Der Engel und die Einsamkeit

von soe aus der Kategorie Geschichten zum Nachdenken

Er verweilt auf der Erde, um das Schicksal der Menschen zu teilen. Einst hat er mit seiner Art gebrochen, liegt in einem Tunnel ohne Licht, wurde von einem mit Gift getränktem Stachel getroffen. Der Stich lähmte sein Herz, seitdem hat er die Orientierung verloren, teilt das Schicksal des Menschseins. Seine Erinnerung strafft ihn Tag für Tag, könnte er nur zurück, in die Welt in der er einst ein Engel war. Die Versuchung, ein Gift, dem er erlegen war, brachte ihn in diese Lage.

Er fühlt sich klein, sitzt zusammengekauert auf dem Boden des Tunnels, verzweifelt über sein eigenes Schicksal. In alten Zeiten war er eine gewaltige Gestalt, eingehüllt in Licht, trotzte den Schatten, hatte sich über die negativen Gestalten erhoben, das Gleichgewicht gestützt. Er nahm das Licht aus der Sonne und schenkte es den Menschen, jetzt kann er nicht einmal den Tunnel damit aufhellen. Menschen die ihn so sehen, halten ihn für verloren, gescheitert, weil er seine Aufgabe nicht erfüllt. Immer hat er ihnen geholfen, Freude gebracht, dennoch nimmt er es hin, versteht ihre Haltung. Es ist nur ein Moment, er könnte wieder aufstehen, aber das Gift lähmt noch seinen Geist, es steckt tief verborgen im Innern. Wie eine Blockade baut es sich auf, lässt ihn sein altes Leben vergessen.

Manchmal erinnert er sich, will wieder hoch, den endlosen Tunnel verlassen, doch tragen seine Beine den Körper nicht. Hilflos und schwach kommt ihm seine Existenz vor. Die andere Seite, wo die Schatten regieren, wartet man auf sein scheitern, zählt ihn zu den verlorenen Seelen. Verliert er jetzt seinen Mut, der Tod wird sein Begleiter sein und die Menschen verlieren einen wahren Freund. Die seiner Art, er weiß nicht warum, sind zu ihm kälter als der dunkelste Raum. Für einen Engel wie ihn ist es schwer zu verstehen, warum die anderen nicht in sein Inneres sehen, dort ist sein Kern, hell erleuchtet wie im Universum ein Stern, wartet nur darauf etwas zu geben. Seine Art so lange nicht mehr gesehen, weit weg von allem Leben.

Er weiß, es gibt noch Hoffnung, der Tunnel ist dunkel und kalt, doch im Freien wartet das Leben, dort findet er einen starken Halt. Würde er aus voller Seele eines Engels schreien, den Menschen damit einen endlosen Stillstand verleihen, hat er nichts gewonnen, denn seine eigentliche Aufgabe wäre für immer zerronnen. So hofft er auf die Göttliche macht, er ist sein Zustand leid,
der weg aus dem Tunnel ist weit ......


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