Nachts auf der Terrasse
von soe aus der Kategorie Lustige Geschichten
Ich habe den Drang meinen Geist zu schulen, gierig nach Wissen, schlage ich mir einige Nächte um die Ohren, um einige Fragen zu meiner Existenz auf unnatürliche Weise zu beantworten. Wer bin ich und welchen Sinn hat mein Leben überhaupt. Bücher über Selbstfindung, Buddhismus, heilende Kräfte, Indianerrituale u. verschiedene mehr begleiten eine Zeitlang meine Entwicklung. Einen großen Erfolg habe ich letztendlich durch die Inhalte nicht erzielt. Sie waren dennoch sehr hilfreich auf dem Weg meiner geistigen Evolution, unterstützten den Umgang mit meinem Geist und den Mitmenschen in meinem Umfeld.
Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, dass ein oder andere zu vermitteln und es auch selbst zu leben. Eines Abends sitze ich auf der Terrasse meiner Mietwohnung, genieße die Stille, trinke ein Gläschen Rotwein und rauche eine Zigarette. Es klingt spacie, aber in diesem Moment sind die verrücktesten Gedanken an den Wänden der Gehirnrinde bis in die Tiefen meines absurden Bewusstseins durchgedrungen. Wenn du für meine crazy Geschichte offen bist, dann tauche ein, in die Tiefen meiner kaputtesten Gedanken, ohne Regeln und gnadenlos sarkastisch. Wenn nicht, solltest du die Zeilen hier verlassen, sie könnten sonst einen erheblichen Schaden deiner Entwicklung hervorrufen
Der Drang nach vorne.........
Es beginnt bevor du geboren wirst, eine dunkle lange Höhle, in der sich eine irre Hitze breit macht, liegt vor dir. Du robbst dich Millimeter für Millimeter nach vorne, das Ziel in greifbarer Nähe, ein rundes glänzendes Ei. Es sieht friedlich in der Dunkelheit aus, wartet nur darauf wie du dich durch die Außenhülle fräst und in das Innere eindringst, um dich zu verbinden. Aber bis es so weit ist, bedarf es noch einige Mitstreiter zu beseitigen.
Vielleicht hat es in diesem Moment begonnen, der unaufhaltsame Trieb den menschlichen Egoismus im späteren Leben auszuprägen. Wie gesagt, es ist feucht, tropisch heiß und es gibt noch einiges zu organisieren. Wie kann ich Nummer 10 dazu bewegen abzukacken, aufzugeben und an den feuchten Wänden der Höhle kleben zu bleiben. Keine leichte Aufgabe, aber machbar. Kurz darauf hat sich die Angelegenheit von selbst erledigt. Nummer 10, 9, 8, 7 und 6 haben sich in drei Millimeter Entfernung gegenseitig pulverisiert. Bin jetzt auf Platz fünf und schwimme im Fluss der Gefühle, reite auf der Welle der Geilheit in Richtung Ziel.
Schwinge dezent an Nummer 4 vorbei und klatsche ihn mit meiner Flosse an die Höhlenwand. Die Temperatur wird langsam unerträglich. Dann lege ich noch einen Zahn zu, reiße mein Maul auf und fresse mich durch Nummer 3 mitten hindurch. Jetzt gibt es nur noch einen Mitstreiter. Das Ei funkelt in der Dunkelheit wie ein Diamant von unschätzbarem Wert. Doch da gibt es noch den anderen, auch er strebt die Kostbarkeit des Lebens an. Das Ei kommt in greifbare Nähe, nur noch einen Schuss weit entfernt. Einige Millimeter später prallt mein Mitstreiter und ich auf die äußere Hülle vom Ei. Es fühlt sich wie ein Flummi an, denn wir fliegen wieder einige Millimeter zurück. Dann der nächste Versuch, ich liege einen Millimeter vorne und beiße mich fest, dringe in das Innere des Ei´s ein. Im Blickwinkel sehe ich noch, wie mein Mitstreiter elendig an der Außenhülle verkümmert. Jetzt kann der Spaß beginnen.
Schwimmübungen vom Feinsten.........
Bin jetzt kaum größer als eine Made und durch so etwas wie eine Schnur mit meinem Zentralgehirn verbunden. Fühle mich wie ein Fisch im weiten Meer, ziemlich allein und ohne anderes Getier. Das ganze Szenario erinnert mich später an Robinson Crusoe, komisch nur, das Freitag in der Geschichte nicht vorkommt. Ich kann heute von Glück sagen, dass mein Zentralgehirn von Anfang an richtig funktioniert hat, es soll doch Fälle geben, wo die Denkzentrale für schwimmende unterstützungsbedürftige Kleinzeller auch anders fungiert. Irgendwie wachsen mir ständig neue Sachen aus dem Balg, mit denen ich versuche die Meeresstimmung aufzuheitern. Sieht aus meiner Perspektive sehr eigenartig aus, was ich da so treibe. Denke so manches Mal zurück, als ich mich mit den anderen durch die dunkle Höhle robben musste. Wir haben uns zwar alle gegenseitig platt gemacht, aber dafür war ich verdammt noch mal nicht so allein.
Oh, da tut sich etwas, der Wasserdruck wird mal mehr und mal weniger und mein Zentralgehirn gibt komische Laute von sich. Scheiße, da kommt irgendetwas näher, sieht aus wie ein Wurmartiges Getier. Das ganze kommt mir sehr suspekt vor, der Wurm ist mal da, mal weg, mal da, mal weg, bis er irgendwann in der Dunkelheit verschwindet. Was ich leider nicht sehen kann, eine Horde wild gewordener kleiner weißer Qualquappen robbt sich in der Höhle langsam vor, leider ohne Erfolg, da die Kabine schon besetzt ist. Jetzt bin ich wieder allein und treibe in dem endlosen Meer hin und her. Dafür schüttet mein Zentralgehirn irgendwelche Stoffe an mich aus, werde in eine Art Minirausch versetzt. Das ganze Szenario zieht sich verdammt lange hin, mal allein, mal mit Wurm, dann SchüttelShake, sowie Junkie vom Feinsten und zu guter letzt auch noch Hörprobe. Irgendwann nehme ich von draußen Dumpfe Geräusche auf, klingt für mich wie ne Mischung aus Tausend und einer Nacht und gequälte Wortverdreherei.
Es vergeht noch mehr Zeit. Mir wachsen noch mehr Sachen aus und im Balg. Fange langsam an die Sachen zu benutzen und stelle dabei fest, wie schnell ich an meine Grenzen stoße. Also, entweder haut das Wasser ab, oder das Meer ist gar nicht so groß wie ich dachte. Hab jetzt in der Frischebox kaum noch Platz. Winde mich von rechts nach links und beteuere meine Unschuld. Würde in diesem Zustand bis auf das kochende Wasser mit jedem Meica Würstchen tauschen. Jetzt verstehe ich auch, warum sich die Kleinkinder nach der Geburt so an die Mutter klemmen. Nach neun Monaten auf dem offenen Meer, würde ich mich an alles klemmen. es vergehen noch schwierige Situationen, Horizontaldrehung, Vertikaldrehung, Rauschzustand, Platzangst und Turnübungen von allerfeinster Qualität.
Irgendwann höre ich lautes Gebrüll von meiner Zentraleinheit und merke wie das Wasser abhaut, als hätte jemand eine Schleuse klargemacht, blöd ist nur, ich lieg jetzt auf´m Trockenen. Schitt, ein Fisch ohne Wasser ist wie ne Currywurst ohne Soße, was mach ich jetzt. Keine Chance, ich muss wieder in die dunkle Höhle, durch die ich einst gekommen bin. Der Unterschied ist nur, dass ich jetzt nach meiner Einschätzung hunderttausendmall größer bin, an der Höhlenwand vorbei schredder und einige Male deformiert werde. So lernt man also sich im späteren Leben durchzukriechen. Ohne mich, bleib erst mal wo ich bin. Stecke kurz vor dem Höhlenausgang fest. Unglaublich aber da kommt irgend so eine Halbschale und saugt sich an meiner Birne fest.
Zentimeter für Zentimeter werde ich länger gezogen, bis ich irgendwann im Stotterrhythmus die Höhle verlassen muss. Bin jetzt ziemlich weich gekloppt und friere wie ein Pinguin in der Antarktis. So habe ich mir das Leben nicht vorgestellt, konnte aber zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, dass die Scheiße gerade erst losgeht. Dann sprach eine Stimme zu mir „Du bist 3600 Gramm schwer, 57 cm lang (dank der Saugglocke) und kerngesund (bis auf die Schädigung der neun Monate allein auf dem Meer). Für mich hörte sich der Typ an wie James Bond und Monnipenny in einer Person.