Cantella Das Land der Juwelenkönigin (3)
von LunaBiélle aus der Kategorie Fantasy
Und es geht weiter! Wie immer freu ich mich, wenn ihr mir Feedback und einen Kommentar schreibt, wenn ihr die Geschichte gelesen habt und wenn es einfach nur "Toll!" oder "Schreib unbedingt weiter!" ist!! DANKESCHÖN!!
~Schattenreich~
Es waren wirklich alle gekommen.
Sie befanden sich in einem großen Aufenthaltsraum in der riesigen Burg der Reichshexe des Schattenreiches. Für Morbons Geschmack war das Zimmer etwas zu düster eingerichtet, doch für die ganze Umgebung im Schattenreich passte es genau. Der Raum bestand aus einem schwarzen Steinboden mit einzelnen Teppichen, die entweder auch schwarz waren oder einen etwas helleren Schwarzton einnahmen. Außerdem beherbergte es an jeder Seitenwand 4 schwarze Ledersofas, die jeweils mit 4 Tischen bestückt waren, die ein dunkles Holz aufwiesen und nur mit Grünpflanzen ohne Blüten geschmückt waren. In der Mitte stand ein kolossaler Marmortisch mit 8 Stühlen und zwei weiteren Plätzen die am Boden mit Rasen ausgelegt waren.
Hier wurden also die Entscheidungen getroffen, dachte Morbon. An den Wänden hingen Gemälde. Doch auch die Gemälde strotzten nicht vor Freude und Helligkeit. Das Bild, das Morbon am nächsten war, spiegelte eine Kriegszeremonie wieder. Männer ritten auf Pferden und hatten Sperre in den Händen. Die Kampfhaltung ließ ihn erkennen, dass sie nicht mehr lange zu Leben hatten. Auf der anderen Seite des Bildes standen Männer mit dunklen Umhängen, die bis zum Boden gingen. Um ihre Hälse hingen Ketten in deren Juwelen verschiedenster Farben eingelassen waren. Was Morbon aber am meisten auffiel, war der schwarze Nebel, der im ganzen Gemälde zu sehen war. Unerforscht, gefährlich und ihm war so, als ob im Nebel noch etwas war.
Als er näher an das Bild treten wollte, stieß ihn Alena an. Er zuckte zusammen und blickte seine Prinzessin an. Diese blickte im großen Raum umher, Morbon folgte ihrem Blick, der an einer Hexe stehen blieb, die schwarze lockige Haare und dunkelblaue Augen hatte.
„Das ist die Reichshexe von Surrejona. Sie trägt braune Juwelen und ist eigentlich ziemlich liebenswürdig, doch sie weiß wann sie die Prinzessin sein soll und wann eine Freundin“, berichtete Alena im Flüsterton Morbon.
„Und wie ist ihr Name?“ Morbons Blick war auf das braune Juwel gerichtet, dass an einem Ring auf einem ihrer Finger zu sehen war.
„Ejona Resúve“
Als er noch etwas fragen wollte, sah er, dass Alenas Blick schon weiter gegangen war und an einem Mann mit Flügeln am Rücken wieder festigte. Morbon glaubte schon, dass es wieder dieser Engel am Eingangstor des Schattenreiches war, doch nach näherer Betrachtung fielen ihm, die dunkelbraune Haut und die grünen Verzierungen am ganzen Leib auf, sowie die Flügeln, die nicht schwarz sondern alle möglichen Farben enthielten.
„Ein Elf!“, sagte Morbon überrascht, aber dennoch leise.
Alena nickte. „Prinz Braunal. Wie sein Name schon sagt, trägt er braune Juwelen, aber nicht nur für seinen Juwelenstand steht der Name. Da die Elfen eine eigene Sprache besitzen hat natürlich Braunal noch eine andere Bedeutung.“
„Und die wäre?“, Morbon musterte den Mann genauer, doch irgendetwas an ihm gefiel ihm überhaupt nicht.
„Keine Ahnung!“, Alena zuckte mit den Schultern, „Kaelfan ist ein Territorium, dass von niemanden außerhalb der Grenzen betreten wird. Keiner weiß was sich dort wirklich abspielt. Sie haben großartige Schutzmechanismen um ihr Reich. Ich bin überrascht, dass Braunal überhaupt gekommen ist.“
Wieder beschwichtigte sich das Gefühl in Morbon, dass dieses Treffen einen tieferen und gefährlichen Hintergrund hatte. Ejona sowie Braunal waren auch nicht alleine gekommen, sondern hatten jemanden dabei, mit denen sie sich gerade unterhielten. Der Blick von Alena ging wieder weiter, doch sie musste Morbon den großen hellbraunen Tiger nicht vorstellen, da er genau wusste, dass dies der Vater von Ruyll war, Xaris. Mit ihm war eine Katze mitgekommen, die fast gleich groß war wie Xaris selbst. Es musste sich um eine unerforschte Rasse handeln, denn Morbon hatte noch nie so ein Tier gesehen. Die Katze hatte ein weiß graues Fell, das ab und zu blau schimmerte und blitzblaue Augen.
Morbon wollte Alena gerade fragen, ob sie wusste wie der Rassename dieser Katze war, als die unruhige Stimmung von lauten Stöckelschuhen abgelöst wurde. Alle Anwesenden im Raum waren still und warteten nur mehr auf das Eintreffen der Person die den externen Lärm verursachte. Kaum eine Minute später erschien die Gestalt im Türrahmen. Dunkles Gewand, dunkle Haare, die zum Teil mit einer Kapuze verdeckt wurden, dunkle Augen, die manchmal grün leuchteten und helle Haut, die den einzigen Kontrast bildeten und die Frau noch gespenstischer wirken ließ. Ihre Lippen waren blutrot und glichen dem Rot auf dem mystischen Bild, welches jedoch das Blut kennzeichnete.
Mit ihr war noch eine Frau gekommen. Sie hatte ebenfalls einen langen Mantel mit Kapuze an, hatte jedoch die Kapuze nicht auf, sodass man ihr dunkelbraunes langes Haar voll sehen konnte. Die schlanke Statur und die wunderschönen hellen grünen Augen ließen sie fantastisch aussehen.
Morbon hatte die dunklere Gestalt von den beiden schon wieder vergessen, da sein Blick einzig und allein auf die zweite Frau gerichtet war. So sah er auch nicht, dass Alena sich auf den Marmortisch zu bewegte und ihren richtigen Platz suchte. Auch die wunderschöne Frau ging weiter und setzte sich neben ihre dunklere Begleitung. Die beiden bildeten den Kopf des Tisches. Erst jetzt sah Morbon, dass auch alle anderen schon saßen und dass nur mehr auf ihn gewartet wurde. Schnell umrundete er den Tisch und setzte sich neben Alena und gegenüber der Begleitung von Prinzessin Ejona. Wenn man so den Tisch betrachtete, würde man denken, dass die Territorien Xaruyll und Kaelfan, denn menschlichen Territorien Panthalena und Surrejona bevorzugt würden, da sie näher bei der mystischen Schattengestalt saßen.
Alena versah Morbon mit einem bösen Blick, entzog sich seinen Augen jedoch gleich wieder, da die Frau mit der Kapuze auf dem Kopf zu sprechen begann.
„Liebe Prinzessinnen, liebe Prinzen, liebe Begleiter und Begleiterinnen! Diese Versammlung wird euch alle Nerven kosten, darum habe ich auch gebeten eure Gefährten oder Freunde mit zu nehmen, damit eure Sorgen nicht in euch ruhen müssen, sondern dass sie sie mit jemanden teilen könnt, der für euch da ist.“
Morbon blickte auf. Es war nicht Alenas Wunsch von ihm begleitet zu werden, sondern der von dieser mystischen Gestalt. Als er den Kopf zu seiner Prinzessin wandte, konnte er spüren wie sie sich bemühte nicht Morbons Blick zu kreuzen. Sie wusste, dass sie gelogen hatte und ihr Gefährte wusste es ebenso. Enttäuschung breitete sich in dem Mann aus, der seine Frau immer zu respektieren versuchte. Doch eine Lüge war eine Lüge.
„Der Vorstand des dunklen Rates, der durch mich repräsentiert wird, die Reichshexe des Schattenreiches, Shaidora LaDarsk, schickt mich um euch die ersten Informationen zu den Geschehnissen außerhalb eurer Territorien mitzuteilen. Wie euch sicher aufgefallen ist, ist die Reichshexe von Libyast nicht anwesend. Ich muss euch leider mitteilen, dass Prinzessin Lilasa ermordet wurde und auch das hat mit diesem Zusammentreffen zu tun. Der Reichshexer von Berroselle hat den dunklen Rat in Kenntnis gesetzt, dass er nun als König Berro SaGuno angesprochen werden möchte.“
„König?“, wollte Ejona, die Reichshexe von Surrejona wissen und unterbrach Shaidora.
„Das Protokoll besagt, wenn eine Reichshexe oder ein Reichshexer zwei Territorien besitzt, macht ihn das zum Reichskönig von ganz Cantella.“
Ein Stimmengewirr brach aus. Streitereien. Aufregung. Wut. Dunkle Juwelen pulsierten im Raum.
Morbon war ebenso erschüttert. Ihm war das Fehlen der Reichshexe von Libyast nicht aufgefallen. Allein die Anwesenheit dieser Schönheit neben der Reichshexe des Schattenreiches hatte ihn so aus der Fassung gebracht, dass er sich nicht mehr um die anderen Reichshexen und Hexern gekümmert hatte. Jedoch hatte er noch eine Frage, die er unbedingt loswerden musste, doch auf keinen Fall an Shaidora.
*Der dunkle Rat? Wer und was ist das?*, schickte er den Sperrfaden an Alena.
Da sie sich gerade lauthals über die neuen Geschehnisse beschwerte, musste Morbon lange auf eine Antwort warten, aber als der Sperrfaden nicht wie üblich etwas schärfer zu ihm zurück drang, sondern schleichend und mit Vorsicht, aber auch mit einem warmen schmeichelnden Gefühl, wusste Morbon, dass seine Frage irgendwie abgefangen wurde und von jemanden anderen beantwortet wurde. Die Stimme war wie eine Liebesmelodie, harmonisch und leicht. Einfach wunderschön.
*Der dunkle Rat steht über den Reichshexen und unter dem Reichskönig. Er hält sich immer und strikt an das Protokoll der Juwelen und des Reichshofes. Ihr Rat befindet sich im Schattenreich und gilt für alle Territorien.*
Morbon war etwas verwirrt.
*Und warum habe ich noch nie etwas von diesem Rat gehört oder von diesem Protokoll?*
Nun erst entdeckte der schwarzhaarige Mann, dass die Frau mit der er gerade über Sperrfaden sprach ihn konzentriert und mit etwas Wut ansah.
*Das Protokoll ist in Vergessenheit geraten. Ebenso wie der dunkle Rat. Die falschen Reichshexen und Reichshexer sitzen auf den Thron und keiner dieser Damen und Herren hier, würde sich dieses Protokoll zurückwünschen. Es bedeutet weniger Macht und mehr Auseinandersetzungen mit dem Volk*, ließ sie zischend hervor.
*Doch wenn es den dunklen Rat noch immer gibt, warum unternimmt er dann nichts gegen das Verstoßen des ganzen Protokolls?*
*Ich werde dir die Geschichte der Juwelen und des dunklen Rates noch genauer erklären, doch ich muss mich wieder konzentrieren. Ich sitze nicht als Begleiter unserer Reichshexe hier am Tisch!*
Und der Sperrfaden wurde getrennt. Jetzt war Morbon noch verwirrter. Wenn sie nicht die Begleiterin von Shaidora war, was war sie dann?
Auf einmal drang ein Bild in seine Gedanken. Es war ein dunkler Weg, der an einen Bach führte, indem dunkles Wasser floss. Auf der Wiese an der Seite des Weges stand eine Bank, die aus Stein gemeißelt war. Irgendetwas sagte ihm, dass er heute um acht Uhr abends dort erscheinen sollte.
Morbon ging die steinbepflasterte Straße zum grauen Fluss hinab. Er hatte lange überlegt, ob er wirklich zu diesem Treffen erscheinen sollte, doch seine Neugier war stärker und vor allem wollte er die wunderschönste Frau, die er jemals gesehen hatte noch einmal wieder sehen.
Es war schon sehr dunkel geworden, was hier im Schattenreich nicht sonderlich auffiel. Alena war nach der anstrengenden Versammlung gleich zu Bett gegangen und Ruyll schlief schon tief und fest. Wahrscheinlich tat er auch nur so, weil er nicht einsehen konnte, warum er zu den Versammlungen nicht mitkommen durfte. Morbon war nun bei der steinernen Bank angekommen. Sie sah genauso aus, wie in seinem Bild im Kopf. Doch von der jungen Frau war keine Spur zu sehen. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er genau pünktlich war. Nervös ging er näher auf die Bank zu. Hätte er vielleicht doch nicht kommen sollen? Kam womöglich die junge Frau nicht? War ihr etwas passiert? Oder war das ganze hier ein Hinterhalt? War er womöglich in Gefahr?
Morbon machte sich kampfbereit. Auf einmal wurde die Umgebung um den Mann in Nebel getaucht. Die Bank, den Weg und den Fluss konnte er nicht mehr erkennen. Nur der grau-weiße Nebel umkreiste ihn. Morbon bekam es mit der Angst zu tun. Im selben Zeitpunkt wurde der Nebel wieder lichter und er befand sich an einem ganz neuen Ort. Ein kleines Gitterbett in der Mitte des Raumes prägte das Bild. An den Wänden befanden sich Gemälde, die grüne Landschaften beherbergten. Das Grün leuchtete in allen verschiedenen Tönen. Ein riesiges Schloss war auf einem Bild genau vor ihm gemalt worden. Morbon fand die Gemälde traumhaft schön. Der Teppich am Boden, der das ganze Zimmer ausfüllte, war feinst säuberlich gewebt worden und beeindruckte den Mann mit dem braun-grauen Juwel sehr.
Doch wo befand er sich? Und wie würde er wieder zurück ins Schattenreich kommen? Plötzlich kam Leben ins ruhige Zimmer. „Schnell hier rein!“, schrie ein Mann und stürzte in das Zimmer.
Gleich hinter ihm kam eine Frau, die ein Baby auf dem Arm trug. Beide waren sehr ängstlich und panisch.
„Was wäre, wenn wir einfach unsere Kräfte einsetzen?“, fragte die Frau den Mann, der im Zimmer auf und ab ging. Man sah es ihm an, dass er angestrengt über die Frage nachdachte, doch dann schüttelte er heftig den Kopf und sah seine Frau starr an:
„Wir haben die Kräfte nicht bekommen, um andere zu töten. Unsere Steine sind da um Frieden und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen!“
Der Mann steckte seine Hand in die Tasche und holte einen Stein heraus. Schwarz wie die Nacht leuchtete er einmal auf.
Morbon drängte sich in die Ecke. Er hatte noch nie ein schwarzes Juwel gesehen und seine Macht überwältigte ihn so sehr, dass er kein Auge mehr von ihm lassen konnte.
Währenddessen legte die Frau das Baby in das Kinderbett in der Mitte, streichelte einmal über seinen Kopf und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Gerechtigkeit, Juwan! Ist es denn gerecht, dass sie unsere Tochter umbringen wollen?“, wollte die junge Frau von ihrem Mann wissen.
Der Mann steckte den Edelstein wieder ein und fing wieder an im Zimmer auf und ab zu gehen. Die Frau lief zum Fenster ohne den Blick von ihrem Mann abzuwenden. Plötzlich ließ sie einen Schrei von sich, als sie kurz hinaus blickte und duckte sich unter das Fenster. Mit Tränen in den Augen sah sie ihren Mann wieder an:
„Juwan!!“
Morbon sah zur gleichen Zeit aus dem Fenster wie die Frau und sah eine Menge von Menschen mit Fackeln und Waffen auf das Haus zuschreiten. Der Gedanke ließ ihn nicht los. Warum wollten diese Leute das Baby umbringen. Es sah so friedlich aus. Immer noch versteckt im Schatten verfolgte Morbon die Situation weiter.
Juwan war endlich stehen geblieben und bewegte sich auf seine Frau zu. Langsam ließ er sich neben sie fallen und legte einen Arm um sie. Die Frau sah ihn mit herunterlaufenden Tränen an.
Bedacht fing Juwan, tief blickend in die Augen seiner Frau, zu sprechen an: „Es ist wahrscheinlich nicht gerecht, nein! Aber wenn es wirklich so sein soll, dann will das Schicksal es so. Du kannst dich wehren so viel du willst, aber wenn nur mit deiner Kraft der Liebe und nicht mit den Steinen. Soweit wir wissen, sind wir die einzigen die diese Kräfte besitzen und vielleicht werden wir es immer sein, aber es gibt ein klein wenig Hoffnung, dass es noch andere gibt und dann werden sie unsere Hilfe benötigen und wir müssen dann für diese Menschen da sein, Anel!“
Anel ließ ein bitterliches Schluchzen von sich und weinte:
„Ich will unser Kind nicht verlieren! Ich will, dass Anani lebt, dass sie glücklich wird!“
„Wir können nichts machen, Anel. Es ist besser für die Menschheit, wenn wir dem Schicksal freien Lauf lassen.“
Auf einmal hörte die Frau auf zu weinen. Sie sah ihren Mann wieder eindringlich an und öffnete langsam dem Mund. Juwan legte einen Finger auf ihre Lippen, um sie wieder zum Schweigen zu bringen. Dann nickte er.
Morbon verstand die Welt nicht mehr. Wo war er hier? In welchem Zeitalter? Warum waren diese zwei Personen die einzigen mit Juwelen? Was wollte Anel sagen, als ihr Mann sie stoppte und nickte? Was war hier los?
Plötzlich unterbrach lautes Stimmengewirr seinen Gedankengang. Die beiden, die an der Wand saßen, hüpften auf und liefen vor das Kinderbett. Von weitem hörte man einen Tür zerbersten und ein Trommeln, dass die baldige Ankunft verkündete.
Juwan und Anel machten sich kampfbereit. Morbon spürte, dass sie nichts von den Juwelen anzapften, sondern einzig und allein nur mit eigener Kraft sich den ankommenden Menschen entgegenstellten. Die Zimmertür flog auf und riss aus den Angeln, laut auf schmetternd kam sie auf dem Boden zu liegen. Die Menschenmasse drängte sich ins kleine Zimmer und stellte sich rund um das Kinderbett und den Eltern. Ein großer etwas zierlicher Mann trat aus der Menge heraus.
„Wir haben euch gewarnt, dass wir ein Kind von euch nicht dulden. Eine Weiterverbreitung eurer Rasse wollen wir verhindern und werden wir verhindern. Diese Steine sind gefährlich“, sagte der Mann.
„Sie sind nur gefährlich, wenn sie in die falschen Hände geraten, aber wir sind gut, wir wollen nichts Böses und Anani sicher auch nicht!“, verteidigte sich Juwan.
Doch der Mann wollte nicht hören, er streckte die Hand in die Höhe und alle traten noch näher in die Mitte. Anel schrie und stürzte auf die Meute zu. Nach einiger Zeit war sie nicht mehr zu sehen, die Menschen hatten sie nach unten gedrängt. Juwan kam ihr hinterher, doch auch er mochte die Leute nicht bändigen und wurde zu Boden gedrückt. Jetzt war das Kinderbett auch für Morbon nicht mehr sichtbar. Er hörte nur das Schluchzen und Weinen von Anel. Das Baby war vollkommen ruhig, als ob es sich schon damit abgefunden hatte, dass es sterben würde.
Ein Schlachtschrei und Morbon schloss die Augen. Alles war vorbei. Als er die Augen wieder öffnete, war der Raum wieder leer. Juwan und Anel lagen am Boden. Anscheinend waren sie ohnmächtig geworden, denn sie bewegten sich nicht mehr. Man konnte nur das auf und ab gehen ihrer Brustkörper erkennen. Morbons Blick fiel auf das Kinderbett. Er spürte gleich, dass kein Leben mehr in der Hülle des Babys versteckt war. Doch etwas anderes fing seinen Blick. Über dem Kinderbett schwebte ein kristallfarbenes Juwel. In ihm spiegelten sich die Farben aller Juwelen, die es gab. Weiß. Gelb. Orange. Rot. Violett. Blau. Grün. Braun. Grau und Schwarz. Langsam fing es sich an zu drehen. Durch das Drehen wurden die ganzen Farben im Raum reflektiert. Plötzlich zersplitterte es in tausend Stücke, jedoch schwebten diese noch immer über dem Bett.
Jetzt konnte er auch erkennen, dass Juwan und Anel wieder aufwachten. Starr vor Angst und Erstaunen blickten sie zu den Splittern des kristallfarbenen Juwels hoch. Ein Zischen und die einzelnen Stücke flogen in allen Richtungen nach draußen. Das Zimmer wurde wieder finster. Als Morbon ins Kinderbett blickte, war das Baby verschwunden. Schnell sah er zu den Eltern um ihre Reaktion zu beobachten. Juwan lächelte, was Morbon überhaupt nicht verstand. Seine Frau blickte Juwan an und flüsterte:
„Du hast es gesehen…“
Juwan nickte wieder.
Das Zimmer hüllte sich wieder in Nebel und im nächsten Moment sah er wieder den Fluss, den Weg, die Bank und die wunderschönste Frau auf der Welt.
„Er war ein Jaribi. Juwan konnte in die Zukunft sehen!“, sprudelte es aus Morbon heraus.
Er war total aufgekratzt und merkte nicht, dass die Frau mit dem dunkeln Gewand ihn ernst ansah.
„Das ist das einzige was dir aufgefallen ist?“, fragte sie und das erste Mal konnte Morbon ihre Stimme hören. Nicht in seinen Gedanken, sondern aus ihrem Mund. Es war der schönste Laut, den er je gehört hatte. Doch er musste jetzt nachdenken, was hatte er noch gesehen.
„Das kristallene Juwel hatte alle Farben, die jetzt existieren. Doch ich weiß nicht, was es damit auf sich hatte?“, überlegte Morbon laut.
„Die Geburtsstunde aller Juwelen. Seit diesem Tag verbreiteten sich die Edelsteine und ihre Kraft. Anani, bedeutend Prophezeiung oder Weissagung, wurde nur geboren, damit die starke Macht, die zwei Menschen mit schwarzen Juwelen zustande bringen können nicht auf einer Person ruhen soll. Nach dem Mord von Anani verschwanden auch die zwei schwarzen Juwelen von Juwan und Anel. Sie waren noch immer stark, da sie kurz danach graue Juwelen bekommen hatten. Es traf das ein, was die Menschen nie wollten. Schicksal, so wie Juwan es nannte und vorhergesehen hatte“, redete die mysteriöse Frau weiter, „Die Menschen verfielen in Panik, sie konnten mit dieser fremden Macht nichts anfangen. Sie suchten das Ehepaar auf, um sie um Rat zu bitten. Sie halfen und standen mit allen Informationen zur Seite. Die Anfänge des dunklen Rates.“
Morbon war total verblüfft.
„Juwan und Anel hegten keinen Groll?“, fragte er überrascht und sah die dunkelhaarige Frau an, „Wenn mein Kind so brutal ermordet werden würde, würde ich so lange den Mörder verfolgen bis ich ihn selbst umgebracht hätte“.
„Du bist ein Narr, Morbon!“, keifte die Frau den Mann an, der erschrocken zurückwich.
Woher kannte sie seinen Namen und wieso sprach sie ihn mit dem Vornamen an?
„Wieso bin ich ein Narr?“, wollte Morbon ruhig wissen, ging aber in Abwehrposition, da er nicht wusste, ob die Frau ihn gleich anspringen würde.
„Weil es Bestimmung war, Morbon! Kapier es endlich. Nicht umsonst hieß das Baby Anani, welches Prophezeiung bedeutet. Nicht umsonst, sah Juwan es voraus, dass das Sterben seines Kindes so sein musste! Und weil die beiden den Juwelen vertrauten, waren sie auch nicht wütend oder hassten die Menschen, die ihr Kind ermordet hatten. Es musste geschehen, um die Geburtsstunde aller Juwelen zu erzeugen. Hast du es nun endlich verstanden Morbon?“, brüllte die Frau schon regelrecht und verlor die Fassung.
Morbon spürte eine immense Kraft von ihr ausschlagen, die eine Klasse höher war als seine. Sie trug also graue Juwelen. Sie war nicht nur wunderschön, sondern auch extrem stark. Um die Stille, die sich jetzt zwischen ihnen zog, nicht noch länger zu machen, antwortete der Mann mit den grau/braunen Juwelen endlich:
„Wenn ich so darüber nachdenke, dann komme ich zu dem Endschluss, dass die Juwelen eine eigene Vorbestimmung hatten und nicht wir, die leiten können, was passiert oder nicht passiert. Egal was die Juwelen vorhaben, es wird geschehen. Es wird ihr Schicksal sich erfüllen.“
Die dunkelhaarige Frau fasste sich so schnell wieder, dass Morbon von der glücklichen Aura, erst dann etwas mitbekam, als sie ihn stürmisch umarmte und lächelte.
„Endlich Morbon!“, sagte sie glücklich und ließ ihn wieder los.
„Doch warum weißt du meinen Namen?“
„Es ist auch deine Bestimmung, hier zu sein und über die Entstehung der Juwelen Bescheid zu wissen und danach zu reagieren. Egal welche Situation auf dich kommen wird!“
„Also bin ich in einer Prophezeiung verankert und du hast die Aufgabe sie mir bekannt zu geben!“
„Nein – meine Aufgabe ist dir die Geschichte der Juwelen zu erklären, deine Aufgabe ist es die Situation nicht zu versäumen, in der du deine Prophezeiung erfüllen solltest.“
„Und welche ist das?“, fragte er neugierig.
Die Frau sagte nichts mehr und schüttelte nur leicht den Kopf. Morbon wusste, dass sie ihm nichts über eine Prophezeiung erzählen konnte, wenn er wirklich in ihr vorkam. Das ist ein altes Gesetz des dunklen Rates. So wie Juwan, Anel nichts davon sagen durfte, was er gesehen hatte. War sie auch im dunkeln Rat? Und warum wusste sie von seiner Prophezeiung? War sie auch eine Jaribi? Was hatte sie mit all dem zu tun? Spielte sie in dem ganzen Stück noch eine wichtige Rolle? Er wollte nicht länger darüber nachdenken. Er war jetzt dran mit Fragen, weil die dunkelhaarige Frau ihn nur liebevoll ansah.
„Wer bist du eigentlich?“
Sie lächelte.
„Ijeana!“, antwortete die schlanke Frau.
„Und wie noch?“, wollte Morbon weiter wissen.
„Das steht in den Sternen!“
Sterne. So schön wie ihre Augen. Und wenn sie lächelte, ging bei Morbon die Sonne auf. Sie war einfach die wundervollste, schönste, eleganteste und attraktivste Frau, die er je gesehen hatte. Ijeana. Langsam ging er auf sie zu. Sie starrte ihn nur an, wich aber nicht von ihm, als er sie langsam umarmte und sein Gesicht immer näher zu ihrem beugte.
„Darf ich dir etwas gestehen?“, fragte er vorsichtig und leicht flüsternd. Seine Augen sahen in ihre und seine Gefühle zu ihr tanzten kreuz und quer. Wie konnte man eine Frau, nur nach einem Blick so sehr vergöttern. Wie konnte man sich so schnell verlieben? Wieso war sie so anziehend für ihn? Sie hielt seinem Blick stand und je länger sie ihn ansah, umso weicher wurde ihr Blick. Wieder fing sie an zu lächeln und wurde etwas rot auf den Wangen. Das Rot war das schönste Rot, dass er jemals gesehen hatte. Er musste etwas sagen. Er konnte nicht länger warten, doch sie kam ihm zuvor.
„Deine Gefühle habe ich schon längst voraus gesehen und dass, was jetzt zwischen uns passieren wird, steht schon längst in der Geschichte der Juwelen!“, flüsterte sie kaum merklich und küsste Morbon sanft.
Der Mann mit den braunen Juwelen konnte über die Aussage nicht lange nachdenken, schon übermannten ihn seine Gefühle und er konnte nur mehr an den Kuss denken. Nicht ein einziges Mal dachte er an Alena, die sicher immer noch tief und fest in ihrer Reisekutsche schlief, als Ijeanas Kuss leidenschaftlicher wurde. Morbon schloss die Augen, ließ sich voll und ganz darauf ein und umarmte die dunkelhaarige Frau fester. Ein paar Minuten vergingen, bis sich Ijeana von ihm löste und Morbon langsam die Augen öffnete.
Er wich erschrocken zurück, als er feststellen musste, dass sie sich nicht mehr auf dem Weg vor dem Fluss irgendwo im Schattenreich befanden. Rund um ihn waren Wände, die mit dunklen Seidentüchern verschönert worden waren. Es gab keine Fenster und nur Kerzenlicht erhellte den Raum. Die Kerzen standen auf dem Boden verteilt in einem schönen Muster und gaben Sicht auf den einzigen großen Gegenstand im Raum. Mit Seidenwäsche und schwarzen Laken, geschmückt mit dunkelroten Rosenblättern, befand es Morbon als schönstes Bett, dass er jemals gesehen hatte. Genau richtig für die schönste Frau, die er jemals gesehen hatte. Ijeana stand immer noch vor ihm, liebevoll lächelnd und mit einer Lust in den Augen, dass Morbon einfach nur auf sie stürzen wollte. Doch er fasste noch so viel Selbstbeherrschung, um ihr noch eine Frage zu stellen.
„Du spielst in meiner Prophezeiung die Rolle, als Frau, mit der ich eine Nacht verbringen soll?“
„Die Prophezeiung will es so und ich füge mich!“, bekam er als Antwort.
„Also sind keine Gefühle im Spiel und du wirst nur von mir benutzt?“, enttäuscht ging er einige Schritte zurück.
Ijeana wurde so schnell wütend, dass Morbon diesen Gefühlswandel kaum mitbekommen hatte. Schon wieder. Welche Besonderheiten hatte diese Frau denn noch?
„Natürlich sind Gefühle im Spiel, doch uns bleibt keine Zeit uns kennen zu lernen. Du wirst mich diese Nacht das letzte Mal sehen. Und wenn du heute diese Situation nicht wahrnimmst, dann wird Cantella…“, mitten im Satz brach sie abrupt ab.
Plötzlich loderte in Morbon Neugierde. Es war ihr anscheinend wirklich extrem wichtig, dass er mit ihr schlafen würde. Aber wieso? Was passiert mit Cantella, wen er es nicht tat? Warum sollte eine Nacht die Welt verändern?
„Dann wird Cantella, was?“, fragte Morbon.
„Prophezeiung!! Ich kann und werde es nicht verraten, das ist ein Gesetz des dunklen Rates, dem ich mich füge, Morbon!“, sie ging auf den Mann zu und fixierte ihn mit ihrem Blick, „Also, Morbon, nimmst du deine erste Situation wahr oder gehst du wieder?“
Die dunkelhaarige Frau ließ ihre Kleider verschwinden und stand nackt vor ihm. In Morbon stieg Hitze, Leidenschaft und Lust auf. Sie war wirklich die schönste und attraktivste Frau auf ganz Cantella. Ihre Formen und Körperzüge waren perfekt. Ihre Haut schimmerte wundervoll im Glanz des Kerzenlichtes. Ihre langen Haare wellten sich etwas ab dem Ansatz und fielen ihr leicht ins Gesicht. Morbon versuchte zu widerstehen, aber als sie sich wieder an ihn schmiegte und ihre Hände seinen Oberkörper entlang glitten, schaltete sich Morbons Verstand aus und er wollte einfach nicht mehr gehen.
Freu mich auf Kommentare eurerseits!! :D :D
Kommentare
Es gibt 2 Kommentare zu dieser Geschichte
LunaBièlle schrieb am 21.10.2011 um 07:58 Uhr folgenden Kommentar:
Ich glaube einen hätte ich noch auf Lager, bevor ich weiter schreiben muss!! :D
Ich find das echt toll, dass dir meine Geschichte so gefällt!! Dankeschön fürs Kommentar geben!!
Stephanie schrieb am 20.10.2011 um 17:01 Uhr folgenden Kommentar:
Gibt es noch einen weiteren Teil? Ich würd mich freuen :)