Der Mann mit dem Schumikinn

von Sigi aus der Kategorie Geschichten zum Nachdenken

Vor langer Zeit, als noch Niemand etwas von der Formel 1 wusste und ein Michael Schumacher völlig unbekannt war, lebte die sehr hübsche und exzentrische Tochter eines Monarchen.
Sie dachte nur ans Schoppen und an sich.
Da sie im heiratsfähigen Alter war und der Monarch in Pension gehen wollte, Lud er seit geraumer Zeit heiratswillige Adlige ein, um seine Tochter unter die Haube zu bringen, das Reich und den Einfluss zu vergrößern.
Bei jeder Brautschau das selbe Theater. Sie machte sich lustig über die anwesenden Freier.
Der eine war zu dick: "Das Weinfass" sprach sie. Der andere zu lang: " Lang und schlang hat keinen Gang". Der dritte zu kurz: "kurz und dick hat kein Geschick". Der vierte zu blass, "Der bleiche Tod". der fünfte zu rot, "Der Zinshahn!" der sechste war nicht gerad' genug, "Grünes Holz, hinterm Ofen getrocknet".
So hatte sie an jedem etwas auszusetzen.
Einen jungen Monarchen hatte sie ganz besonders auf dem Kicker. Sie machte sich über ihn lustig, weil er ein etwas krumm gewachsenes Kinn hatte. Eben ein Schumikinn.
Sie meinte, er hätte ein Kinn, wie die Drossel einen Schnabel. Mit dieser Erkenntnis wurde ihr Spott immer derber.
Der so nun genannte Herr von "Drosselbart" war unsterblich in diese Frau verliebt und ließ den Spott über sich ergehen.
Der alte Monarch aber wurde sehr zornig und schwor laut: "Der erste Penner oder Straßenmusikant, der vor unseren Wohnsitz erschein, bekommt dich zur Frau.
Unbemerkt verschwand Herr von "Drosselbart".
Die Feierlichkeiten gingen weiter.
Plötzlich erklang am Hautportal die Musik eines Straßenmusikanten. Die Sicherheitsbeamten sahen ihn über den Monitor und wollten ihn schon verjagen, als sie die Order bekamen, den Mann in den Festsaal zu bringen.
Der Straßenmusikant erschien ganz schüchtern den Festsaal. Der Monarch sprach: "Dein Gesang hat mir gefallen, du solltest es einmal bei DSDS versuchen. Aber ungeachtet dessen, gebe ich dir meine Tochter zur Frau". Die Tochter erschrak und tobte. Aber der König sprach: "Ich habe es geschworen und so wird es sein".
Es ist schon erstaunlich, das sich in der guten alten Zeit oder aber auch nur im Märchen Regierungsoberhäupter an ihr mündliches Versprechen gehalten haben. Da er berechtigt war, Trauungen vorzunehmen vermählte er seine Tochter unverzüglich mit dem Straßenmusikanten.
Nach der vollzogenen Trauung sprach er: "Nun bist du die Frau eines Straßenmusikanten. Dein verbleiben in meinem Haus ist nun nicht mehr möglich".
Ob sie wollte oder nicht, sie musste nun mit ihrem Mann, auf Schusters Rappen, das Haus verlassen und dort hinziehen, wo der Musikant seine Bleibe hatte.
Es war nicht sehr weit bis zur Grenze. Als sie diese überschritten hatten, kamen sie durch einen wunderschönen Wald. Da fragte sie:

"Ach, wem gehört der schöne Wald?"
"Der gehört dem Herrn von Drosselbart;
Hättest du 'n genommen, so wär' er dein."
"Ich arme Jungfer zart,
Ach, hätt' ich genommen den Herrn von Drosselbart"!

Sie kamen über eine saftige, grüne Wiese. Und sie fragte sogleich:

Wem gehört die schöne grüne Wiese?"
"Sie gehört dem Herrn von Drosselbart;
Hättest du 'n genommen, so wär' sie dein."
"Ich arme Jungfer zart,
Ach, hätt' ich genommen den König Drosselbart".

Dann kamen sie durch eine große Stadt und sofort fragte sie wieder:

"Wem gehört diese schöne große Stadt?"
"Sie gehört dem Herrn von Drosselbart;
Hättest du 'n genommen so wär sie dein."
"Ich arme Jungfer zart,
Ach hätt ich genommen den Herrn von Drosselbart.

Da fuhr der Straßenmusikant sie laut an: "Es gefällt mir gar nicht, dass du dir immer einen anderen Mann wünscht: bin ich dir nicht gut genug?"
Sie gingen zu einem Stadttor rein und zu einem anderen wieder raus.
Endlich kamen sie an ein ganz kleines Häuschen, da sprach sie:

"Ach, Gott, was ist das Haus so klein!
Wem mag das elende, winzige Häuschen sein?"

Der Musikant sprach: "Das ist mein und dein Haus. Hier werden wir zusammen wohnen".
Sie musste sich bücken, damit sie durch die niedrige Tür kam. Kaum im Haus fragte sie sofort nach den Diener. Der Straßenmusikant antwortete ihr: "Was du getan haben willst musst du selber tun! Mach nur gleich Feuer und stell Wasser auf, damit du das Essen kochen kannst, ich bin müde.
Die Lady hatte aber von nix eine Ahnung. So musste unser Straßenmusikant selbst Feuer machen und das Essen zubereiten.
Als sie das wenige gegessen hatten, legten sie sich zu Bett.
Am nächsten Morgen trieb er sie sehr früh aus den Federn. Sie sollte das Haus besorgen.
Ein paar Tage lebten sie von den Vorräten bis sie aufgebraucht waren.
Da sagte der Musikant zu seiner Frau: "So geht es nicht weiter. Wir verzehren nur und verdienen nichts!"
Er ging aus und schnitt weiden, damit seine Frau daraus Körbe flechten könne. Aber sie hatte so zarte Hände, so das sie sich diese nach weniger Zeit an der harten Weide zerstach.
Mit dem Versuch zu spinnen erlitt sie den gleichen Schiffbruch.
Der Mann war am verzweifeln. Nun wollte er es mit einem Handel Töpfen und irdenem Geschirr versuchen. Sie sollte sich auf den Markt setzten und verkaufen. Sie sträubte sich. Sie fragte: "und wenn Leute aus meinem Land kommen, mich sehen und verspotten." s half nichts. Sie musste auf den Markt, um nicht hungers zu sterben.
Nun kauften die Leute der schönen Frau das Geschirr ab. Manche gaben das Geld hin und ließen das Geschirr auch noch dazu.
So lebten sie eine Weile von dem verdienten in ihrer Hütte, bis der Mann neues Geschirr für den Handel erwarb.
Sie baute ihren Stand am Rande des Marktes auf und stellte das Geschirr um sich herum zum Ansehen und natürlich kaufen,
Man hörte schon von weitem den Motor röhren. Urplötzlich kam ein angetrunkener Rocker mit seiner Maschine und fuhr direkt durch den Geschirrstand.
Ein Standnachbar rief sofort die Polizei an. Sie kam zwar schnell, aber der Rocker war entschwunden.
Sie ging nach Hause und erzählte ihrem Mann von dem Missgeschick.
"Wie kann man sich mit Geschirr an den Rand des Marktes setzen, du taugst zu keiner ordentlichen Arbeit.
Ich war im Schloss, da suchen sie eine Küchenmagd. Du bekommst für deine Arbeit freies Essen."
So wurde aus der reichen, verwöhnten stolzen Frau eine Küchenmagd.
Sie machte sich in ihre Kitteltaschen Töpfe und brachte darin ihren Anteil von dem Übriggebliebenen mit nach Hause. Davon ernährten sie sich recht und schlecht.
Nach einiger Zeit sollte in diesem Hause eine Hochzeitsparty ausgerichtet werden. Der Erbsohn, der älteste, wollte Hochzeit halten.
Neugierig wie nun einmal Frauen sind , wollte unsere ehemalige High Society Lady sich den prachtvoll geschmückten Saal und die schöne Garderobe der Gäste ansehen.
Als sie all diese Pracht sah, dachte sie mit Wehmut an ihr Schicksal und verwünschte ihren Stolz, der sie so erniedrig und in große Armut gestürzt hatte.
Das Licht ging an und die Diener trugen die herrlichsten Speisen auf. Einige von ihnen warfen ihr hin und wieder ein paar Brocken zu, die sie in ihren Töpfchen verstaute. Als ihre Töpfchen voll waren wollte sie nach Hause eilen, um mit ihrem Mann diese zu verzehren.
Als der älteste Sohn des Gastgebers die schöne junge Frau in der Tür stehen sah, ging er, im Designeranzug gekleidet, zu ihr, ergriff ihre Hand und wollte mit ihr tanzen. Sie weigerte sich und erschrak, als sie den von ihr abgewiesenen Herrn Drosselbart erkante. Doch ihr sträuben half nichts. Er zog sie in den Saal. Doch diese Aktion hielten die Bänder nicht aus, an denen die Töpfchen befestigt waren. Alles Essen, von dem sie und ihr Mann ein paar Tage leben wollten ergoss sich in den Saal.
Es hub ein gewaltiges Gelächter und Gespotte an und sie wünschte sich in diesem Moment tausende Meilen fort.
Sie sprang zu Tür und wollte entfliehen, wurde aber an der Treppe eingeholt. Zu ihrem erstaunen war es wieder Herr von Drosselbart.
Freundlich sah er sie an und lächelte. Er sprach, keine Panik. Ich war der Straßenmusikant, mit dem du in dieser Hütte gehaust hast und der Rocker, der dir mit seinem Motorrad das ganze Geschirr zerbrochen hat.
Ich war so in dich verliebt und wollte dich unbedingt zur Frau. Aber zuerst musste dein Stolz gebeugt und dein Hochmut bestraft werden.
Sie begann bitterlich zu weinen und gestand ihr großes Unrecht. Sie sei es auch nicht wert seine Frau zu sein.
Er rief die Anziehdamen, damit sie sich schön machen konnte und sie fröhlich und ausgelassen ihre Hochzeit feiern konnten.
Herr von Drosselbart hatte auch ihren Vater und Freunde und Verwandte holen lassen, die jetzt im Saal erschienen. Sie hatten eine schöne Feier und es begann eine glückliche Zeit.
Ich wünschte, wir wären auch dabei gewesen.


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