ich glaube wenn es Morgen kein Fleisch mehr geben würde
Ich würde
Hundefleisch Katzenfleisch Vogelfleisch Rattenfleisch
Ja ich würde Menschenfleisch essen
Jedes Fleisch würden sie essen
Gäbe es Morgen kein Rindfleisch Schweinefleisch Kalbfleisch mehr
Wir würden
Aasfleisch Eiderfleisch Mückenfleisch essen
Regelmäßig nach dem Sonntagsfleischbraten
Gingen sie noch einmal ins Bett
Fleisch zu Fleisch nannten sie dies
Sie sagten zueinander
Fleisch ist Opferung und Vereinigung
Fleischlichkeit Fleischeslust
Die höchsten Freuden sind die Freuden der
Fleischeslust
Sie genossen es eine Fleischmasse zu sein
Haut an Haut nach der fleischlichen Vereinigung
Sitzen sie wieder zu Tisch
Um wieder Fleisch zu essen
Rohes Schinkenfleisch
Das Brot lassen sie liegen
Schmeckt wie Pappe sagen sie über das Brot
Wir wollen Fleisch
Sie schneiden mit scharfen Messern an dem geräucherten Fleisch
Riechen daran und sagen
Man riecht das Blut mehr als den Wachholder
So muss Fleisch riechen
Manchmal nehmen sie zu große Stücke von dem zähen Fleisch in den Mund
Dann würgen sie husten und keuchen
Wenn es dann endlich wieder zwischen ihren Zähnen ist
Kauen sie zufrieden weiter und sagen
Das war aber ein zähes Stück Fleisch
Donnerstags ist in ihrer Stammkneipe Schlachtfest
Es ist ihr schönster tag in der Woche Feiertag
Heute ist Schlachtfest sagen sie schon am Morgen zueinander
Und freuen sich wie Kinder über ein Spielzeug
Wenn dann aus der Küche der Geruch des gebratenen Fleisches zu ihnen dringt
Denken beide das sind die Gerüche des Himmels
Und sie fühlen sich wie im Schlaraffenland
Sie glauben fest an das Schlaraffenland
Wo einem gebratene Hähnchen und Schweinekotelett in den Mund fliegen
Und sie sagen das Jenseits muss das Schlaraffenland sein
Sie sind fest von einem Jenseits im Schlaraffenland überzeugt
Ja sie denken wenn ich einmal gestorben bin und mein eigenes Fleisch
Zerfressen Verfault und verfallen ist
Dann weilt ihre Seele in diesem Land und nährt sich von gebratenem Fleisch
Dann neiden sie den Würmern ihr eigenes Fleisch
Am liebsten würden sie es selbst noch essen
So fest verankert ist der Glauben in das Fleisch
Der Metzger ist für sie ein Priester
Heilig sagen sie ist die Dialektik des Fleisches
Doch nun sitzen sie erst einmal in ihrer Stammkneipe
Ziehen den Duft der Fleischgerichte in ihre Nase wie ein
Süchtiger eine Prise Kokain
Ihre Nasenflügel blähen sich auf Ihre Rollbäuche geraten in Zuckungen
Sie sind voller Erwartung
Werden immer unruhiger
Wann kommt endlich der wirt mit dem Fleisch
Sie halten es kaum noch aus
Fühlen sich wie auf Fleischentzug
Fleisch Fleisch Fleisch
Sie denken ich halt das nicht mehr aus
Wann bringen die endlich das Fleisch
Sie sind erregt
Erwarten den Metzger der immer für sie persönlich das Fleisch aufträgt
Für sie ist er ein Magier
In seinem weißen blutverschmierten Kittel ist er für sie der
Herr des Fleisches
Sie können schon nicht mehr normal denken
Nur an frisches Schlachtfleisch Leberwürste Blutwurst und frisch geschlachtetes Fleisch
Dann kommt er
Der Herr des Fleischkessels
Selbst eine fleischige Erscheinung
Glatzköpfig und Blutverschmiert
Hände wie Knackwürste
Stieriger Blick Abstehende Ohren
Wie ein Maultier sieht er aus
Sein sprechen ist mehr ein stammeln
Aber für die beiden ist er der schönste Mann der Welt
Ja er ist ein Model für sie
Er lässt es sich nicht nehmen seine Stammkundschaft selbst zu bedienen
Der Wirt der aus Leidenschaft Metzger ist
Lachend stellt er die Teller und Schüsseln
Dampfenden frischen Fleisches vor seine Gäste
Für jeden hat er ein Wort aus der Metzgerdialektik
Diesmal sei es eine besonders starke Sau gewesen
Zweimal musste er den Schlagbolzen ansetzen
Eine Prachtsau wie man sie nicht jeden Tag vors Messer bekommt erzählt er
Ein Juwel von einer Sau ruft er nochmals in die Runde
Da macht die Arbeit erst so richtig Spaß
Und die beiden schauen ihn bewundernd an
Die beiden sagen
Wir wissen nicht ob wir ein Schwein töten könnten
Da lacht der Metzger laut
Als wäre er John Silver aus der Schatzinsel und sagt
Das braucht ihr auch nicht dafür bin ich da
Und meint weiter
Wenn ich für jede Sau die ich schon ausbluten ließ
Fünf Euro bekäme
Müsste ich heute keine mehr schlachten
Und dann lacht er wieder
Die Gäste lachen mit und würgen dabei Unmengen von Fleisch in sich hinein
Jetzt wollen sie noch Schnäpse rufen sie
Damit das Fleisch sich besser setzen könnte
Die beiden versuchen so gut es geht das rülpsen und furzen zu unterdrücken
Gehen zur Toilette um sich zu entleeren
Dann fahren sie vollgefressen nach Hause
Auf der Landstrasse fällt das Schild Wildwechsel in ihren Blickwinkel
Und sie sagen
Wenn uns jetzt ein Wildschwein vors Auto rennen würde ich würde es mitnehmen
Sie überlegen wie sie es zerlegen würden da fiel ihnen ein das sie noch nicht einmal ein Taschenmesser dabei hatten
Da sagten sie
Ich würde den Schraubenzieher nehmen dem Vieh in den Hals stechen
Es ausbluten lassen
Dann ab in den Kofferraum und nach Hause
Zu Hause würden sie es in Essig legen
Dann streiten sie darüber wie lange es in Essig liegen muss
So sprechen sie
Er fährt beinahe in den Graben so erregt ihn das sprechen über rohes Fleisch
Aber auch weil er nur mit der Linken das Lenkrad hält und mit der Rechten ein
Streichholz in den Mund führt in den Zähnen rumstochert und kleine Fleischstückchen hervorholt
Sie sind so klein das er sie mit den Vorderzähnen kauen muss
Beide sind sehr fleischig geworden in den letzten Jahre
Und als sie unter der Decke liegen
Grabschen sie nacheinander
Seine dicken fleischigen Lippen legen sich auf die fleischigen Lippen seiner Frau
Ersagte ich könnte dich fressen du wandelnde Fleischmasse
Er sagte zu ihr ich möchte dir eine Halskette aus Fleischwurst schenken und Knochen als Lockenwickler
Sie lachte und sagte
Du bist ja selbst schon ein Schwein
Er grunzte und schlief ein.









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