Das Glück liegt manchmal auf der Straße...

von Claudia Embacher aus der Kategorie Geschichten zum Träumen

Es war mal wieder ein langer Arbeitstag für Marie gewesen.
Sie war früh aufgestanden, hatte in aller Eile ihren Kaffee
getrunken, hastete aus dem Haus zur Bahn. Der Morgen war überhaupt
nicht ihre Zeit. Zu hektisch, viel zu real...keine Zeit zum Träumen...!!

Müde taumelte sie in ihr Büro, wo die Kolleginnen schon auf sie einstürmten und sie mit den neuesten Meldungen des Arbeitslebens regelrecht zuschütteten.

Wo ist meine Insel?, dachte Marie...., sie seufzte und begann, ihre Unterlagen durchzusehen und Verschiedenes in den Computer einzugeben.

Als sie sich unbeobachtet fühlte, lief eine Träne über ihre Wange.

War das wirklich ihr ganzes Leben??? Morgens Hektik, Mittags schnell in die Kantine und abends....ganz alleine vor dem Fernseher??

Ihr letzter Freund hatte sich vor einiger Zeit verabschiedet, haha, er hätte "was Jüngeres" gefunden, Armleuchter, ich wünsch' Dir die Seuche, dachte sie manchmal...und dann musste sie auch unter Tränen lächeln! Rachegedanken hatten auch etwas Befreiendes, wenn man sie nicht zu lange festhielt.

"Was Jüngeres"! Unverschämtheit, Marie war Anfang 40! In den besten Jahren, sozusagen....ok, was soll's, das ist Schnee von gestern...forget it! Aber in den stillen Stunden ihres Lebens war sie traurig und fühlte sich einsam.

Der Tag schleppte sich so dahin....und als endlich der ersehnte Feierabend kam, ging Marie müde zur Bahn. Die hochhackigen Schuhe drücken sie so sehr, dass sie glaubte, Beine aus Blei zu haben. Sch..., sch..., Sch...dachte, Marie, dreimal das "böse Wort mit Sch"...

Traurig wollte sie gerade die letzte Stufe in die Bahn hinauf nehmen, als ihr jemand von hinten auf die Schulter tippte....sie drehte sich um...und sah ein außergewöhnliches, fröhliches Männergesicht, jungenhaft blitzten seine blauen Augen, das dunkle Haar hing ihm irgendwie wirr in die Stirn und schien ein Eigenleben entwickelt zu haben.

Er war groß, bestimmt 1,80 m! Wow, das war ein Anblick, nach diesem so bescheidenen Tag! Sie grinste, ...er auch...und er sagte: Tragen Sie Ihr Herz eigentlich immer an den Füßen???

Marie schaute ihn an und dachte: Ok,...da ist der Haken, irgendwo musste er ja sein....sieht gut aus...und ist ein Spinner!!!

Sie wurde ein wenig ärgerlich...., aber der Typ grinste weiter...und zeigte auf ihren linken Absatz...und....als sie auch einen Blick riskierte, ...glaubte sie, nicht recht zu sehen!

Da steckte mitten in der Pfennig-Sohle, genau passend, ein glitzerndes kleines Herz!...Es war ein Ohrstecker, in den sie irgendwann irgendwo im Laufe dieses öden Tages getreten war, er passte genau in ihren Absatz und glitzerte und funkelte...

Der freche, nette junge Mann entfernte ihn vorsichtig und grinste, als er sagte: Ich lege Ihnen nun ein Herz in die Hände, schön wär' s, es wäre mein Herz! Wer trägt es schon so einfach mit sich rum, da tritt man doch nur drauf...und das tut dem Herzen weh!

Marie fand diesen Menschen immer süßer! Komisch, dass erst so etwas Seltames passieren musste, damit sie mal wieder einem Mann ins Gesicht schaute...!

Wie lange war sie einfach mit gesenktem Kopf und in Hektik durch die Gegend gelaufen? Klar, wer nur nach unten schaut, der kann das Lächeln in 1,80 m Höhe nicht sehen...!!!

Sie meinte: Behalten Sie den Stecker, das Herz gehört dem ehrlichen Finder!, und zwinkerte ihm freundlich zu.

Und nachdem Marie und Christian, so hieß ihr junger Bekannter, ein Gespräch und einige Haltestellen später wieder die Straßenbahn verließen, sagte er leise: Ich freue mich so, Dich heute getroffen zu haben....ich war so lange alleine...und der Abend war immer so öde...wir könnten uns doch einfach mal anrufen...nur anrufen, ein Telefon beißt nicht! Und ...dann sehen wir weiter...

Und sie lächelte und sagte: Nein, ein Telefon beißt nicht...machen wir das doch, ...und warten wir ein wenig ab...

Winkend verabschiedeten sich die beiden voneinander, und Christian rief Marie noch nach: Achte auf Deine Schritte, damit Du keine Herzen zertrittst und achte auch auf Deine Blicke,...damit Du nicht was Wichtiges versäumst, bis bald...und gute Nacht! Christian lächelte, denn ein Stern würde heute Nacht für ihn funklen, er hatte das glitzernde Ohr-Stecker-Herz behalten...es würde ihn an Marie erinnern, bis sie sich wiedersahen....und davon war er überzeugt, denn
das war heute schon ein komischer "Zufall" gewesen...

(CE, 29.09.2011)


Kommentare

Es gibt 2 Kommentare zu dieser Geschichte

Gerri schrieb am 14.01.2012 um 10:21 Uhr folgenden Kommentar:
Kick the tires and light the fires, problem officially svoeld!


Sel schrieb am 23.10.2011 um 09:40 Uhr folgenden Kommentar:
Niedlich^^ Echt klasse, ich wünschte ich könnte sowas auch schreiben^^

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.