Die, auf den Kopf gestellte, Welt K1P1
von Cup Cup aus der Kategorie Sonstige Geschichten
Kapitel 1, Part 1 :
Ist sehen gleich sehen?
Stumm saß ich da und verfolgte die Worte des Lehrers. Die Herbstsonne meinte es nicht gut mit uns, sie ließ nur wenige ihrer Strahlen hinter den Wolken hervor blinzeln. Sie zeichneten sich auf den Blättern des Kastanienbaums ab, der so aufgeregt schien als hätte er wie die Schüler nur auf das letzte ertönen der Schulglocke an diesem rauen Tag gewartet, doch es war nur der Wind. Ich blickte zum Fenster. Nach 3 Jahren verspürte ich nicht mehr den drang mich wie die anderen Jungs und Mädchen zu fünft oder sechst durch die viel zu kleine Tür zu zwängen.
Als ich aufstand, waren alle bereits verschwunden. Der Raum lag ruhig vor mir, eine beengende Stille, die mich nun doch dazu zwang meine Sachen zu packen. Gerade als ich das Mathebuch zur Hand nahm und in meinen schon übervollen Rucksack stopfen wollte, wurde mein Kopf auf eine seltsame Art und Weise schwer. Ich war nicht müde, auch nicht überarbeitet oder Krank. Mein Nacken fühlte sich an als hätte er von einer Sekunde zur anderen eine Last, schwer wie Blei zu tragen. Ich stand da, überrascht und erschrocken. Ich blinzelte. Was war das? Sah ich etwa blau? Dies zur realisieren viel mir schwer, das Mathebuch viel mir aus der Hand. Ich lief zum Waschbecken, blinzelnd vor Unbehagen, und gekrümmt wegen plötzlicher Nackenschmerzen. Angekommen drehte ich den Wasserhahn auf spitzte mir das gewohnte Kühl ins Gesicht, und blickte auf. Zerrissene Lippen, geschwollene Augen, Augenbrauen die Wut signalisierten und …Hörner? Nein, komisch geformte Buckel vom Nacken aufwärts. Ich schrie aus vollem Hals, das letzte, dass ich hörte war das leise plätschern des Wassers, dann war es dunkel.
……………………………
Der Boden der Schule war dreckig so viel stand fest. Benommen setzte ich mich auf. Was war noch gleich passiert? Wie ein Blitzschlag durchfuhr mich das grässliche Bild das ich vor wenigen Minuten oder auch Stunden im Spiegel vor mir gesehen hatte. Ich riss mich am Waschbecken hoch und starrte nochmals in den Spiegel. Gut. Alles normal. Keine Hörner, kein blau sehen, nur mein Gesicht. Eine viel zu große Nase, in einem viel zu eckigen Gesicht umrandet von langweiligem braunem, geradem Haar.
Ich stempelte das gesehene als eine Art, Phänomen ab um das ich mich später kümmern konnte – immerhin war es jetzt vorbei. Mein Körper erfreute sich bester Gesundheit, es würde nicht wieder passieren. Mein Spiegelbild zeigte mir immer eine Art Horrorbild, ein Gesicht nicht dafür bestimmt geliebt oder geachtet zu werden. Alles was ich hatte, hatte ich mir erarbeitet mit meinem Kopf, meinem Denken, dass mich nie im Stich ließ. Ich war schlau. Das war es doch was zählte. Mehr brauchte ich nicht. Nur geradlinig bleiben, so ist es schön, so ist es gut.
Oh Gott, ich bin doch wirklich so armselig! Fauchte ich mein Spiegelbild an. Ich wollte es böse anstarren bis mir auffiel das es gar nichts bringen würde – es war ja nur ein Spiegelbild, obwohl es mir heute wirklich ziemlich seltsam vorkam, naja wahrscheinlich ein Überbleibsel von vorhin.
Es schien mir so als würde mir dieses Zimmer eine Art Schuld versuchen aufzubürden. Ich schlich zu meinem Platz. Neben dem noch immer offen das Mathebuch lag. Stimmt, ich hatte es ja fallengelassen vor Schreck. Ich schloss den Rucksack und verließ das Klassenzimmer mit dem Buch unterm Arm. Jetzt nach Verlassen des Zimmers, waren meine Gedanken so klar, dass ich nicht wusste ob ich das gesehene gerade wirklich gesehen hatte.
Schade, dass heute nicht Dienstag ist, murmelte ich vor mich. Dienstag war ein besonderer Tag eine Doppelstunde Chemie. Ich genoss sie jedes Mal aus vollen Zügen. Das einzige wirklich interessante Fach, sagte ich laut, bemerkte dies aber leider zu spät. Ich sagte es als ich die Tür zur kleinen Wohnung hinter mir schloss und Selina, Selina Wood meine beste Freundin, wie ein kleiner Dackel angesaust kam. Oh man, Alice! Das musst du sehen! Das ist so was…so was von... awesome! Laut und flippig wedelte sie mit ihren Armen um sich, zeigte auf den Computer und schleppte mich, am Kragen, davor. Entzückt war, das kleine, alte Mädchen, wie ich sie immer nannte, von einem Video das ihr „neuer Schwarm“ Stephan ins Facebook gestellt hatte.
Kannst du das mal lassen? Fragend sah sie mich an. Ich blickte zurück. Ich meine das andauernde Ich – such- mir – ne´n – Kerl –und –den –mach- ich –dann – psychisch - fertig – Zeugs. Das kannst du bei dem nämlich vergessen! Das ist ein Freak, dem gefällt das. Außerdem passt das gar nicht zu deinem Studium. Und wenn da wirklich was draus wird, willst du dich wirklich mit nem Typen einlassen der so gar nicht Kommunist ist?
Das war jetzt Absicht. Was meinst du damit? Ein bisschen links schadet nie – ist das gleiche wie bie nur das man nicht in beide Richtungen geht.
Schmunzelnd versuchte ich mich aus ihren Klauen zu befreien, ein bisschen? Dank ihr kannte ich die Internationale in und auswendig. Nachdem ich mich befreit hatte schnappte ich mir einen Apfel vom Küchentisch und verschwand ins Zimmer. Stephan, hm? Der Junge tat mir jetzt schon leid. Bei der üblichen Prozedur von Bad Kleiderschrank und CD – Player, überlegte ich mir ihren Plan und wie ich ihn vereiteln könnte, zwar war ich nicht kommunistisch dafür tierlieb. Die Lampe erlosch und dunkel umgab mich. Von der Straße drang nur noch ein schwacher Schein der Laternen durch meinen dicken Vorhang. Es endete ein wirklich seltsamer Tag, der erste von vielen wie ich dann zu glauben begann.