Die drei Silberpfeile

von Stephanie aus der Kategorie Fantasy

Die drei Silberpfeile

Immernoch ging es treppab und noch war kein Ziel in Sicht. Es blitzte und donnerte, manchmal bebte sogar die Erde und Steinsbrocken fielen von den Wänden ab.
“Schaut mal, ich glaube dort vorne endet diese Treppe. Es sieht aus, als führe sie in einen großen Raum.”
“Ja, Patricia wird wohl Recht haben. Kommt, laufen wir schneller,” entgegnete Annalena. Immer schneller liefen sie, bis sie letztendlich zu rennen begannen.
Am Treppenende öffnete sich ein größer Raum. Überall an den Wänden funkelten rote Diamanten und Kerzen leuchteten. Die Wände selbst waren dunkel, fast schon tiefschwarz. In der Raummitte befand sich eine große Säule, mit vielen Ranken verziert, die, wenn man genauer hinsah eine alte Schlacht darstellten. Die Säule trug die gewaltige weiße, mit Ornamenten verzierte Decke.
Vorsichtig liefen sie durch den Raum. Und plötzlich… hatten sie es entdeckt. Auf einem kleinen Tisch lag ein weiches rotes Kissen und darauf ein großes goldgeflecktes Ei.
“Da ist es, lasst es uns holen und dann nichts wie raus hier,” rief Thomas und lief auch sogleich los.
“Halt, warte! Glaubst du ernsthaft, dass es uns so einfach gemacht wird? Das ist sicher eine Falle,” rief Patrick mit ernsthaft klingender Stimme.
“Ja, du könntest richtig liegen, aber was machen wir jetzt? Denis, was sagt das Medallion?”
“Nichts Thomas, aber ich spüre etwas…”
“Und was?”
“Ich glaube, dass irgendwas geschehen wird,” fragend blickte er sich um, doch er fand keine Antwort, “aber was… was wird geschehen?”
Doch auch seine Freunde fanden keine Antwort und blickten ratlos umher.
Draußen begann es zu dämmern und ein Sturm zog auf. Die Körper der toten Menschen lagen noch immer auf dem kalten Boden.
Der Krater der sich gebildet hatte, um den Kriegern den Weg in diesen seltsamen Raum zu zeigen, hatte sich schon längst wieder geschlossen. Und so sah es in dem kleinen Dörfchen fast so aus, als wäre nichts geschehen. Jedoch bekamen die Krieger von allem nichts mit, da sie irgendwo tief unter der Erde in einem seltsamen Raum waren, um das Drachenei zu finden.
Vorsichtig liefen sie mit kleinen Schritten weiter. Auf einmal krachte es und für einen kurzen Moment erfüllte Nebel den düsteren Raum.
“Schnell, die Rüstungen.” rief Denis.
“Wasser das mich umgibt!”
“Feuer tief in mir!”
Kampfbereit warteten sie ab, was wohl geschehen würde.
“Wer wagt es in mein Reich einzudringen und mich, Lady Seraphin bei wichtigen Angelegenheiten zu unterbrechen und zu stören?”
“Das fragt ihr noch? Kommt ihr darauf nicht von selbst?”, fragte Thomas, “wir sind die mystischen Krieger und wenn sie uns geben, wonach wir suchen, dann verschwinden wir schneller als sie glauben.”
“Ich soll euch etwas geben? Dabei wüsste ich gar nicht was ich euch geben sollte. Ihr befindet euch hier in meinem Reich und stellt Forderungen? Was bitte, bin ich euch schuldig? Ich würde euch raten von hier zu verschwinden, das, was bald geschehen wird, ist keine Sache für euch!”
“Nun, wir begehren etwas, das nicht in euren Besitz gehört. Und ob die Dinge, die geschehen werden, für uns bestimmt sind, das lassen sie mal unsere Sorge sein.”
“Das ich nicht lache, was soll es denn sein, was Kinder wie ihr aus dem Reich der mächtigen Seraphin begehrt? Mit all dieser Macht, die hier herrscht, könnt ihr doch nichts, aber auch gar nichts anfangen! Alles, was sich hier befindet gehört in meinen Besitz, schließlich ist dies hier mein Reich,” rief sie barsch.
“Sie können uns ganz gewiss nichts vormachen, wir sind nicht doof, ganz sicher nicht! Also, rückt es heraus, bevor ihr es im Kampf gegen uns verlieren werdet,” rief Denis.
“Hahahaha du glaubst doch nicht im Ernst, dass ihr eine Chance gegen mich, Seraphin die Mächtige eine Chance haben werdet. Mich hat noch nie irgendjemand gesiegt,” rief sie und trat mit erhobenen Zauberstab hinter einer Säule hervor. Erst jetzt erkannten sie, wer ihre Gegnerin war.
Lady Seraphin war eine kleine, zierliche Frau mit langem, wild gelocktem braunen Haar. Sie trug ein weinrotes, leicht zerfetztes Kleid.
“Nun, wie mir scheint, hat wohl doch keiner den Mut, gegen mich zu kämpfen. So ist es immer, erst nehmen sie alle den Mund voll und wollen die großen Helden spielen, aber sobald sich ihnen die Chance bietet, ihre Versprechen zu erfüllen, dann machen sie einen Rückzieher, genau wie ihr!”
“Das sie sich da mal nicht irren,” schrie Kathy und griff sogleich an. Mit erhobenem Zauberstab stürmte sie nach vorne und rief:
“Verida balum!”
Doch dieser Zauber war zu schwach, um Lady Seraphin zu entwaffnen.
“Hahaha, was war das? Glaubst du etwa, mit diesem schwachen Zauber kannst du mich entwaffnen? Aber was erwarte ich, du bist eben doch nur eine vorlaute kleine Göre! So gebt doch einfach auf, bevor der Kampf überhaupt richtig begonnen hat!”
“Das habt ihr euch so gedacht, dass wir so einfach aufgeben! Aber da muss ich sie enttäuschen, wir sind die mystischen Krieger und die geben niemals auf,! Rief Denis forsch.
“Hahaha ein mystischer Krieger gibt niemals auf, aber soll ich dir mal etwas sagen? Ein wahrer mystischer Krieger vergeudet seine Zeit auch nicht damit so viel zu reden. Nein, er hätte schon längst begonnen zu kämpfen!”
“Nun gut, dass könnt ihr haben,” schrie Denis und zog sein Schwert aus der Scheide heraus.
Von einem Moment auf den anderen war ein gewaltiger Kampf ausgebrochen. Es blitzte und krachte. Schwerter schlugen immer wieder aufeinander, denn Seraphin hatte eine Armee dunkler Soldaten herbei gezaubert. Die Wände wackelten, Kerzen fielen aus ihren Halterungen heraus und erloschen, doch hier und da war ein kleines Feuer ausgebrochen. Rums und wieder flog jemand zu Boden, aber es dauerte nicht lange, da hatte sich der gefallene Soldat wieder aufgerappelt. Immer wieder war Geschrei eines anstrengenden Kampfes zu hören und auf einmal…
“Hey, wo ist Denis?”, rief Kathy fragend, aber kaum hörbar.
Patricia und Thomas blickten sich suchend um, doch auch sie sahen ihn nicht.
“Lasst uns einfach weiter kämpfen. Diese alte Hexe soll nicht den Eindruck bekommen, das etwas nicht stimmt,” erklärte Patrick, der auch sogleich sein Schwert zücken musste. Und wieder war das Klirren aufeinander treffender Schwerter zu hören. Mit scheußlichem Lachen flog Seraphin über ihre Köpfe hinweg. Immer wieder sprach sie Zauber aus, um die Krieger zu besiegen, doch die Waffen der Krieger waren auch für sie zu stark.
Jedoch gingen den Kriegern langsam aber sicher die Kräfte aus. Sie durften allerdings nicht einmal daran denken aufzugeben, schließlich ging es um Leben und Tod.
“Wo ist Denis denn nur! Er kann uns doch nicht einfach so im Stich lassen,” begann Thomas zu schimpfen.
“Sei ruhig, er plant sicher irgendwas. Niemals würde er uns im Stich lassen. Er wird sicher gleich wieder zurück sein.”
“Er könnte sich aber wenigstens beeilen. Du siehst ja selber, was hier los ist.”
Doch viel mehr Zeit, um sich über Denis’ Verschwinden aufzuregen blieb Thomas nicht, denn die dunklen Soldaten dachten noch lange nicht daran aufzugeben. Und auch Seraphin warf eben den nächsten Zauber um sich.
“Ferenido!” Aber auch ihr halfen die stärksten Zauber und Flüche nichts, immer noch waren die Waffen der Krieger auch für sie zu stark. Und so schien es, als wolle der Kampf nicht enden.
Noch immer war Denis nicht wieder aufgetaucht. Was führte er nur im Schilde? Er musste sich beeilen, denn seinen Freunden gingen die Kräfte immer mehr aus und es fiel ihnen sichtlich schwerer, gegen Seraphin und ihre Armee stand zu halten.
Kathy stürzte zu Boden, denn eines der Schwerter hatte sie am Arm getroffen. Bewusstlos lag sie da und auch Thomas, der sich gerade für seine Freundin rechen wollte, geriet in Schwierigkeiten, denn er stürzte direkt in einen Fluch Seraphins, der ihn außer Gefecht setzte. Wie versteinert stand er da und konnte nicht entkommen.
Jetzt waren sie nur noch zu dritt und Denis, er schien verschwunden zu sein.
Die Spuren des Kampfes zeichneten sich in ihren Gesichtern ab. Die letzten Kräfte schienen sie allmählich zu verlassen, aber dennoch liesen sich Patricia, Patrick und Annalene nicht zum Aufgeben hinreisen. Innerlich hofften sie, das Denis bald zurück kehren würde.
Lady Seraphin war sich ihres Sieges schon sehr sicher, da sie von sechs mystischen Kriegern nur noch drei im Kampfe gegen sie sah. Das allerdings einer der Krieger, schon längere Zeit verschwunden war, hatte sie nicht bemerkt.
“So gebt doch endlich auf! Eure Kräfte sind aufgebraucht. Ihr habt keine Chance! Nur noch drei von euch stehen mir. Lady Seraphin der Mächtigen gegenüber!”
“Da irrst du aber gewaltig,” rief eine Stimme irgendwoher, doch niemand sah die Person, die gesprochen hatte. Die Krieger allerdings wussten, wer gesprochen hatte und waren erleichtert, dass er nun wieder bei ihnen war.
“Wer wagt es, mich, Lady Seraphin die mächtigste aller schwarzen Königinnen so kurz vor meinem Sieg gegen die mystischen Krieger zu stören? Komm heraus du Feigling und kämpfe!” Unsicher, wer da mit ihr sprach, schaute sie sich nach einem Gegner um, aber nirgends war irgendwer zu sehen.
“Nun zeig dich schon! Sonst muss ich andere Wege einschlagen, um dich zu finden!”
Mit nervösem, leicht sorgenvollen Blick schaute sie immer wieder umher und suchte die Umgebung nach möglichen Hinweisen ab.
“Du kannst dich nicht länger versteckt halten,” sprach sie mit flatternder Stimme, “du befindest dich in meinem Reich und es erlaubt dir nicht Versteckspiele jeglicher Art zu spielen, insofern ich es nicht zulasse! Und um dem Ganzen hier nun ein Ende zu setzen, werde ich wohl doch den Offenbarungszauber, der mit vielerlei Schmerzen verbunden sein wird, anzuwenden. Also, was ist nun, diese eine Chance gebe ich dir noch, solltest du sie allerdings nicht nutzen, dann, dann garantiere ich für nichts!”
“Und du glaubst, das mir dieser besagte Offenbarungszauber etwas anhaben kann? Ich besitze etwas, das es dir nicht ermöglicht, mir Schmerzen zuzufügen, geschweigedenn herauszufinden, wo mein Versteck ist, aber nur zu, du kannst es gerne versuchen, wenn du mir keinen Glauben schenken willst. Ich warte nur darauf!”
Wütend, das Denis so mit ihr sprach, schrie Seraphin laut, lief unsicher umher und schmiss dabei einige Statuen um, die ihr im Wege standen.
“Du willst es nicht anders! Aber sage hinterher nicht, dass ich dich nicht gewarnt hätte!” Sie hob ihren leicht gebogenen Zauberstab, ihre Augen funkelten grün und dann sprach sie: “Venia encantate!”
Rote Lichtblitze schossen aus der Spitze des Zauberstabes, die Wände wackelten und der Boden bebte. Als sie diesen Fluch sprach, konnte man förmlich hören, wie viel Zorn in ihr steckte. Mit allen Mitteln und all ihrer Kraft wollte sie nun erreichen, dass die Wände ihres Reiches, den ihr unbekannten Gegner offenbarten, doch irgendetwas schien schief gelaufen zu sein. Noch einmal hob sie ihren Zauberstab und rief:
“Venia encantate!” Doch abermals blieb Denis’ Versteck verborgen. Wütend lief Seraphin umher und warf immer wieder einen ängstlichen Blick um sich. Immer wieder wendete sie den Offenbarungszauber an, aber es tat sich nichts. Noch nicht einmal ein Lüftchen wehte.
“Jetzt zeig dich doch endlich du Feigling!”
Verunsichert standen Patrick, Annalena und Patricia im und suchten nach einem Hinweis, doch nirgends war etwas zu sehen. Stille trat ein. Seraphin stand mitten im Raum. Ihre Blicke schweiften umher, doch vergebens, denn Denis zeigte sich noch immer nicht.
“Was hat er nur vor,” flüsterte Annalena Patricia zu, in der Hoffnung, sie wüsste etwas.
“Ich habe nicht die leiseste Ahnung, auch mir hat er nicht ein Wort gesagt.”
Patrick wurde ungeduldig und rief:
“Mensch Denis, was soll dieses Versteckspiel?” Doch auch ihm gab sich Denis nicht zu zeigen. Wieder wurde es still und es wurde allmählich unheimlich. Alle blickten sie mit pochendem Herz und Aufregung umher. Gerade wollte Seraphin etwas sagen, da krachte es aus heiterem Himmel hinter ihr. All ihre Soldaten waren verschwunden und in der Mitte des Raumes stand ihr nun Denis gegenüber.
“Hier bin ich Seraphin. Du wolltest doch kämpfen, also bitte, zeig ob du Recht behälst und die stärkste aller schwarzen Königinnen bist.”
Denis machte sich für einen großen Kampf bereit und rief seinen Freunden zu:
“Macht, dass ihr hier fortkommt, hierbei könnt ihr mir nicht helfen!”
“Aber,” sagte Patricia.
“Nun macht schon, versteckt euch. Ihr werdet wissen, wann ich euch brauche!”
Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als Denis’Worten zu folgen und so versteckten sie sich hinter einer kaputten Mauer. Mit eisernem Blick starte Denis Seraphin an und wartete auf eine Reaktion von ihr. Sie musterte ihn mit strengem Blick. Dabei lief sie auf und ab, ein wenig Unsicherheit wat ihr anzumerken. Doch dann begann sie laut zu lachen:
“Hahaha, gegen dich soll ich kämpfen? Mach dich doch nicht lächerlich. Ein schmächtiger Kerl bist du. Meinst du ernsthaft, das du eine Chance gegen mich hast? Weißt du überhaupt, wer hier vor dir steht, hm? Gib auf, du hast nicht die geringste Chance gegen mich!”
“Nie im Leben werde ich dies tun Seraphin. Und nun lass uns beenden, was hier begonnen hat!” Denis zückte sein Schwert und schaute Seraphin erwartungsvoll an. Diese wollte gerade ihren Zauberstab heben, als plötzlich hinter ihr eine Tür aufging und sechs Zauberer heraus traten, die nun ebenfalls mit erhobenem Zauberstab Denis gegenüber standen.


“Ah, da sind ja meine treuen Gefährten! Das ist er, geht, und besiegt ihn! Wenn ihr mit ihm fertig seit, vernichtet seine Freunde, die müssen hier auch irgendwo sein! Und du, mein kleiner tapferer Krieger,” sagte Seraphin, die direkt auf Denis zuschritt, “noch ehe der Tag vorüber ist, seit ihr jämmerlichen mystischen Krieger besiegt. Und ich, ich besitze das, was ihr so sehr begehrt immer noch, doch damit nicht genug! Ich werde mächtiger denn je sein und ebenso das mein nennen können, wonach ich die ganze Zeit suche!” Sie blickte Denis mit machterfülltem Blick an und dieser sagte:
“Noch ehe der Tag vorüber ist,” Seraphin unterbrach ihn:
“Schweig! Noch ehe der tag vorüber ist, bist du ein toter Mann und deine Freunde werden mir dienen!” Es krachte, dunkler Nebel kam auf und Seraphin war mit einem Mal verschwunden. Denis standen nun mehr die sechs Zauberer gegenüber, doch er wusste alleine könnte er sie nicht besiegen und so rief er:
“Angriff! Worauf warten wir noch! Lasst uns diese Schlacht beenden!
Alle, die noch des Kampfes fähig waren, sprangen hervor, um gemeinsam mit Denis gegen diese Zauberer zu kämpfen. Flüche flogen durch die Luft, überall spiegelten sich die Lichtblitze in den Diamanten. Patrica feuerte einen Pfeil nach dem anderen mit ihrer Armbrust ab. Patrick und Denis kämpften mit ihren Schwertern und auch Annalena hatte alle Hände voll zu tun. Sie nahmen all ihre Kräfte zusammen und endlich, sie besiegten die schwarzen Zauberer. Erschöpft und schwer atmend sanken sie zu Boden.
“Wir müssen sie finden,” sagte Patrick, “aber hey, wer hat das Drachenei?”
“Wir nicht,” riefen Patricia und Annalena wie aus einem Munde.
“Sicher hat es Seraphin! Was machen wir jetzt?” Gerade hatte Patrick zu Ende gesprochen, da rief eine ihm bekannte Stimme:
“Wir sollten von hier fort und sie schleunigst finden.”
“Kathy! Dein Arm, schmerzt es sehr?,” fragte Annalena, die zu Kathy lief.
“Ach, das ist halb so wild. Wo ist mein Zauberstab?” Sie wühlte durch ihre Tasche, um ihn heraus zu nehmen.
“Was hast du vor?,” fragte Patrica.
“Ihn von dem Fluch befreien oder meinst du, ich lasse Thomas hier zurück?”
“Ah ja, da war ja noch jemand,” sagte Denis schmunzelnd, “wobei ich sagen muss, die Ruhe ist auch einmal angenehm. Aber du hast Recht, ohne ihn können wir nicht weiter, denn ohne Thomas sind wir nicht komplett und wenn wir nicht komplett sind, dann sind wir nicht die mystischen Krieger!”
Kathy nickte und lächelte Denis zu. Dann want sie sich zu Thomas, hob den Zauberstab, den sie mittlerweile gefunden hatte und sprach:
“Benio locomotum!” Ein grüner Lichtstrahl flog auf Thomas zu, legte sich sanft auf seinen Kopf nieder und wanderte langsam bis in seine Fußspitzen. Als das Licht erlosch, konnte sich Thomas wieder regen und rief:
“Boar war das anstrengend, sich so lange nicht rühren zu können. Kommt Leute, auf geht’s, wir müssen das Drachenei zurück bringen,” kurz verstummte er, denn er bemerkte die grübelnden Blicke der anderen, “ihr habt es doch oder?”
“Nein, Seraphin konnte entkommen und hat es bei sich. Jedoch wirkte sie auf mich sehr unsicher. Jetzt beginnt unsere Suche von Neuem, aber ich glaube, ich weiß wo wir sie finden werden. Kommt, nichts wie raus hier.”
Denis lief die Treppe hinauf und seine Freunde folgten ihm ohne auch nur ein Wort zu verlieren. Jetzt, da sie die Treppe aufwärts liefen, kam es ihnen so vor, als wäre sie doppelt so lang. Im inneren der Höhle bebte es und die Stufen wackelten. Sie hatten Mühe, sich auf den Beinen zu halten.
“Was geht hier vor sich?,” rief Patrick.
“Keine Ahnung, aber wir sollten zusehen, das wir hier so schnell wie möglich weg kommen,” sagte Annalena.
Sie begannen zu rennen und immer mehr blieb ihnen der Atem weg.
“Nehmen diese Stufen denn nie ein Ende?” Thomas wurde etwas langsamer, um durch zu atmen. Plötzlich krachte es hinter ihnen und ein Schrei hallte durch den Treppenaufgang. Mit pochendem Herzen drehten sich die Krieger um und machten sich zum kämpfen bereit. Doch es war kein Gegner der sie verfolgte. Der Schrei kam von ihrem Drachen, irgendwie aus dem inneren der Höhle gekommen war. Etwas tollpatschig kämpfte er sich die Stufen herauf, die unter seinem Gewicht einbrachen. Mit dem Kopf fuhr er nach unten, um die Krieger auf seinen Rücken zu werfen, dann wartete er auf einen Befehl.
“Schnell, wir müssen hier raus und Seraphin finden. Kannst du uns zu ihr bringen?” Als Patrick ausgesprochen hatte, stellte sich Aurelius auf und brüllte kräftig. Dann ging es vorwärts. Mit großen Schritten und ein paar Versuchen mit den Flügeln zu schlagen, kämpfte er sich den Weg frei. Die Krieger krallten sich mit letzten Kräften an ihm fest. Endlich hatten sie es geschafft, über ihnen öffnete sich das Tor zur Oberwelt und mit drei kräftigen Sprüngen stand der Drache neben dem Teich, an dem alles begonnen hatte. Das Tor zu Seraphins Reich schloss sich wieder und absolut nichts deutete darauf hin, dass hier in diesem Dorf etwas sonderbares geschehen war. Kathy warf einen Blick neben den Teich und sah dort die beiden toten Eisläufer und einige andere Menschen liegen.
“Halt, warte,” rief sie, als sie merkte, das der Drache zum Fliegen ansetzte, “ wir können sie hier nicht so zurück lassen. Sie sind für uns gestorben.” Sie sprang vom Rücken des Drachen herab und sprach:
“Fericolo cantato!” Ein weißes Tuch legte sich sanft über die toten Menschen und trug sie fort von hier. Kathy sprang wieder auf den Rücken des Drachen und gab Patrick ein Zeichen, dass sie nun aufbrechen können. Mit einem Satz hob Aurelius vom Boden ab, schlug ein paar Mal kräftig mit den Flügeln und schon flogen sie hoch oben in der Luft. Die Reise ging über Täler, Wälder und viele kleine Dörfer. Als wüsste Aurelius, wo sich Seraphin befand, flog er zielstrebig in eine Richtung.
“Wo müssen wir denn überhaupt hin? Hast du irgendein Zeichen erhalten? Nun sag schon Denis, auch wenn du derjenige bist, der uns zum Sieg führen wird, wirst du es dennoch nicht alleine schaffen,” sagte Annalena ein wenig gereizt, da sie nun ihre Suche erneut aufnehmen mussten und Denis sie zu ignorieren schien.
“Ich weiß nicht, wo sie ist und ein Zeichen habe ich auch nicht erhalten Annalena. Dennoch spüre ich, das wir auf dem richtigen Weg sind.”
“oh wie toll, der Herr spürt es. Und was ist, wenn dein Gefühl uns den falschen Weg zeigt? Was ist dann?”
“Sei kein Dummkopf Annalena und vertrau mir. Wir sind auf dem richtigen Weg. Das sagt mir nicht nur mein Gefühl!”
“Oh du machst mich wahnsinnig! Wenn dich nicht nur dein Gefühl leitet, dann musst du ja doch ein Zeichen erhalten haben.”
“Nein, habe ich nicht, das habe ich dir eben schon einmal gesagt. Nun gut, du wirst ja sowieso keine Ruhe geben, bevor du nicht genau Bescheid weißt. Es ist, als könne ich ihre Gedanken lesen. Als würde sie mir zeigen wollen, wo wir sie finden.”
“Denis, das darfst du nicht zulassen, es könnte gefährlich sein,” sagte Patricia.

“Ja, was ist, wenn sie dich und somit auch uns in die Irre führen will? Was ist, wenn die Bilder in deinem Kopf direkt zu einer Falle führen? Denis, hör auf diesen Bildern zu folgen, mir ist auch nicht wohl bei der Sache!” Mit sorgenvollem Blick schaute Annalena Denis an.
“Hört af, ich weiß was richtig oder falsch ist. Ich habe diese Bilder in meinem Kopf und keiner von euch! Und bevor ihr es vergesst, ich werde euch zum Siege führen. Und jetzt seit still, ich muss mich auf die Bilder konzentrieren!”
Stur schaute Denis nach vorn. Er hatte den Kopf zu den winzigen Ohren ihres Drachen geneigt, um ihm die Bilder die er sah zu beschreiben.
Patricia und Annalena schauten sich verunsichert an, denn so kannten sie Denis nicht. Noch immer war ihnen nicht wohl bei der Sache.
Doch Denis sollte recht behalten. Tatsächlich führte Seraphin sie auf direktem Wege zu sich, jedoch ahnte sie nichts der Gleichen. Sie bemerkte es nicht einmal. Irgendwie schien eine Verbindung zwischen ihr und Denis zu bestehen, die sie jedoch nicht spürte. Immer weiter über Flüsse und Wälder flog Aurelius gen Süden. Es begann zu dämmern und die Sonne ging unter, was aus dieser Höhe einzigartig anzusehen war.
Kathy, Thomas, Annalena und Patricia fielen die Augen zu und so schliefen sie auf dem Rücken des Drachen.
Denis wagte einen kurzen Blick zu seinen Freunden und sah, dass fast alle sanft schliefen. Er neigte den Kopf wieder nach vorne und blieb noch einen kurzen Moment still. Doch dann seufzte er kurz:
“Ob ich es schaffen werde euch zum Siege zu führen? Was denkst du Patrick?”
“Du bist der Auserwählte, natürlich wirst du es schaffen!”
“Wieso bist du dir da so sicher?”
“Höre ich da etwas Selbstzweifel? Was ist nur los mit dir?”
“Ich weiß es nicht. Es ist alles so… keine Ahnung… so verrückt. Jeden tag wache ich auf und kann an nichts anderes denken. Immer wieder suche ich nach einem Plan, doch alles scheint so unmöglich. Ich mache Dinge, die ich sonst nie getan hätte. Was ist das Patrick? Wieso geschieht das alles hier? Ich verstehe das alles nicht, irgendwann muss es doch ein Zeichen oder sonst irgendetwas geben! Patrick, wie soll ich euch zum Siege führen wenn ich selbst keine Ahnung habe, wie und wenn mich ständig diese Zweifel plagen?”
“Hey, ich verstehe dich Denis, aber erinnere dich einfach an die Worte, dass du uns, deine Freunde, zum Siege führen wirst. Ich meine, allein deswegen kann es doch nicht schief gehen!”
“Etwas habt ihr beide aber vergessen,” sagte Patricia plötzlich, die das Gespräch der beiden die ganze Zeit mit angehört hatte.
“Und das wäre?.” fragte Patrick.
Patricia rutschte mit Mühe zu Denis vor und legte ihre Arme um ihn:
“Das du es nur mit Hilfe deiner Freunde schaffen wirst. Mensch Denis, du musst dich uns anvertrauen, deine Gedanken mit uns teilen, nur dann können wir dir helfen.”
Kurz blieb es still und Denis wirkte nachdenklich. Er hielt Patricias Arme fest und sagte schließlich:
“Du hast Recht, ohne euch kann ich diese Mission unmöglich erfüllen.”
Er lächelte und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. Für die restliche Zeit des Fluges blieben die beiden engumschlungen sitzen, denn bei all den Kriegen und Reisen hatten sie nicht viel Zeit für sich alleine. Nach einiger Zeit setzte der Drache vor einer großen Ruine zur Landung an. Als er sich herunter beugte, hüpften die Krieger hinab und liefen sogleich los, um Seraphin zu finden. Doch sie war nicht hier, der Drache hatte sie aus einem anderen Grund hierher gebracht. Und plötzlich ertönte eine ihnen bekannte Stimme:
“Ihr Lieben, endlich seit ihr hier! Seraphin werdet ihr hier allerdings nicht finden, dafür aber etwas anderes, das ihr zum Kampf gegen sie benötigen werdet. Hierbei handelt es sich um die drei Silberpfeile, holt sie heraus und der Kampf wird schon bald für euch entschieden sein.” So plötzlich, wie Lilians Stimme ertönte, war sie auch schon wieder verstummt.
“Ihr habt sie gehört, lasst uns diese Pfeile holen und dann nichts wie weg von hier,” rief Patrick.
Sie rannten in die Ruine, die aussah, wie ein altes Schloss, in dem vor Jahren ein Kampf stattgefunden haben muss. Als sie in der Mitte der Ruine standen schauten sie sich an und waren sich ohne Worte schnell einig, dass ihre Wege sich hier trennen mussten. Jeder von ihnen lief in irgendeine Richtung.
Keiner wusste, wohin ihr Weg führte. Der Einzige, der wusste, wo seine Freunde waren, war Denis, denn durch sein Medallion sah er, wohin ihre Wege führten. Jedoch offenbarten sich die drei Silberpfeile auch ihm nicht. Überall durchstöberten sie die Räume, aber nichts deutete daraufhin, dass die Pfeile hier irgendwo versteckt waren. Doch plötzlich öffnete sich eine Truhe vor Thomas Augen und etwas leuchtete darin auf.
“Das sind doch nicht etwa diese Pfeile? Boar, tatsächlich, nichts wie raus hier!” Er nahm die Pfeile aus der Truhe und rannte aus der Kammer heraus.
“Hey, schaut was ich gefunden habe! Ich habe sie, ihr braucht nicht weiter suchen, ich habe die Pfeile!”
Seine Stimme halte durch die Ruine. Patricia, Kathy und auch die anderen liefen zurück, denn sie hatten zwar seine Stimme vernommen, jedoch erkannten sie nicht die Worte, die er gerufen hatte. Denis, der schon wusste, dass Thomas die Pfeile gefunden hatte lief gelassen die Treppe herab und grinste Thomas anerkennend zu.
“Na, wie habe ich das gemacht? Vielleicht bin ja doch ich der Jenige, der euch zum Siege führen soll.”
“Ach komm schon Thomas, hör doch auf zu träumen. Bild dir lieber nicht zu viel darauf ein, bevor du noch abhebst. Du hast halt nur ein wenig Glück gehabt,” sagte Patrick, um Thomas zu ärgern.
“Jetzt lass ihn Patrick, auch er ist ein mystischer Krieger, auch wenn er manchmal ein wenig tollpatschig ist,” sagte Denis leicht schmunzelnd, brachte Thomas aber dennoch Zufriedenheit entgegen.
“Und wie geht es jetzt weiter? Denis, was sagt das Medallion?” Kathy schaute ihn fragend an.
“Nichts Kathy. Schau, es ist komplett schwarz unterlaufen.”
Ratsuchend blickten sie sich an, doch keiner hatte auch nur einen winzigen Anhaltspunkt parat.
Schweigend standen sie da, ein leichter Wind wehte gespenstisch durch die Ruine und die Sonne leuchtete durch die verbliebenen Fenster.
Und plötzlich, ganz unverhofft sagte Thomas:
“Wir müssen gen Norden ziehen.”
Erstaunt blickte Patricia ihn an:
“Und das sagt dir wer?”
“Es ist unerklärlich, aber ich habe es im Gefühl. Dies scheint der einzig richtige Weg zu sein.”
Verwundert über solch klare Worte aus Thomas’ Mund schauten sich alle einander an.
Keiner bemerkte, dass einer der Silberpfeile zu leuchten begonnen hatte. Noch kannte keiner das Geheimnis, das die drei Silberpfeile mit sich brachten. Eine geheimnisvolle Geschichte steckte hinter den Pfeilen, noch nicht einmal Lilian die Königin der Feen kannte dieses.
Trotz erkennbarer Skepsis zogen sie gen Norden weiter. Thomas war einwenig stolz auf sich, dass auch er endlich mal den ton angegeben hatte, aber dennoch ärgerte er sich darüber, dass seine Freunde ihm nicht zutrauten, das er mit diesem Gefühl den Weg zu gehen, richtig lag. Doch davon lies er sich nichts anmerken. Einmal nur wollte er sie allesamt von sich überzeugen können und ihnen beweisen, das auch die unmöglichsten Dinge Wirklichkeit werden können. Sein Gefühl, diesen Weg zu gehen, hatte ihn noch immer nicht verlassen. Es war, als spreche eine innere Stimme zu ihm, die ihn leitete. Seine Freunde schwiegen und so konnte er diese Stimme immer deutlicher hören. Dennoch verstand er die Worte nicht genau und lies sich ohne zögern von ihr leiten. Außer Denis vertraute keiner der Krieger voll und ganz auf die Richtigkeit Thomas’ Gefühl.
“Sag mal, sagt dir dein Gefühl auch wann wir ankommen werden?,” fragte Patrick ein wenig spöttisch.
“Hör doch auf Patrick, was soll das jetzt?” Denis klang schon ein wenig wütend.
“Naja, ich wollte nur auf Nummer sicher gehen, denn falls es dir entgangen sein sollte, wir haben nicht mehr viel Zeit. Aber wem sage ich das, du bist ja derjenige, der uns zum Siege führt.”
“Patrick, hör auf,” sagte Annalena mit zaghafter Stimme.
“Was? Es ist doch genauso wie ich sage. Denis ist der Auserwählte. Nur zweifle ich immer mehr daran, dass er uns zum Siege führen wird. Seit Tagen irren wir planlos durch die Gegend, ohne jegliche Zeichen.”
“Du weißt, dass das nicht stimmt! Es gab mehr als genug Hinweise!”
“Ach ja? Welchen denn Patricia? Nenn mir doch mal einen, einen einzigen nur!”
“Ähm, zum Beispiel,” Patricia stotterte ein wenig herum.
“Zum Beispiel den Weg in die Ruine,” rief Kathy dazwischen, um Patricia zu verteidigen.
Was war nur mit allen los? Irgendwie hatten sie sich so plötzlich verändert. Sie waren genervt und stritten unaufhörlich miteinander. Wenn man ihre Blicke sah, spürte man förmlich den Zorn, der in ihnen brodelte. Immer mehr steigerten sie sich in den Streit hinein, so sehr, dass sie nicht einmal bemerkten, dass Thomas ein gutes Stück hinter ihnen zum Stehen gekommen war. Wie versteinert sah er immer wieder zu seinen streitenden Freunde und dann wieder auf die Pfeile in seiner Hand, von denen einer immer wieder aufleuchtete.
“Ja dann soll er uns doch sagen wo Seraphin ist und uns nicht immer wieder von einem Ort zum nächsten jagen. Ich habe…,” plötzlich verstummte Patrick, denn er wurde von einem seltsamen Surren unterbrochen. Rasendschnell sauste der leuchtende Pfeil genau an seiner Nasenspitze vorbei und direkt auf einen Felsen weit vor ihnen zu. Kurz davor machte der Pfeil halt, sein leuchte verblasste und ringsherum war alles still. Nur das Rauschen des Windes, der durch die Bäume fuhr, war noch zu hören. Gespannt blickten sie zu dem Geschehen. All der Zorn und die Streitigkeiten schienen auf einmal vergessen zu sein. Noch immer hatte niemand bemerkt, dass Thomas ein ganzes Stück hinter ihnen stehen geblieben war, bis plötzlich seine Stimme wie aus dem Nichts ertönte:
“Öffne es!”
Verwundert schauten sie ihn an, doch auch Thomas wusste nicht, was vor sich ging und schon gar nicht, was er tat. Er lies sich von seinem Gefühl, von dieser inneren, unverständlichen Stimme leiten. Er streckte seine Hand mit geballter Faust nach vorn, und öffnete diese langsam mit angestrengtem Gesicht. Der Pfeil legte seine Spitze sanft auf den Felsen. Nichts geschah, es war still. Auch der Wind hatte aufgehört durch die Bäume zu wehen. Keiner rührte sich, gespannt warteten sie ab, was geschehen würde. Ihre Herzen pochten wild und es war, als hielt sie jemand davon ab zu atmen. Der Pfeil begann zu leuchten und bohrte sich sanft in den Felsen hinein. Es begann zu donnern und um sie herum blitzte es. Und dann, auf einem Mal spaltete sich der riesige Fels vor ihnen. Thomas hatte mittlerweile beide Hände nach vorne ausgestreckt und schob diese angestrengt auseinander, als wolle er etwas öffnen.
Die Krieger hatten inzwischen ihre Rüstungen gerufen und warteten, was wohl auf sie zukommen würde.
Mit einem Mal öffnete sich der Felsen wie eine große Tür und ein den Kriegern noch unbekanntes Reich öffnete sich ihnen.
“Was…”
“Das ist Seraphins Reich, Kathy. Achania, Land des Schreckens.”
“Woher…”
“Woher ich das weiß Annalena? Nun, mein Gefühl sagte es mir. Es war die ganze Zeit wie eine innere Stimme, die zu mir sprach, welche ich aber nicht verstanden habe. Doch aus irgendeinem Grund kann ich sie jetzt verstehen. Ich habe keine Ahnung wieso, aber wenn ich eines weiß, dann warum wir hier sind. Und ihr wisst das genauso gut wie ich. Also, worauf warten wir noch? Holen wir, was Seraphin nicht gehört!”
Und sofort war er losgelaufen. Seine Freunde taten es ihm nach und folgten ihm.
Düster sah dieses Land aus. Die wenigen Bäume, die man sehen konnte, wurden wahrscheinlich von einem Blitz getroffen, denn ihre Äste waren gespalten und die Blätter an ihnen verwelkt. Eisiger Wind wehte, Nebel stieg auf und es war, als würde es leicht nieseln. Weiter entfernt blitze und donnerte es. Keine Menschenseele, sofern hier auch nur ein Mensch lebte, am ihnen entgegen, noch nicht einmal ein noch so winziges Tier. Wenn man die Gegend mit einer Melodie beschreiben müsste, dann würde diese düster und schaurig erklingen.
Ein grauer Weg und ein dunkler Fluss aus dem schwarzer Nebel und ein seltsamer Geruch aufstiegen führte sie direkt zum Schloss der dunklen Herrscherin. Es sah genauso düster wie das Land und genauso zerfallen wie die Ruine, aus welcher sie die Silberpfeile geholt hatten aus. In den Fenstern des Schlosses schimmerten hin und wieder Lichter, welche die Krieger ahnen lies, dass sie hier früher oder später auf jemanden stoßen würden. Vor den Trümmern des wohl einst schönen Schlosses machten sie halt um ihre Rüstungen zu rufen.
“Worauf warten wir, lasst uns holen, wonach wir suchen,” rief Thomas entschlossener denn je.
Gerade wollten sie das Tor aufschieben, da öffnete es sich ihnen von selbst und gewährte den Kriegern Einlass.
Risse an den Wänden waren hier keine Seltenheit und auch fehlende Steine, manchmal sogar ganze Mauerstücke, sah man so weit das Auge reichte.
“Sie muss hier irgendwo sein, ich spüre es! Lasst uns dennoch zusammen bleiben, wer weiß, was hinter der nächsten Ecke auf uns lauert,” sagte Denis.
Mit wachsamen Blicken liefen sie durch die Gänge. Fackeln an den Wänden ließen die Gänge noch schauriger wirken.
Plötzlich krachte etwas hinter ihnen, was sie erschrecken und stehen bleiben lies.
“Was war das?,” flüsterte Patricia, die sich suchend umsah.
“Keine Ahnung, aber wir sollten die Waffen griffbereit halten,” sagte Patrick, der sich für einen möglichen Angriff bereit gemacht hatte.
Wieder war das Knacken zu hören und ein Schatten kam auf sie zu.
“Bereit?,” rief Denis.
“Bereit!, entgegneten ihm seine Freunde und wollten gerade nach vorne stürmen, da trat ein kleines Wesen hervor und rief aufgeregt:
“Nein, nicht doch, so haltet ein! Senkt eure Waffen, ich komme in Frieden. Lasst es mich euch erklären!”
Die Krieger sahen das kleine Wesen vor sich und schauten es verdutzt an. Noch erkannten sie nicht, wer vor ihnen stand. Langsam senkten sie ihre Waffen und warteten gespannt auf das, was es ihnen sagen wollte.
“Ihr erkennt mich nicht, das kann ich euch nicht einmal verübeln, Wenn ihr so aussehen würdet wie ich im Moment, dann hätte ich ebenso Schwierigkeiten einen von euch zu erkennen.”
Ein wenig misstrauisch fragte Annalena: “Wer bist du? Und was willst du von und?”
“Erinnerst du dich daran, wer euch zum Brachilius Drachen, also meiner Herrin geführt hatte?”
“Ja, ein kleiner Wichtel, aber du schaust nicht so aus wie er,” erwiderte Annalena immer noch skeptisch.
“Aber ich bin es. Ein Kampf gegen Seraphins Dreiköpfigen Hund hat mich so entstellt. Ich bin hier her gereist, um euch zu unterstützen. Da ich aber mit Hilfe des Hier und Dort Schlüssels reiste, war es Seraphin möglich mich zu entdecken und mir diese Bestie auf den Hals zu jagen. Ihr müsst wissen, Zauber und Gegenstände, die uns dabei helfen zu zaubern wirken auch hier, jedoch hat es den Effekt, das sie uns verraten.”
“Und wie bist du dieser Kreatur entkommen?,” fragte Kathy, die ihm zu glauben schien.
“Durch einen langen, harten Kampf, der mich so entstellte. Aber nun genug von meiner Geschichte, wir müssen Seraphin finden und das Drachenei zurück bringen.
Der Zustand meiner Herrin verschlechtert sich immer mehr.
Ich habe da auch schon eine Idee, wie wir das Ei von hier fort bekommen.”
Gespannt auf seine Idee neigten sie ihre Köpfe und lauschten seinen Worten.
“Das ist genial! Genauso machen wir das! Komm, ich nehme dich auf meinen Rücken,” sagte Denis und ging in die Hocke. Der kleine Wichtel sprang direkt drauf und klammerte sich an ihm fest.
Auf direktem Wege machten sie sich auf in den Tronsaal. Seraphin und einer ihrer Diener standen dort um einen großen Tisch herum auf dem ein rotes Kissen lag und darauf das Drachenei.
“Wieso öffnet es sich nicht! Offenbare mir, was in dir steckt,” schrie Seraphin zornig und fuchtelte mit ihren knochigen Fingern herum.
“Ja, warum wohl öffnet es sich nicht? Das ist hier die große Frage,” rief Thomas ihr frech zu.
Erschrocken fuhr sie umher und begann lauthals zu schimpfen:
“Wer wagt es mich zu stören?” Sie hielt inne und blickte erschrocken auf, als sie die Krieger und den kleinen Wichtel vor sich sah.
“Wie habt ihr es überhaupt geschafft in mein Reich einzudringen?”
Ein wenig Unsicherheit machte sich in ihr breit, als sie die Krieger nun endgültig erkannte.
“Als ob wir schon einmal irgendwo nicht hingelangt sind! Es war uns ein Leichtes hier hinein zu gelangen, schließlich sind wir die mystischen Krieger,” sagte Patrick voller Stolz.
“Und wir besitzen etwas, das es euch ermöglicht, das Drachenei zu öffnen. Jedoch sind wir nicht dazu bereit euch in Kenntnis zu setzen worum es sich hierbei handelt, geschweige denn, es euch auszuhändigen,” rief Patricia.
Seraphin war neugierig und verwirrt zugleich. Sie wollte diesen Gegenstand unbedingt haben, daher überlegte sie, wie sie es bekommen könnte ohne auch nur den geringsten Fehler zu machen. Doch dann rief sie:
“Ergreift sie! Ich will es haben!”
Und mit einem Mal, war ein Kampf um das geheimnisvolle Ding ausgebrochen.
Aber Seraphin ahnte nicht, dass sie soeben ihre eigene Niederlage gewählt hatte.
Schwerte schlugen aufeinander und Lichtblitze flogen durch den Raum. Seraphin rief einen Fluch nach dem anderen aus, doch sie halfen ihr nicht, denn die drei Silberpfeile schossen immer wieder dazwischen und wehrten sie ab.
Doch ganz plötzlich schien es, als säßen die Krieger und der Wichtel in der Falle. Sie waren umzingelt, aber noch wusste Seraphin nicht, dass dies zu ihrem Plan gehörte.
“Hahaha nun habe ich euch. Jetzt gibt es kein Entkommen mehr! Gebt mir, was ich so dringend benötige und ihr seit frei!”
“Du kannst es dennoch nicht so einfach öffnen, auch wenn ich es dir gebe! Du bist auf meine Hilfe angewiesen, allerdings weigere ich mich, auch nur einen Handschlag für dich zu tun!”
“Du weigerst dich also, du kleine hässliche Gestalt des Waldes. Ich werde dir zeigen, was es heißt sich meinem Willen zu widersetzen!”
Sie hob den Zauberstab, richtete ihn auf den kleinen entstellten Wichtel, ihre Augen funkelten voller Zorn und sie sprach:
“Pascaro de Vitelo forso!”
Der kleine Wichtel wurde von unsichtbaren Händen fest gepackt und zu dem Ei getragen.
“Und nun tu, was ich dir befohlen habe! Sonst werden deine Freunde nie mehr frei kommen!”
“Du hast es nicht anders gewollt!”
Er holte den hier und Dort Schlüssel, ein kleiner Kelch, hervor, packte das Ei hinein und begann zu lachen.
“Wie dumm einen die Gier nach Macht werden lässt. Das Spiel ist aus Seraphin, du hast verloren!”
Gerade wollte Seraphin den Wichtel und das Ei packen, da kam eine Rauchwolke auf und der Wichtel verschwand mitsamt dem Ei. Der Kelch hatte ihn direkt in das Land seiner Herrin gebracht, welche schwach in ihrer Höhle lag und nicht erkannte, wer zu ihr kam.
“Ich habe es Herrin! Das Drachenei ist zurück. Nun könnt ihr wieder zu Kräften kommen und alles wird gut werden.
Sanft legte er das Ei zu seiner Herrin, welche es fest umschlang. Es funkelte und glitzerte um sie herum. Und zum ersten Mal sah der kleine Wichtel, wie sich seine Herrin in ihre wahre Gestalt zurück verwandelte. Vor ihm stand nun eine schöne junge Königin in einem langen hellgrünen Kleid. Ihr Haar war blond, mit ein paar grünen Strähnen darin und reichte bis auf den Boden. Ihre Haut war zart und blass. Erschöpft sank sie in einen Sessel und lächelte ihrem treuen Diener zu.
“Du hast es geschafft mein Lieber! Ich danke dir von ganzem Herzen. Aber sag, was ist aus den Kriegern geworden? Haben sie die drei Silberpfeile? Und wo sind sie?”
“Alles wendet sich dem guten zu Herrin! Die Krieger sind in Besitz der Silberpfeile und werden Seraphin besiegen. Aber nun ruht euch aus Herrin, ihr seit schwach und müsst zu Kräften kommen. Um alles andere werde ich mich kümmern.”
Die Königin sank tiefer in den Sessel und schloss ihre Augen. Wie schön sie doch aussah! Der Wichtel schaute sie noch einen Moment lang an und begann dann jedoch mit den Vorbereitungen für die Ankunft der Krieger, denn ihre Taten sollten geehrt werden, schließlich hatten sie soeben das Leben seiner Herrin gerettet.


Kommentare

Es gibt einen Kommentar zu dieser Geschichte

Stephanie schrieb am 09.11.2011 um 19:36 Uhr folgenden Kommentar:
Ich hätte gerne ein paar ehrliche Meinungen zu meinen Geschichten, dazu bin ich hier im Forum...aber wenn keiner was schreibt, wieso stell ich denn da überhaupt was online???

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.