Hug

von Gems aus der Kategorie Fantasy

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Einerseits war es wie ein Traum, doch andererseits fühlte es sich so real an wie kein Traum zuvor. Hug sah die Konturen der Stadt unter sich und auch die Kuppel selbst befand sich direkt unter ihm. Ein eigenartiges Erlebnis, das wie ein Traum anmutete und doch keiner zu sein schien. Er flog hoch über der Kuppel, er sah wie sie die Sonnenstrahlen in sich aufnahm und in allen nur erdenklichen Farben zurückwarf. Als ihm bewusst wurde dass er gar nicht fliegen konnte verlor er schlagartig diese Fähigkeit und die eben noch weit entfernte Kuppel kam im rasenden Tempo auf ihn zu. Alles ging so unglaublich schnell, dass er nur noch in der Lage war sich zusammenzurollen, seine Augen so fest er nur konnte zu schließen und auf den unvermeidlichen Aufprall zu warten.
Hug hörte noch den vorbeisausenden Wind als er schreiend aufwachte. Schweißgebadet und über den fehlenden Schmerz verwundert öffnete er vorsichtig die Augen.
- Was? Wo bin ich? - orientierungslos blickte er hektisch um sich doch alles was er sah ergab für ihn keinen Sinn. Träume ich immer noch, grübelte die eine Hälfte seines Gehirns, während die andere immer noch sehr damit beschäftigt war Oben von Unten zu unterscheiden.
- Du musst dir das Tuch das neben dir liegt um den Mund binden - sagte eine fremde Stimme. Hug drehte sich rückartig in die Richtung um aus der die Stimme kam.
- Tuch umbinden?, welches Tuch? Wo bin ich hier? - die zweite Hälfte des Gehirns meldete selbstzufrieden, Oben ist immer noch Oben und Unten ist immer noch Unten.
Damit wusste er aber immer noch nicht wo genau er war. Mit den Händen rieb er sich kräftig übers Gesicht und betastete sein Körper von Kopf bis Fuß, alles noch dran dachte er. Der Flug über die Kuppel war doch nur ein Traum, er ist nicht dagegen geprallt, er saß sicher auf dem Boden und zwar im Sand einige Meter von der Kuppel entfernt.

- Nein, nein, nein, nein - Hug sprang auf und zerrte an seinem Hemd. - Nein, das kann nicht sein, das ist eine Verwechslung, da ist jemanden ein Fehler untergelaufen, ich bin kein ... - er konnte das Wort nicht über die Lippen bringen.
- Ha, nur ein kleiner Fehler, ein Versehen nichts weiter, das klärt sich bestimmt gleich alles wieder auf - sprach er mehr mit sich selbst als mit dem Fremden der unweit von ihm entfernt stand.
- Ich muss nur wieder in den Tunnel rein, dann klopfe ich an die Verschlussklappe, zeige dem Wachmann mein kleines Sonnenabzeichen und kann wieder in die Stadt rein - seine Verwirrung hatte sich gelegt, seine Gedanken hatten sich wieder geordnet, er begriff zwar nicht ganz wie den Wachen so ein dummer Fehler unterlaufen konnte, aber niemand ist perfekt.
- So, keine Zeit verlieren, auf geht es - gesagt getan und er schritt ungelenk aber sehr entschlossen durch den Sand zurück Richtung Kuppelstadt. In seinem Eifer vergaß er gänzlich die Existenz des Alten und erschrak als die Stimme hinter ihm sagte:
- Wenn du wieder hier bist, vergiss das nicht das Tuch -
- Hug blickte sich nicht einmal um, wedelte mit der Hand die Worte des Alten weg und ging unbeirrt weiter. Als er an sich heruntersah musste er feststellen, dass man ihm seinen Gelehrtenschülerumhang weggenommen hatte. Die Wachen erkennen mich bestimmt auch ohne Umhang und Abzeichen sofort und lassen mich wieder rein. Dieser Alte mit seinem blödem Tuch, das ist alles bloß seine Schuld, wäre er nicht in ihn rein gelaufen, wäre das alles nicht passiert. Hug blieb stehen, plötzlich erinnerte er sich wieder an alles.
Er war heute Morgen auf dem Weg zur Gelehrtenschule, als plötzlich ein hagerer langhaariger, langbärtiger alter Mann mit einem Brotlaib in der Hand auf ihn zugerannt kam, er hatte keine Chance mehr auszuweichen und auf den Aufprall folgte die Dunkelheit.

Meine Eltern werden sich Sorgen machen, Uri wird sich Sorgen machen und der Obergelehrte, nein der Obergelehrte, der wird sich keine Sorgen machen und dann ist heute noch der Schreibtermin, ich muss unbedingt hin. Mit jedem einzelnen Gedanken über die möglichen Konsequenzen seiner Abwesenheit beschleunigten sich seine Schritte, schließlich fing er an zu laufen. Der ungewohnte Sand gab seinen Fußen keinen Halt, er stolperte mehr als dass er lief, aber selbst ein Sturz hätte ihn nicht davon abhalten können weiter zu laufen.
Am Eingang zum Tunnel hielt er inne, glättete mit der Hand seine spärliche Bekleidung, befreite so gut es ging sein Haar vor Staub und Sand und ging rein. Der Tunnel war eng, dunkel und er roch komisch, vermutlich machte ihn keiner sauber, wozu auch, hier werden nur die Schuldigen rausgeführt und denen ist das egal.
Die Arme zur linken und rechten Seite ausgebreitet tastete Hug sich durch die Dunkelheit des Tunnels in Richtung Stadteingang.

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In einer kleinen Backstube am äußerem Rand der Stadt arbeitet der Bäckergeselle. Der Raum war staubig vom Mehl und an vielen Stellen klebrig vom Brotteig und es riecht nach Sauerteig. Es ist mehr ein dunkles Hinterzimmer mit einem kleinen rostigen Ofen, wo der Duft vom frisch Gebackenem sich mit dem Schweiß ehrlich verrichteten Arbeit vermischt. Es war die einzige Backstube in der ganzen Stadt und nur von Außen konnte man sie als eine solche erkennen, dies mochte daran liegen, dass über der Eingangstür ein großes Schild in schnörkeliger Schrift LECKER BROT verkündete.
Wie lecker das Brot tatsächlich war tat nichts zu Sache, es war einem jeden Verkäufer erlaub seine Ware als ausgezeichnet, lecker oder einzigartig schön zu betiteln, da es von jeder Ware immer nur ein einziges Geschäft in der Stadt gab, gab es auch keinen Konkurrenten der sich daran stören konnte oder der ein besseres Brot backen konnte. Keine Konkurrenz, kein Wettbewerb, kein Streit, kein Preiskrieg, keine Streitigkeiten, alles gemäß der Kettenereignisvermeidungslehre*

Nun war die Arbeit verrichtet und das Innere der Stube war wieder sauber, beinahe steril. Der Boden unbefleckt, an den Hacken hingen schneeweiße Schürzen. In der Mitte des Raums befand sich ein massiver Holztisch, makellos gewischt und völlig leer. Die vielen kleinen und großen Schüsseln, Backformen, Tontöpfe mit geheimen Würzmischungen standen auf den Regalen neben weniger geheimen Tontöpfen auf die jemand handschriftlich SALZ, MEHL usw. geschrieben hatte.
An der Wand gelehnt, ordentlich nebeneinander aufgereiht standen Mehlsäcke, manche kerzengerade, manche in sich selbst zusammengesunken, vor lauter Ungeduld und Langeweile.
Der Bäckergeselle selbst saß in seinem Hochstuhl, er hat ihn an die Wand gegenüber vom Backofen gestellt. Er saß mit über dem Bauch verschränkten Armen, seine weiße Mütze hing ihn schief über das pausbäckige runde Gesicht, mit seinem Rücken lehnte er sich an der kalten Wand und genoss die frische Luft die durch das offene Dach in den Raum hineinwehte. Die Wärme der Sonnenstrahlen traf sich wie jeden Tag mit der Wärme des glühenden Backofens und bei diesem Zusammentreffen blieb ihm nichts anderes übrig als ein Schläfchen zu halten.

* Kettenereignisvermeidungslehre - man nehme ein Unruhe stiftendes Ereignis und verfolge rückwärts die Kette der Ereignisse die bis zu diesem Ereignis geführt haben, nun eliminiert man die einzelnen Ereignisse und schon kann nie wieder aus ihnen Unruhe entstehen.


Fortsetzung folgt...


Kommentare

Es gibt einen Kommentar zu dieser Geschichte

Lirael schrieb am 04.04.2012 um 14:58 Uhr folgenden Kommentar:
Klingt sehr spannend deine Geschichte, auch wenn der Anfang grad etwas verwirrend ist, aber bin mir sicher, dass legt sich dann in der Fortsetzung ;)

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