Die geschlossene Faust ums Herz

von elisabethm. aus der Kategorie Vampire

Ich schreibe öfters verschiedenste Geschichten wenn mir danach ist. Bis jetzt hat sie noch niemand gelesen, würde mich freuen zu wissen, was ihr davon haltet.

Die geschlossene Faust um Herz

„Guten Tag, mein Name ist Magdalena Fischer. Man hat mir gesagt, dass ich hier günstig wohnen und auch gut essen kann.“
Die Wirtin sieht die junge Frau an. Sie gefällt ihr, Magdalena ist klein und zierlich, hat rot gelockte Haare, blaue Augen und Sommersprossen um die Nase. Das erweckt in der Wirtin Muttergefühle, sie würde das Mädel zu gerne umsorgen. „Ja, da haben Sie richtig gehört, mein Kind. Kommen Sie nur rein in die gute Stube. Ich mache Ihnen erstmal etwas zu Essen. Sie schauen sehr hungrig aus. Ach so, mein Name ist Fabel, Barbara Fabel. Sie können mich ruhig Barbara nennen. So, setzten Sie sich hier neben den Ofen, da ist es am gemütlichsten. Das ist übrigens mein Mann Josef. Unterhaltet euch ein wenig bis ich das Essen bringe.“ Magdalena, ein wenig überrumpelt, setzt sich zu Josef an den Tisch stellt sich vor und begrüßt ihn. „Willkommen in Bulgarien meine Liebe. Ich hoffe Sie haben hier einen schönen Urlaub. Sie können mich Josef nennen. Wir können uns doch auch duzen, hier sind wir doch unter uns, auch im Dorf sagen wir zueinander „du“. „Gerne, ich bin die Magdalena und freue mich sehr hier zu sein. Ich schaue mir gerne neue Länder an. Am liebsten mache ich Fotos von alten Gebäuden und von Gärten.“ „Da werden Sie, ähm ich meine natürlich du, eine Menge zu tun haben. Hier gibt es sehr viele alte Häuser, in der Nähe der Berge stehen sogar ein paar Ruinen. Was die Gärten angeht, werden sie viel zu sehen bekommen. Diese sind das Schönste an den Häusern.“ Da kommt auch schon Barbara aus der Küche und stellt eine große Suppenschüssel auf den Tisch, aus der es herrlich duftet.
„Was meinst du mein Schatz? Hier hat sie doch ein kleines Paradies, das sie fotografieren kann.“ Diese stimmt ihrem Mann fröhlich nickend zu.
Als sie mit dem Essen fertig sind, hilft Magdalena der Wirtin das Geschirr zu spülen. Danach zeigt Barbara ihr das Zimmer. Es ist schlicht aber sauber. Magdalena hat ein großes Bett, einen Tisch mit Eckbank, Blumen auf den Nachttischchen, eine schöne Waschschüssel als Dekoration und sogar ein eigenes Badezimmer mit WC. An den Wänden hängen wunderschöne Landschaftsbilder. Auf dem Bett liegt eine gehäkelte Tagesdecke. Magdalena fühlt sich in diesem Zimmer sehr geborgen.
Barbara wünscht ihr eine gute Nacht und lässt sie dann alleine. Diese setzt sich zuerst in die Badewanne und setzt sich hinterher ans Fenster. Sie erwischt gerade noch einen wunderschönen Sonnenuntergang für ihre Fotosammlung. Die Berge leuchten knallrot und auch der Wald wird in die letzten Sonnenstrahlen getaucht. Als sie schließlich nichts mehr sehen kann, schließt sie das Fenster. Dabei bemerkt sie, dass draußen auf der Fensterbank etwas liegt. Sie lässt es aber liegen und nimmt sich für den nächsten Morgen vor, danach zu sehen.
Das erste was sie nach dem Aufstehen macht ist, das Fenster zu öffnen um nach zu schauen was da liegt. Verwundert hält sie ein Bund von Knoblauch in der Hand. Dann legt sie es wieder hin und dreht sich zum Zimmer um. Da fällt ihr auf, dass auch über dem Türstock Knoblauch angenagelt worden ist. Das beschert ihr ein ungutes Gefühl.
Schließlich zieht sie sich an, macht ihr Bett und geht nach unten um zu Frühstücken. Während sie essen fällt ihr auf, dass auch im Gastraum Knoblauch aufgehängt ist. Neben der Eingangstür ist ein großes Kreuz angebracht und daneben ein Weihwasserspender. Nun kommt es ihr doch ein wenig komisch vor und fragt nach: „Ich will nicht unhöflich sein, aber mir ist aufgefallen, dass sich hier sehr viel Knoblauch befindet. Ist das eine Art Werbegag für euer Gasthaus? Ich habe gehört, dass sich hier in der Nähe eine Burg geben soll. Werdet ihr hier für bezahlt? Ich meine, gehen eure Gäste auf eine Vampirjagd?“ Belustigt schaut sie beide an. Doch ihr Lächeln gefriert zu Stein als sie sieht, wie sie sich ängstlich und beunruhigt ansehen.

Dann lächelt Barbara plötzlich: „ Ach komm, denk doch nicht an so was. Diese Burg ist doch nur eine Ruine. Ich würde mich damit nicht mehr befassen. Geh doch, und fotografier unser Dorf wie du geplant hast. Aber halte dich vom Wald und von der Burg fern, da ist es gefährlich.“ Sie steht auf und geht für kurze Zeit aus dem Zimmer. Als sie wieder zurückkommt, hat sie eine schöne Silberkette mit einem rubinroten Kreuz daran in der Hand. Mit einem warmen Blick übergibt sie Magdalena die Kette: „ Ich hatte nie eine Tochter, aber dich habe ich so gern, als wenn du mein Kind wärst. Ich möchte sie dir gerne schenken. Meine Großmutter hat sie mir an meinem Hochzeitstag geschenkt.“
Magdalena nimmt sie ganz gerührt an und hängt sie sich gleich um den Hals. Während der nächsten Tage macht sie viele sehr schöne Fotos. Inzwischen kennt sie alle Leute in dem Dorf und wird von jedem sehr gemocht. Sie wird von ihnen „Lena“ genannt. Magdalena hilft ihnen bei deren Arbeiten im Garten und wo sie sonst noch gebraucht wird. Dabei hört sie sehr viele Familiengeschichten. Es wird ihr auch auf alle Fragen eine Antwort gegeben. Doch als sie nach der Burg fragt, weichen ihr alle aus.
Doch die junge Frau Rachel die in ihrem Alter ist, holt sie kurz in ihr Haus, wo sie ihr eine Geschichte erzählt: Es geschah vor ungefähr 200 Jahren. Da lebte eine Fürstenfamilie – die Familie „von Falkenstein“. Sie wurden von ihren Untertanen gefürchtet. Das Fürstenpaar hatte einen Sohn der Pedro hieß. Na ja, kurz gesagt, die Familie wurde durch eine große Intrige gestürzt. Pedro konnte fliehen, aber zwei Männer hefteten sich an seine Spuren. Als sie ihn stellen konnten, töteten sie ihn mit einem Dolchstoß mitten ins Herz. Seine letzten Worte waren der Schwur nach Rache. Die beiden Männer ließen seinen Leichnam liegen wo er war. Wieder in ihrem Dorf gaben sie sehr an mit ihrer Tat. Freunde von Pedro hörten das und gingen los um ihn zu suchen. Doch als sie an der Stelle angekommen sind wo er gelegen hat, ist sein Körper spurlos verschwunden.
Ein paar Tage später wurden seine Mörder tot aufgefunden. Man fand sie in der Nähe der Burg. Sie waren ganz blass weil kein einziger Tropfen Blut mehr in ihren Adern ist. Außerdem hatten sie am Hals zwei kleine Löcher.
Von da an, sah man einen jungen Burschen dort ein und ausgehen. Dieser behauptete der Erbe dieser Burg zu sein. Die Leute haben immer wieder junge Frauen in die Burg marschieren sehen. Es ist aber nie eine je zurückgekommen.
Alle 50 Jahre kommt ein neuer Erbe an, doch alle hatten eine große Ähnlichkeit. Man erzählt sich hinter der Hand, dass es immer wieder der junge Nachfolger der „von Falkensteins“ sei, der damals ermordet wurde. Sie meinen er sei ein Vampir, der sich immer ein wenig verkleidet, um keinen Verdacht zu erregen. Deshalb wagte sich keiner auch nur in die Nähe der Burg oder des Waldes. Gegen Abend sieht jeder zu, dass er bei Einbruch der Nacht zuhause ist. Und das ist bis heute so…
Als Rachel geendet hat, meint Lena jetzt wisse sie, warum ihr die Wirtin die Halskette mit dem Kreuz geschenkt hat. Und was der Knoblauch zu bedeuten hat, versteht sie jetzt auch. Sie grinst ein wenig. Rachel durchschaut sie natürlich sofort und sagt mit hochgezogenen Augenbrauen: „Ich würde das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es sind bei uns im Dorf schon 2 Mädchen spurlos verschwunden.
Auch wenn es kein Vampir, irgendwas ist komisch an dem Kerl. Pass auf dich auf Lena. Pass auf, dass du vor Sonnenuntergang daheim bist. Weißt du, ein Kreuz hilft nicht immer gegen einen Vampir. Wenn er alt genug ist, dann kann es ihm nichts anhaben.“
Lena beruhigt sie, sagt dass sie auf sich aufpassen wird. Innerlich glaubt sie natürlich nicht an Vampire. Aber sie will die Leute hier nicht vor den Kopf stoßen.
In der Nacht schläft sie sehr schlecht. Sie dreht sich von einer Seite auf die andere. Ihr ist so zu heiß, dass sie ans Fenster tritt und es öffnet. Ein lauer Wind streicht ihr zart übers Gesicht. Der Mond scheint silbern und sehr hell auf den angrenzenden Wald.
Plötzlich sieht sie einen jungen Mann am Waldrand stehen. Sie blinzelt irritiert und schaut nochmals hin. Da er nicht mehr zu sehen ist, meint sie sich verschaut zu haben. Sie schließt das Fenster und legt sich wieder in ihr Bett. Von da an schläft sie tief und fest bis zum Morgen durch.
Den Vorfall der letzten Nacht hat sie fast schon wieder vergessen. Doch als sie bei ihrem Spaziergang an Rachels Haus vorbeikommt, klopft sie an und erzählt ihr von ihrem nächtlichen Erlebnis. Rachel ist ganz erschrocken: „Oje, das war sicher „Pedro der 3“ von der Burg Falkenstein. Wenn du zuhause bist, bitte ihn ja nie zu dir ins Haus, denn dann hat er freien Zugang. Ein Vampir darf nur hereinkommen, wenn er gebeten wird.“
Als Lena wieder zurückgeht, fängt sie ein junger Bursche vor der Wirtsstube ab und teilt ihr mit: „Mich schickt jemand, der kann dir Fragen zur Burg beantworten. Heute Abend in der Kneipe. Sie sollen sich reinsetzten. Mein Auftraggeber wird dich dort finden. Frag mich bitte nicht nach mehr, das ist alles was ich weiß. Dann auf
Wiedersehen.“ Der Bursche schaut verängstigt aus, deshalb dringt sie nicht weiter in ihn, sondern bedankt sich und tritt in die Gaststube.

Dort erzählt sie ihren Gastleuten, dass sie noch eine Weile tanzen geht. Sie will die beiden nicht beunruhigen und erzählt ihnen nicht warum sie wirklich in die Kneipe geht.
Barbara und Josef wundern sich über Lena. Am Abend ist doch so gut wie nichts los in der Kneipe. Doch sie wollen sie nicht bevormunden. Es ist ja ihre Sache wie sie ihre Zeit verbringt. Trotzdem machen sie sich Sorgen um Lena, sie ist ihnen sehr ans Herz gewachsen. Ein wenig beruhigt sie, dass Lena die Halskette trägt.

Als sie sich schließlich auf den Weg macht, fühlt sie sich doch ein wenig mulmig. Das ist normal nicht ihre Art, sich ohne weiteres mit jemanden zu treffen, den sie nicht einmal gesehen hat. Doch dann sieht sie, dass in der Kneipe ein paar Männer sitzen die sie kennt. Da geht’s ihr gleich besser, denn sie weiß, dass sie hier nicht alleine ist. Sie setzt sich in eine gemütliche Ecke und wartet, und wartet…
Sie bestellt sich gerade ihr 2. Mineralwasser als die Tür aufgeht. Lena sieht auf, doch es ist nur Rachels Mann Trevor. Sie will sich gerade wieder abwenden, als er sich neben sie an den Tisch setzt. Er beugt sich zu ihr rüber und flüstert ihr ins Ohr: „Hör mal, ich habe von deiner „Verabredung“ gehört. Du begibst dich hiermit in ganz große Gefahr. Halte dich am besten von diesem Pedro und seiner Burg fern. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Kerl. Ich halte es für das Beste, wenn du dich auf den Heimweg machst. Am beste, so schnell wie möglich. Bis zu mir daheim begleite ich dich, dann bist du auf dich allein gestellt. Also, komm jetzt bitte. Rachel würde mich 4- teilen wenn sie denken müsste, ich habe dich ohne Schutz gelassen. Ich weiß, du glaubst nicht daran, aber hier- bitte nimm es an, für alle Fälle.“ Er hält ihr ein großes Stück Knoblauch entgegen. Weil sie nicht undankbar erscheinen will, nimmt sie ihn an. Dann steht sie auf und folgt ihm nach draußen. Auf dem Heimweg sind beide sehr still. „Sag mal Trevor, was meinst du denn damit, mit dem Typ nicht? Das hat Rachel auch schon gesagt. Ihr glaubt an Vampire oder? Meinst du nicht, dass dies alles nur Aberglaube ist?“ „Ja wir glauben an sie. Weißt du, wir haben schon mehr gesehen, als du dir vorstellen kannst. Es gibt einfach viel Dinge zwischen Himmel und Erde als wir uns denken. Also, vertrau uns einfach und sei vorsichtig. O.K. wir sind da. Pass auf dich auf und gehe ohne Umwege auf den schnellsten Weg nachhause.“ Sie verspricht es. Die beiden verabschieden sich voneinander und Lena geht weiter. Sie hat jetzt nur noch um die 250 Meter zu gehen. Auf einmal hat sie nicht richtig aufgepasst und wäre fast über eine Wurzel gestolpert und gestürzt. Dabei fällt ihr unbemerkt das Stück Knoblauch aus der Tasche.
Rund um sie herum ist alles still und kein Blatt regt sich.
Doch plötzlich hört sie neben sich eine Stimme:“ Guten Abend, schöne Frau. Was machen Sie denn so spät und noch dazu allein hier draußen?“ Lena fährt zusammen und stößt einen kleinen Schrei aus. Neben ihr steht ein gut aussehender junger Bursche. Sie hat ihn weder kommen gehört, noch gesehen. Es scheint so, als wäre er aus dem Boden geschossen. „Mein Gott, haben Sie mich erschreckt. Wo kommen Sie denn so plötzlich her?“ Das tut mit leid, das wollte ich nicht. Mein Name ist Pedro von Falkenstein, und mit wem habe ich das Vergnügen?“ Sein Name lässt sie kurz zusammenzucken, doch dann fühlt sie sich so ruhig und unbeschwert wie schon lange nicht mehr. Ihr ist, als würde sie schweben. Pedro gefällt ihr, sehr sogar. Sie hat ein ganz warmes Gefühl in der Magengegend. Es fühlt sich an, als wäre ihr Herz von einer sanften Hand umschlossen.
Sie stellt sich ihm vor und erzählt ihm, dass sie hier das Land erkunden will. Er scheint sehr zufrieden zu sein. Beide unterhalten sich sehr gut. Lena fühlt sich ihm schon sehr nahe und verbunden. Als sie beide beim Gasthof ankommen, geht in der Gaststube das Licht an: „Lena, da bist du ja. Wir haben uns schon Sorgen gemacht. Was… ist denn los?“
Barbara ist mit einer Laterne auf den Hof hinausgetreten. Lena dreht sich erschrocken zu ihr um. Sie blinzelt verwirrt ins Licht: „ich wollte nur…“ Dabei dreht sie sich wieder um und will sich ihrem Begleiter zuwenden. Doch diesen hat schon die Dunkelheit verschluckt. Plötzlich fängt Lena an zu zittern. Sie hat das Gefühl, als wenn sie gerade aus einem Traum erwachen würde. Ganz benommen torkelt sie in die Gaststube. Dort gibt ihr Barbara noch eine Tasse heiße Milch mit Honig und bringt sie dann ins Bett.
Die Wirtin scheint irgendetwas zu ahnen. Sie hängt ein Kreuz ans Kopfende von Lenas Bett. Auch den Knoblauch verteilt sie im Zimmer. Dann setzt sie sich in einen Sessel um über Lenas Schlaf zu wachen. Diese schläft heute Nacht sehr unruhig.
Barbara vermutet, dass sich Pedro immer noch in der Nähe befindet. Deshalb hat Lena auch eine so schlechte Nachtruhe.
Er hat sie gesehen und sie gefällt ihm. Jetzt lässt er sie nicht mehr los…. Wenn er an einer Gefallen gefunden hat, dann vergisst er sie nicht mehr so schnell.
Barbara nimmt sich vor, mit ihrem Mann darüber zu sprechen. Gegen des frühen Morgens, schläft Lena endlich tief und fest. Also geht die Wirtin nach unten, um das Frühstück vor zubereiten.
Lena wacht durch einen Sonnenstrahl der sich durch einen Vorhangspalt herein gestohlen hat, auf. Sie fühlt sich sehr ausgelaugt. Ihre Nacht war von Alpträumen durchzogen. Immer wieder hat sie eine Frau durch den Wald laufen gesehen. Sie konnte ihre Angst fühlen, immer wieder hat sie sich beobachtet und bedroht gefühlt. Der Schweiß lief ihr den ganzen Körper hinunter und ihre Hände zitterten unkontrolliert. Plötzlich stand vor ihre eine Gestalt wie aus dem Boden gewachsen. Er nahm sie in seine Arme. Dann spürte sie einen stechenden Schmerz und alles war voller Blut. Dann ist Lena aus dem Traum aufgeschreckt. Sie ist schweißgebadet und zittert am ganzen Körper, es erschien ihr alles so real. Das hat sich immer wiederholt.

Bevor sie zum Frühstücken geht, wäscht sie sich und zieht sich was Frisches an. Dann geht sie nach unten. Dort sitzen die Wirtsleute schon am Küchentisch. Es scheint so, als hätte Barbara ihren Mann schon über die nächtlichen Vorkommnisse aufgeklärt.
Die beiden beschwören Lena nicht in die Nähe der Burg zu kommen. Außerdem soll sie bei Einbruch der Dunkelheit wieder hier im Gasthaus sein. Lena verspricht es. Sie ist so müde, dass sie sich nur auf eine Waldlichtung setzten und malen möchte.
Barbara packt ihr einen Picknickkorb und bittet sie, nicht zu weit in den Wald hinein zu marschieren. Als Lena ihr versichert hat, dass sie früh genug zurückkommen wird, lässt Barbara sie gehen. Also macht sie sich auf den Weg. Zuerst folgt sie einem schönen und breiten Wanderweg. Sie kann nichts hören außer den Bäumen die im Winde rauschen und dem schönen Gesang der Vögel. Nach einer halben Stunde nimmt sie einen schmalen Pfad um zu einer Lichtung zu kommen. Dort sieht sie sogar einen kleinen See, an dessen Steg sie sich setzt. Sie macht es sich gemütlich. Dann packt sie ihre Malsachen aus. Ein schönes Motiv hat sie ja gerade vor sich. Auf dem See, der im Schein der Sonne golden glänzt, wachsen sehr schöne und große Seerosen. Diese nimmt sie als Vorlage.
Als sie nach ca. 2 Stunden fertig ist, ist sie sehr gut aufgelegt und auch sehr hungrig. Also packt sie den Korb aus und fängt an zu essen.
Doch davor finden sie einen im Picknickskorb einen Zettel auf dem steht: Vergiss nicht vor Einbruch der Dunkelheit daheim zu sein. Einen schönen Tag wünscht dir Barbara.
Lena nimmt sich fest vor, ihrer Wirtin keinen Grund zur Sorge zu geben. Nach einer kleinen Pause der Mahlzeit, zieht sie ein paar Runden durch den See.
Als sie sich erfrischt hat, legt sie sich zum Trocknen in die Sonne.
Plötzlich ist sie so müde, sie nimmt sich vor, grad für ein paar Minuten die Augen zu schließen… nur ganz kurz… Schon fällt sie in einen tiefen Schlaf.
Als sie endlich aufwacht, ist es dunkle Nacht. Sie fährt erschrocken hoch und sieht sich um. Zum Glück scheint diese Nacht ein runder Vollmond vom Himmel herab. Sie zieht sich an und packt alles zusammen. Sie findet eine Taschenlampe, an der ein Zettel hängt:“ Für den Notfall, liebe Grüße J.F. Dafür ist sie ihm jetzt sehr dankbar.
Sie nimmt ihre Sachen und begibt sich im Taschenlampen- und Mondlicht auf den Rückweg. Doch irgendwo muss sie falsch abgebogen sein, denn sie kommt immer tiefer in den Wald. Bei jedem Knacken fährt sie erschrocken zusammen. Ihr ist diese Situation sehr unheimlich.
Doch plötzlich ist alles still: kein Knacken, kein Rauschen und auch kein Tier ist zu hören.
Sie fühlt nur noch Angst, sie schwitzt und ihr Herz klopft viel zu schnell.
„Weißt du, dass ich dein Herzklopfen viele Meter weit hören kann?“
Lena bleibt fast das Herz stehen, sie dreht sich langsam um, und steht Pedro gegenüber.
Ihr erster Impuls drängt sie zum Weglaufen. Doch irgendwas in ihrem Herz sagt ihr, sie soll hier bei ihm bleiben. „Pedro, wo kommen Sie denn so plötzlich her? Sie haben mich erschreckt.“ „Das wollte ich nicht, tut mir leid. Was machen Sie noch so spät hier draußen?“ „Ach, ich bin am See eingeschlafen und bin erst vor kurzem wach geworden. Können Sie mir bitte sagen, wie ich wieder zum Gasthof im Dorf finde?“
„Ich habe eine bessere Idee. Wie wäre es, wenn Sie mit mir in meine Burg kommen? Dann können Sie sich frisch machen und etwas essen. Am Morgen wenn es hell ist, finden Sie auch wieder leichter nachhause. Na, was halten Sie davon?“
Lena kommen plötzlich die Warnungen ihrer Freunde in den Sinn. Und sie überlegt sich, ob sie nicht doch ablehnen soll. Irgendwie wird sie schon zurückfinden. Doch dann sieht sie Pedro in die Augen, und schon verschwindet ihr Widerstand wie von selbst. „Ja gerne, gehen wir.“ Sie lässt sich von ihm führen wie eine Puppe. Irgendwas schließt ihr Herz ein, so dass sie nichts mehr selbst fühlen kann und alles mit sich geschehen lässt. Sie fühlt sich in seinen Armen warm und geborgen. Einen freien Willen scheint sie nicht mehr zu haben. Pedro hat mit seinen Augen eine unwiderstehliche Macht über sie.
Als sie bei der Burg ankommen, führt er sie in ein großes Zimmer. Darin befinden sich große Regale mit Büchern, eine gemütliche Relaxzone mit einer schönen Couch, einem Tischchen, und ein Schaukelstuhl. Der Hauptteil besteht aus einem offenen Kamin mit zwei Ohrensesseln davor. Mitten im Zimmer steht ein großer Esstisch. Pedro führt sie in der ganzen Burg rum. Nur in den Keller gehen sie nicht. Lena fällt auf, dass sich in keinem Zimmer ein Spiegel befindet.
Nach der Führung bekommt sie etwas zu essen. Pedro entschuldigt sich bei ihr, er habe schon gegessen. Er leiste ihr aber gerne Gesellschaft. Während sie sich das Mahl schmecken lässt, liest er ihr Gedichte vor. Begeistert hört sie zu. Dann wird es Zeit für sie, schlafen zu gehen. Er führt sie nach oben in ein großes Schlafzimmer. Ein wenig betreten steht sie vor dem Bett und überlegt sich, ob sie jetzt nicht besser gehen sollte. Pedro ermuntert sie: „Du brauchst vor mir keine Angst haben. Die Leute reden viel über mich, doch das ist alles nicht wahr. Ich werde morgen früh aufstehen müssen weil ich einen Termin habe. Du kannst so lange schlafen wie du willst. Dann kannst dich auf den Rückweg machen. Von hier aus geht ein Weg durch den Wald. Folge diesem und du wirst zum Gasthof finden. Also, gute Nacht, schlaf gut.“
Er streichelt ihr über die Stirn und geht dann raus. Sein Hunger macht ihn fast wahnsinnig. Bei Lena konnte er sich noch beherrschen. Jetzt muss er los und sich jemanden suchen, an dem er sich laben kann.
In der Stadt folgt er einer jungen Frau. Sie regt seinen Appetit an. Schließlich biegt sie in eine dunkle Gasse ein. Er schleicht ihr hinterher. Pedro kann in seinem schwarzen Mantel mit der Nacht verschmelzen….
In der Burg schläft Lena friedlich in ihrem großen Bett.
Doch plötzlich lässt sie ein lauter Schrei aus ihren Träumen aufschrecken. Sie horcht in die Dunkelheit hinein. Da aber nichts mehr zu hören ist, legt sie sich wieder schlafen. Sie schläft tief und fest die ganze Nacht lang.
Am nächsten Morgen erwacht sie frisch und munter. Sie muss sich erst mal besinnen, wo sie eigentlich ist. Doch es fällt ihr gleich wieder ein. Bevor sie sich auf den Rückweg begibt, macht sie noch schnell ihr Bett. Danach geht sie nach unten und will gerade zur Tür raus hinaus.
Doch ein paar rostbraune Flecken lassen sie innehalten. Sie bückt sich und bemerkt, dass diese Flecken eingetrocknetes Blut sind.
Ihre innere Stimme warnt sie vor weiteren Untersuchungen. Sondern drängt sie dazu, raus und zum Gasthof zu rennen. Doch ihre Neugierde siegt. Sie bemerkt, dass eine Blutspur von der Tür weg und die Treppe nach unten führt. Lena folgt der Marmortreppe zum Keller runter, die auf beiden Seiten von Fackeln beleuchtet wird.
Unten angekommen, geht sie einen langen Gang entlang- dieser wird ebenso von den Fackeln erhellt. Dann kommt sie in einen Raum vor dem eine hohe Gittertür angebracht ist. Lena schlägt ein Geruch von Moder und Fäulnis entgegen.
Sie drückt die Türklinke nach unten und öffnet das Tor. Als sie eintritt sieht sie, dass die hohen Fenster mit schweren Vorhängen verhangen sind. Lena tastet sich in dem dämmrigen Raum vorwärts, als sie plötzlich über etwas stolpert. Über irgendwas Weiches. Sie holt sich eine Fackel um zu so sehen, was da auf dem Boden liegt.
Als sie hinschaut, entfährt ihr ein kleiner Schrei. Beinahe hätte sie ihre Fackel verloren. Was sie sieht, lässt ihr den Atem stocken. Ihr ist, als wenn ihr jemand die kalte Faust ums Herz legt.
Vor ihr liegt eine junge Frau, die Augen vor Angst geweitet. Ihr Gesicht ist bleich und blutleer. Am hals hat sie zwei kleine runde Löcher. Das komische daran ist, es gibt sonst nirgends nur einen kleinen Tropfen Blut. Lena erinnert sich an den Schrei von letzter Nacht. Also hat sie sich doch nicht verhört. Aber dann hätte Pedro doch etwas mitbekommen müssen….
Sie sieht sich noch ein wenig um und sieht in der hinteren Ecke einen prunkvollen schwarzen Sarg. Dessen Deckel ist ein wenig verschoben. Neugierig wie sie ist, geht sie näher ran. Sie hängt die Fackel an die Wand und versucht ihn weg zu schieben. Was sehr viel Kraft erfordert, weil er sehr schwer ist. Sie muss sich mit ihrem ganzen Körpergewicht dagegen stemmen. Dann hat sie es endlich geschafft. Sie nimmt sich die Fackel in die Hand und leuchtet in den Sarg hinein.
Was sie sieht, lässt sie weiß wie die Wand werden. Sie lässt die Fackel fallen und rennt davon.
„Dann habe ich reingeschaut und… oh es war so schrecklich.“ „Komm mein Kind, erzähl es der alten Barbara. Was ist denn so schlimmes passiert? Hier, trink einen Schluck Kamillentee, dann geht es dir besser.“
Im Gasthof sitzen neben Lena u. Barbara auch ihr Mann und Rachel mit Trevor am Tisch. Lena ist vor einer halben Stunde angelaufen gekommen, ganz verschwitzt und mit zerzausten Haaren. Sie stammelte immer wieder Pedros Namen. Da schickte die erschrockene Wirtin nach ihren Mann zu Rachel und Trevor nachhause. Sie sind ihm auch gleich gefolgt ohne lange Fragen zu stellen.

Als sich Lena ein wenig beruhigt hat, beginnt sie zu erzählen. Doch als der Teil mit dem Sarg kommt, bricht sie erschüttert ab. Langsam trinkt sie ein paar Schlucke vom Tee und wird wieder ruhiger. Dann setzt sie wieder zum Sprechen an: „Als ich reingeschaut habe, hab ich Pedro darin liegen gesehen. Er hatte zwar die Augen offen, aber es schien als wenn er mich nicht sehen konnte. Als würde er mit offenen Augen schlafen. Aber das Schlimmste war, dass er zwei hervorstehende Eckzähne hatte. Sein Mund war voller Blut und er hat gelächelt. Da habe ich Panik bekommen und bin fortgelaufen. Ich bin die halbe Stunde so schnell gerannt, dass mir dir Lungen brannten. Jetzt weiß ich nicht was ich machen soll.“ Trevor schaltet sich ein: „Am besten du fliegst nachhause zurück. Ich fahr dich zum Flughafen. Am sichersten bist du im Moment in deiner Heimat in Österreich. Pack am besten gleich deine Sachen zusammen. Es ist besser für uns alle, wenn du am Abend schon weit weg bist von hier.“
Die anderen unterstützen diesen Plan. Also machen sich alle an die Arbeit. Als alles vorbereitet ist, verabschiedet sich Lena von den Wirtsleuten. Barbara hat ihr noch ein großes Lunchpaket eingepackt. Dann setzt sich Lena in den Wagen zu Rachel und Trevor. Als sie abfahren schaut Lena nach hinten durchs Fenster und sieht das Wirtshaus immer kleiner werden.
Sie ist sehr nervös und hofft bald am Flughafen zu sein. Dort kann sie noch ein Last- Minute- Ticket nachhause erwischen. Lena verabschiedet sich von den beiden und steigt ins Flugzeug.
Die anderen beiden fahren ins Dorf zurück und warnen die anderen. Sollten heute Nacht in ihren Häusern bleiben wenn ihnen ihr Leben lieb ist.
Aber heute Nacht scheint es so, als wenn Pedro keine Lust zum Jagen hat. Es bleibt alles ruhig, nichts und niemand sind draußen zu sehen. Das kommt ihnen dann doch etwas komisch vor…

Lena kommt gegen 19 Uhr nachhause. Sie ist noch ganz benommen von ihrem nächtlichen Erlebnis.
Mit irgendjemandem muss sie reden, alles loswerden. Sonst würde sie noch verrückt werden.
Sie entscheidet sich für ihren langjährigen Freund Pascal. Die beiden kennen sich schon seit ihrer Kindheit.
Also ruft sie ihn an: „Pascal? Hi, hier ist Lena. Könntest du jetzt noch vorbeikommen? Ich muss dir unbedingt was erzählen. Die letzten Tage waren einfach furchtbar. Bitte komm, ich brauche jetzt jemanden bei mir. Ich weiß nicht was ich sonst machen soll.“
„Was ist denn los mit dir? So ängstlich kenn ich dich gar nicht. Natürlich komm ich, in 15 Minuten bin ich da. Ciao, bis gleicht.“ Besorgt legt Pascal den Hörer auf. Es scheint ihr wirklich ernst zu sein mit ihren Ängsten. Normalerweise fürchtet sie sich nicht so schnell. Es muss etwas sehr schlimmes passiert sein, sonst hätte sie ihn nicht sofort angerufen. Er zieht sich seine Jacke an und macht sich auf den Weg zu ihrer Wohnung.
Lena hat sich gerade geduscht und umgezogen als es auch schon an der Tür läutet. Ohne sich etwas dabei zu denken, nimmt sie den Hörer der Gegensprechanlage: „Hi, du warst aber schnell, komm doch rauf ich lass die Tür offen.“
Sie geht in die Küche um etwas zu trinken vor zu bereiten. Dann hört sie ein Klopfen an der Tür: „Ich bin in der Küche, komm doch rein.“ Die Schritte kommen näher „Ich hoffe du magst einen Orangensaft, ich bin noch nicht dazu gekommen, etwas anderes zu kaufen.“ „Oh, dein Blut würde mir vollkommen genügen.“ Lena wirbelt herum und sieht…
„Hallo Magdalena.“ „Pedro, was machst du denn hier? Wo ist…?“ „Dein Freund ist sicher schon am Weg zu dir. Aber das macht nichts. Bis der hier ist, bin ich schon wieder weg. Du musst etwas vorsichtiger damit sein, wen du herein bittest.“ „Was willst du von mir? Wenn du nicht gehst, dann schrei ich das ganze Haus zusammen. Ich habe dir nichts getan und auch niemandem gesagt, wer oder was du bist. Das heißt, vorerst weiß es niemand.“
„Das wirst du auch niemandem mehr sagen können, meine Liebe.“ Pedro kommt auf sie zu, immer näher. Lena weicht bis zur Balkontür zurück. Er kommt immer näher. Sein Mund verzerrt sich zu einem grausamen Lachen, wobei die spitzen Zähne zum Vorschein kommen. Lena bekommt es mit der Angst zu tun. Sie kann kaum atmen, ihr wird das Herz so schwer. Doch dann sieht sie ihm in die Augen und wie zuvor, fällt der ganze Widerstand von ihr ab. Er kommt immer näher.
Pascal beeilt sich. Er hat noch schnell Blumen und eine Flasche Wein für Lena gekauft. Jetzt muss er sich aber sputen, in ihrem Zustand will er sie nicht alleine lassen. Schließlich kommt er vor dem Wohnblock an. Lena wohnt im 3. Stock. Doch als er dort oben ankommt, findet er die Wohnungstür offen vor. Erschrocken tritt er ein und schaut sich in der Wohnung um.
Schließlich kommt er ins Wohnzimmer. Hinter der Couch sieht er Lenas Beine hervorragen. Rasch läuft er zu ihr und kniet sich neben sie nieder. Was er sieht, lässt ihn erbleichen. Lena liegt mit geschlossenen Augen da, blutleer und mit zwei Einstichen am Hals. Er ruft die Polizei an und erzählt wie er Magdalena vorgefunden hat. Es sollen gleich Beamte vorbeikommen, um sich den Sachbestand anzusehen. Pascal setzt sich in die Küche und trinkt gleich 2 Gläser Wein hinunter. Er lehnt sich an die Spüle und schaut nach draußen, dabei denkt er laut: „Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, dass das hier ein Vampir war.“
Plötzlich fühlt er sich total unwohl. Ihm zieht sich am ganzen Körper eine Gänsehaut auf. Auf einmal spürt er einen kalten Atem im Genick. Er kann gar nicht mehr reagieren, dann ist schon alles schwarz um ihn herum…
ENDE


Kommentare

Es gibt 3 Kommentare zu dieser Geschichte

Billie Jean schrieb am 08.10.2011 um 15:00 Uhr folgenden Kommentar:
Mir gefällt diese Geschichte auch sehr gut. Und deine Schreibweise hat mich auf neue Ideen für meine Geschichten gebracht! Danke für diese tolle Geschichte. Lg, Billie Jean.


HappyWriter schrieb am 18.03.2011 um 12:29 Uhr folgenden Kommentar:
Danke! =)


kopflos schrieb am 04.03.2011 um 22:27 Uhr folgenden Kommentar:
Gefällt mir sehr gut!Auf den Punkt!

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