Dunkler Pfad

von Sel aus der Kategorie Sonstige Geschichten

Okay, ich sehe ein, dass die letzte Geschichte, Kinder Taboreas, ziemlich langweilig war.
Finde ich selber.
Deshalb springe ich einfach ein bisschen weiter...
In dieser Geschichte sogar einige Jahre, Jahrzehnte.
Ich bitte um viel Lob und wenig Kritik^^

Also:

Kapitel I

Ihr Pfeil spaltete den seinen am Schaft.
Laras glockenhelles Lachen schallte durch das Tal.
Sema'il gab sich mit einem Aufstöhnen geschlagen.
„Wenn du ein Bogenschütze werden willst, musst du hart trainieren“, sagte Lara grinsend.
„Ich weiß, deshalb stehe ich hier“, gab Sema'il zurück und spannte er-neut seinen Anfängerbogen.
Der Bogen war dünn, klein, unscheinbar. Gegen Laras großen, reich verzierten Kampfbogen wirkte er schon etwas mickrig.
„Gut. Dann üb mal weiter“, sagte Lara und schoss den nächsten Pfeil ab.
Sema'ils Pfeile waren bei weitem nicht so gefährlich wie Laras. Schließlich war Sema'il noch zu unerfahren. Zu groß war die Gefahr, dass er jemanden aus Versehen verletzen könnte.
Sema'il taten schon die Finger weh, doch er wollte seine Freundin und Lehrerin nicht enttäuschen.
Laras Hände waren auch nicht ganz unversehrt, auch bei ihr hatten sich Blasen und Schwielen gebildet.
„Wenn du genug Gefühl mit dem Bogen hast, darfst du Handschuhe tragen“, sagte Lara, als hätte sie seine Gedanken gelesen.
Sema'il nickte und schoss erneut.
„Du musst die Sehne anders halten, sonst kannst du deine Finger nicht schnell genug wegnehmen und verletzt dich oder es bremmst den Pfeil aus“, belehrte Lara ihn.
Sema'il hatte die Sehne mit dem Schaft zusammen so gehalten, dass es nicht so viel Kraft benötigte. Mit dem Zeigefinger der linken Hand spannte er, mit der rechten hielt er den Bogen. Lara jedoch zog die Sehne und Schaft mit Zeigefinger und Daumen nach hinten. Für einen Anfänger wie Sema'il war das so kraftaufwändig, dass er nicht weit spannen konnte und der Pfeil auch nicht weit flog. Er bekam schnell einen Krampf in die Finger, und das hasste er. Lara konnte die Sehne auch so spannen, den Pfeil kraftvoll auf das Ziel einpreschen lassen. Lara hatte aber auch früher angefangen. Viel früher.
Sema'il stöhnte leise.
Er hatte sich wieder zu dumm angestellt.
Wie sollte er auch mit der Bogenschützin mithalten? Er hatte sich an der Feder des Pfeils das Handgelenk aufgeschlitzt. Genau genommen am Kiel der Feder. Lara hatte nicht gelacht, wie sie es sonst immer beim Versagen ihres Freundes getan hatte.
Sie hatte ihn ermutigt.
Sema'il seufzte und legte erneut den Pfeil ein.
„Vielleicht käme ich mit Armbrüsten weiter“, meinte er.
Laras blaue Augen betrachteten ihn eingehend.
„Armbrüste…“
Sie trat neben Sema'il.
„Armbrüste sind Mordwerkzeuge der Menschen“, sagte sie. „Aber…dieser Bogen ist mehr als nur das.“
Lara ließ ihre Finger über das blau gefärbte Glockenholz ihres Bogens gleiten, das ganz glatt geschliffen war.
„Dieser Bogen wurde von Elfen geschaffen, die die Natur und ihre Macht verstehen“, sagte sie. „Auch unsere Pfeile sind viel feiner als die der Menschen. Tödlicher. Und doch…faszinierend.“
Ihre Augen wanderten zum Horizont, wo die rote Sonne den Abend ankündigte. Die Elfeninsel bot einen bezaubernden Anblick.
„Nur diese Macht der Natur treibt unseren Gegnern mit einem Pfeil von uns eine Kälte in ihre Adern, die sie langsamer werden lässt. Nur die Macht der Natur gewährt es uns, dieses Holz zu einem Bogen zu machen. Nur dank der Natur sind wir nicht immer noch primitive Be-wohner Taboreas, die ihre Unterkunft in Höhlen statt in Häusern su-chen. Nur wegen ihr wurde uns offenbart das Feuer zu benutzen, so-wohl als Wärme-und Lichquelle als auch als Waffe. Genauso mit Wasser und Wind.“
Lara hatte nur geflüstert.
„Was hat das alles mit dem Bogenschießen zu tun?“, fragte Sema'il verständnislos.
„Du bist ein Druide und du willst Kundschafter werden. Ich bin Kund-schafterin und Schurkin. Kolydia ist eine Bewahrerin, eine Magierin und eine Druidin. Für alle unsere Begabungen benötigen wir die Natur und Ayvenas‘ Segen. Und alles hängt zusammen.“
Sema'il verstand nicht recht, was Wind, Wasser und Feuer mit dem Bogenschießen zu tun hatte. Dass Lara mit speziellen Pfeilen Eis und Kälte in ihre Gegner „injizieren“ konnte, das wusste er.
Er verstand, was Lara gegen Armbrüste hatte.
Aber den Rest verstand er nicht.
„Du darfst gehen“, sagte Lara gnädig. „Ruh dich aus, morgen üben wir weiter“, sagte die Schützin.
Sema'il nickte ihr zu.
Halb war er froh, endlich gehen zu dürfen, andererseits war er traurig, nicht noch länger bei Lara sein zu können.
Doch schließlich wandte er sich ab und lief zur unterirdischen Wohnsiedlung der Elfeninsel.


Kapitel II

Lorem schlug das Buch zu.
Da kommt man schon in eine Bibliothek und findet nichts!, dachte sie grimmig.
Stundenlang hatte sie die Bücher durchstöbert.
Es war eine große Bibliothek in Varanas.
Es dämmerte bereits, doch die rothaarige Magierin hatte keine Lust, zu gehen. Sie wollte heute noch ein Buch über Transport-und Portalzauber finden.
Zur Not schlafe ich auch hier, dachte sie und sie musste sogar schmunzeln.
Dummerweise war ihre Freundin und Nachbarin mal wieder in der Stadt Dalanis, auf Zandorya. Saphira hätte ihr sicher helfen können, studierte sie doch Transport-und Portalzauber.
Lorem musste grinsen.
Wenn ich sie mal brauche, ist sie nicht da!
Lorem seufzte.
Sie war nicht mit System an die Sache herangegangen und sie war sich sicher, dass sie dieses Buch schon mindestens drei Mal in der Hand gehabt hatte.
„Kann ich ihnen helfen?“, fragte jemand hinter Lorem.
Lorem drehte sich überrascht um.
„Kya’an? Was haben sie hier noch zu suchen?“, fragte Lorem.
Gleichzeitig schimpfte sie sich aus, da sie wieder die schroffe, menschliche Mundart verwendet hatte. Zu lange hatte sie anscheinend unter den Menschen gelebt.
Doch der Elf lachte nur.
„Bücher“, sagte er.
„Das macht in einer Bibliothek durchaus Sinn“, meinte Lorem lächelnd. „Nur leider ist es nicht ganz so einfach wie man es sich vorstellt. Ich sehe bei diesem System jedenfalls nicht durch“, sagte Lorem.
Kya’an lachte wieder.
„Was suchen sie denn?“, fragte der Krieger.
„Bitte, nennen sie mich Lorem“, sagte Lorem.
Der Elf nickte.
„Dann darf ich dir auch das du anbieten“, sagte er.
Lorem nickte.
„Ich suche ein Buch über Transport-und Portalzauber. Aber anscheinend sind die Magier Varanas‘ mir zuvorgekommen“, sagte Lorem.
„Das kann nicht sein. Es gibt so viele Bücher über Magie und viele beherrschen diese Art Zauber nicht“, sagte Kya’an.
Lorem nickte wieder.
Kya’an zog eines der vielen Bücher aus dem Regal.
Es war aus einer Reihe, an die Lorem nicht herankam, dazu war die Frau zu klein.
Ein weißes Blatt Pergament segelte zu Boden.
Lorem bückte sich danach und las das darauf Geschriebene.
„Kya’an“, sagte sie, ihre Stimme erstickte fast.
Kya’an las die Schrift ebenfalls.
Lorem sah ihn fragend an.
Er nickte.
„Wir müssen zur Hohepriesterin!“


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