Ein Spaziergang

von betina aus der Kategorie Geschichten zum Nachdenken

Ein Spaziergang

Ich hatte eine anstrengende Woche gehabt. Die Arbeit, die Familie, warum wollte jeder etwas von mir? Die Arbeit nahm immer mehr zu, ich sah einfach kein Licht mehr am Horizont, sondern nur einen langen, steinigen Weg. Sollte es immer und immer so weitergehen?

Müde, erschöpft und mit dem Gefühl, schwere Pakete lasten auf meinen Schultern, machte ich mich am Sonntag zu einem kleinen Spaziergang auf.

Ich befand mich auf einem wunderschönen kleinen Weg. Der Herbst, meine liebste Jahreszeit, begann. Die Bäume an meinem Weg zeigten bereits ihre wunderbare Herbstfärbung.

Schon wieder neigt sich das Jahr dem Ende zu, dachte ich.

Neben mir floss ein kleiner Bach. Leise plätscherte er dahin. Und hinter den Bäumen auf der Wiese standen zwei Rehe. Welch eine Idylle.

Der Weg wurde ein wenig steiler und das Gehen viel mir immer schwerer. Da, plötzlich sah ich ein Rotkelchen , es versuchte, mühsam an den kleinen Bachlauf zu kommen, um etwas zu trinken. Einfach war es für den kleinen Vogel nicht; aber endlich, er hatte es geschafft, und nach der kleinen Erfrischung konnte er seinen Flug gestärkt fortsetzen.

Wenn so ein kleiner Vogel nicht aufgibt und es schafft, diesen schweren Weg zum Bächlein zu gehen, um zu trinken, so dachte ich mir, dann muss es doch für mich möglich s ein, diesen kleinen Anstieg zu schaffen.

Munter und beschwingt ging ich weiter. Das Rotkelchen hatte mir wieder Kraft gegeben. Jedoch, nach einer Weile fiel es mir wieder sehr schwer, weiterzugehen. Der Weg wurde nicht nur steiler, sondern auch steiniger. Mich überkam eine große Müdigkeit. Warum schaffte ich es nicht mehr? War ich bereits zu alt, um einen Nachmittagsspazierung zu machen? Warum sah ich alles so negativ, so unüberwindbar?

Da, plötzlich sah ich am Wegesrand eine wunderschöne Heckenrose mit noch vielen weißen Blüten stehen, dazwischen die ersten Hagebutten. Es war traumhafter Anblick, diese weißen duftenden Blüten und dazwischen die roten Hagebutten. Dieser Anblick erinnerte mich an meine Kindheit.

Wir wohnten in einem Dorf mit einem alten Garten. Es gab viele Obstbäume, Gemüse und Blumen. Viel Spaß hatten wir Kinder im Herbst beim Apfelpflücken. Wir durften die Äpfel aus dem Pflücker holen und mussten sie ganz vorsichtig in die bereitgestellten Körbe oder auch Zinnwannen legen. Sie durften nicht beschädigt werden, da sie für den langen Winter eingelagert wurden. Das ganze Haus wurde dann von einem herrlichen Apfelduft durchzogen.

In diesem Garten meiner Kindheit blühte an einer Mauer eine wunderschöne alte weiße Heckenrose. Sie war was ganz besonderes für mich. Bisher hatte ich so eine schöne duftende Blume noch nie gesehen Meinen Vater zog ich immer zu diesem Rosenstrauch, denn ich musste unbedingt eine Blüte für meine Vase haben.
Leider gibt es diesen schönen alten Garten mit dem wunderbaren Rosenstock nicht mehr. Er mußte ebenso wie andere schöne alte Erinnerungen aus der Kinder- und Jugendzeit der „Verschönerung“ des Dorfes und den modernen Bauten weichen. Die Rose mit ihrem Duft werde ich aber nie vergessen.


Und hier war sie wieder, die Erinnerung an meine Kindheit. Die Heckenrose am meinem Weg umrankte eine Bank, die mich zum Ausruhen einlud. Wer hatte mir dieses „Wunder“ geschenkt? Es tat gut zu rasten und die Natur mit all ihren Düften und Geräuschen zu genießen.

Mir gegenüber stand ein Kornfeld. Ganz leise bewegten sich die Ähren im Wind und was sah ich, diesem Kornfeld entstieg eine Gestalt, eingehüllt in einem leichten Nebel. Sie reichte mir eine Schale mit Obst und einen Blumenkranz aus Herbstastern.

Genau so eine Schale mit Herbstastern hatte mir meine Mutter in jedem Jahr zum Geburtstag geschenkt. Wer war diese wunderbare Gestalt?

Ich schaute, ich schaute nochmals. Hatte sie nicht das Gesicht meiner Mutter und winkte mir zu? Wollte sie mir Mut zusprechen? Mir sagen, dass auch ein schwerer, steiniger Weg zu überwinden sei?

Ich verlies meine Bank, um weiter meinen Weg zu gehen. Und auf einmal war alles leicht und wunderbar. Erschöpft, aber glücklich hatte ich das Ende meines wundersamen Weges erreicht.

Und plötzlich, was war das?? Ein leichtes Rauschen, Vogelstimmen und ein bekannter Duft waren um mich herum. Ich wachte auf.

Mein Schlafzimmerfenster war offen und im Baum sang eine Drossel ihr wunderschönes Lied. An meinem Bett standen eine Schale mit Obst, ein Strauß mit Herbstastern und der Duft von Rosen hing in der Luft. Ein wunderschöner Herbsttag begann.

Ich hatte heute Geburtstag und fragte mich? War alles nur ein Traum?




Kommentare

Es gibt 3 Kommentare zu dieser Geschichte

kleiner Träumer schrieb am 26.03.2012 um 17:51 Uhr folgenden Kommentar:
Eine schöne Erzählung mit viel Liebe zum Detail: Weiter so !


betina schrieb am 27.01.2012 um 09:42 Uhr folgenden Kommentar:
Leider habe ich keine Gedichte. betina


gabi schrieb am 03.04.2011 um 00:21 Uhr folgenden Kommentar:
Hallo, wirr veröffentlichen im Herbst einen illustrierten Gedichtband. Vielleicht hast du ein Gedicht mit dem du gerne dabei sein möchtst?? Schöne Grüße Gabi

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