Cantella Das Land der Juwelenkönigin (4)
von LunaBiélle aus der Kategorie Fantasy
1 ~Berroselle~
Hoffnung auf eine neue Zukunft. Als die Information nach Berroselle drang, dass Berro Lybast eingenommen und es auf Kleinberroselle umgetauft hatte, war es für eine Menge Menschen eine freudige Nachricht. So auch für Dora Kalma. Sie war eine dünne zierliche Frau, mit kinnlangen braunen Haaren. Nach ihrer Scheidung von Paetho Ysarro hatte sie einen neuen Haarschnitt gebraucht, also hatte sie sich ihre schönen langen kastanienbraunen Haare abgeschnitten.
Dora braucht einen Neuanfang. Auch wenn die Ehe zwischen Dora und Paetho wegen der Gesetze in Berroselle nur eingefädelt war, weil die Eltern die Frau zu ihrem Sohn aussuchten, wollte Dora dennoch das es funktionieren würde, vor allem nach der Geburt von ihrem gemeinsamen Sohn Dortho. Doch schon das ungewollte schwanger werden nach der Hochzeitsnacht hatte Paetho noch mehr dazu getrieben Dora von ihm fernzuhalten. Die braunhaarige Frau wünschte sich nichts Sehnlicheres als eine Familie zu werden. Aber in all den Jahren, in denen Paetho es nicht fertig gebracht hatte sich von Dora zu trennen, war er nur ein guter Vater gewesen, der liebevoll mit seinem Sohn umsprang und nicht ein Ehemann, welches sich Dora erhofft hatte.
6 Jahre lang hatte er es nach der Geburt mit ihr ausgehalten und jetzt musste sie erfahren, dass er schon 2 Jahrelang eine Affäre mit einer anderen Frau gehabt hatte. Ein Stich ins Herz. Sie musste fort von hier und da kam ihr Kleinberroselle genau recht. Sie wusste nicht wer die Frau war mit der Paetho sie betrog und sie wollte es auch nicht wissen. Sie wollte einfach nur weg von Paetho. Eine neue Zukunft. Ein neues Leben.
„Was machst du da?“, riss ein stark gebauter Mann mit hellblonden Haaren Dora aus den Gedanken.
„Ich packe, Paetho!“, sagte sie entschlossen.
„Und wo willst du hin?“
Natürlich hielt er es für lächerlich, aber Dora war es egal, sie hatte eine Entscheidung getroffen.
„Weg von hier! Weg von Berroselle! Weg von DIR!“, Satz für Satz wurde immer lauter und entschlossener.
„Und was ist mit Dortho?“
Es war ihm egal, dass sie ging, er kümmerte sich einzig und allein nur um seinen Sohn. Jahrelang war sie ihm egal. Es ging einfach immer nur um seinen Sohn. Sie wollte doch nur geliebt werden, aber diese Liebe fand sie hier nicht. Abhauen war die einzige Lösung, die ihr noch blieb. Einige Tränen rannen ihr über das Gesicht.
„Immer geht es nur um Dortho. Was ist mit mir, was ist mit deiner Frau?“, fragte sie weinerlich.
„Wir wurden zwangsverheiratet, Dora. Ich hege keine Gefühle für dich und das habe ich dir auch oft genug gesagt!“, antwortete Paetho wütend, „Kapier es endlich, dass ich schon längst mit dir Schluss gemacht habe und du nur glaubtest, dass wir noch zusammen wären. Ich bin immer nur wegen Dortho, meinen Sohn, gekommen!“
„Aber was ist mit deiner Affäre?“
Die Worte schockierten Dora, sie ließ sich aufs Bett neben ihren Koffern sinken und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Paetho schüttelte nur aufgebracht den Kopf.
Es war keine Affäre. Es war seine große Liebe. Dora musste sich endlich eingestehen, dass die Beziehung keinen Sinn mehr bringen würde. Vor allem, weil er doch schon hundertmal gesagt hatte, dass es aus zwischen ihnen ist. Hörend atmete Paetho langsam aus.
„Dora, nimmst du Dortho mit oder lässt du ihn bei mir?“
Er war auf ihre Frage nicht eingegangen. War da doch noch etwas Hoffnung für sie und ihn? Nein! Dora schüttelte den Kopf, was Paetho als eine Antwort aufnahm.
„Also lässt du ihn bei mir?“, wollte Paetho noch einmal genau wissen.
„Nein! Ich habe den Kopf geschüttelt, weil ich denke, dass es keine Hoffnung mehr für dich und mich gibt. Ich nehme Dortho mit und fange mit ihm ein ganz neues Leben an!“
Wieder Mut fassend stand sie auf, schloss die Koffer und ging mit ihnen aus dem Zimmer.
„Du kannst mir meinen Sohn nicht einfach so entziehen!“, hastete Paetho ihr nach.
Sie waren jetzt vor dem Haus angekommen, wo Dortho mit einem Käfer im Garten spielte. Dora stellte die Koffer an einen Ort, der mit einem roten Stein markiert war. Es war eine Position mit der man sicher auf einen roten Juwelenweg aufspringen und fortreisen konnte. Ohne auf Paethos Aussage einzugehen, holte sie sich Dortho zu sich und stellte sich mit ihm auf die Markierung.
„Ich nehme nur mit, was mich wirklich liebt und das ist in ganz Berroselle nur Dortho!“
Mit diesem Worten löste sie sich langsam auf. Eine einzige Träne konnte Paetho noch sehen, bis Dora ganz verschwunden war. Paetho wusste, dass sie schon immer nicht ganz die Hellste war, dennoch musste sie doch in den zwei Jahren herausgefunden haben, dass er ein ganz neues Leben führte, mit einer Frau, die er wirklich liebte und die in den nächsten Tagen ein Kind von ihm erwartete. Maerian.
Maerian war gerade dabei das Mittagessen vorzubereiten. Die bevorstehende Geburt machte es ihr nicht einfach, die schweren Töpfe vom Herd hinüber ins Esszimmer auf den Tisch zu stellen.
Es war ein einfaches, altes Haus mit sechs kleinen Zimmern und einem großen Dachboden. Die Frau mit den hellbraunen Haaren hatte das Gebäude von ihren Großeltern geerbt. Diese wiederrum hatten das Haus von deren Großeltern und so ging es von Generation zu Generation. Auch wenn es ein paarmal schon renoviert worden war, hatte es doch irgendwie seinen zauberhaften und speziellen Charme behalten. Außerdem konnte ihre ganze Familie nie etwas wegwerfen, so stapelte sich alles, angefangen von alten Büchern bis hin zu Gitterbetten, am Dachboden.
Maerian trug den letzten Topf ins Esszimmer, als jemand die Küche betrat.
„Guten Tag, Mary!“
Klirrend fiel der Topf mit Inhalt zu Boden. Starr vor Schreck wollte sie sich nicht umdrehen, denn sie wusste genau wer in ihrer Küche stand. In der Hoffnung, dass wenn sie nichts sagte, er wieder gehen würde, blieb sie stumm mit den Rücken zu ihm, stehen. Doch erneut setzte er zu sprechen an.
„Kleines nettes Haus, das du dir da zugelegt hast, nachdem du aus meiner Villa ausgezogen und einfach verschwunden bist. Doch deine Versteckspiele haben jetzt ein Ende“, sprach er grinsend.
Da Maerian noch immer nichts erwiderte, zog er einen weiteren Trumpf.
„Roselle weint jeden Tag um ihre Mutter, vor allem weil ich ihr erzählt habe, dass sie gestorben ist!“
„Du heimtückischer Tyrann!“, schrie Maerian und ballte ihre Hände zu Fäusten. Zum Umdrehen hatte sie noch immer nicht den Mut.
Sie wollte einfach nicht in sein ekelhaftes Gesicht blicken und all die Schmerzen und Angst wieder erleben, die sich sicher noch in seinen Augen und in ihrem Inneren befanden. Doch was wollte er jetzt von ihr? Warum war er hier? Und wie hatte er sie gefunden?
Sie hörte sein böses Gelächter und Schritte, die sich auf sie zu bewegten. Schnell spannte sie ein violettes Schutzschild um sich.
„Das ist doch lächerlich. Wie oft hast du das schon versucht und wie oft bin ich einfach durch dein Schild hindurch gekommen? Deine Kraft mit dem violetten Juwel ist zu mickrig gegen meine Kraft!“, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht, das jedem die Adern gefrieren ließ und kam Maerian immer näher.
„Bleib fern von mir, Berro!“ sagte sie leise und bestimmt, jedoch auch ängstlich. Endlich drehte sie sich um. Nicht zu sehen, was Berro vorhatte, war noch angsterfüllender, als dem Ekel ins Gesicht zu blicken. Er stand nur ein, zwei Schritte mehr von ihr entfernt. Sie konnte die böse Aura um ihn regelrecht spüren, seine Augen so kalt und leer.
„Das hast du einige Jahre zuvor geschafft, Mary, dass ich von dir fern bleibe und jetzt sehe ich was du daraus gemacht hast!“
Berro blickte auf den schwangeren Bauch von Maerian. Ängstlich strich sie mit der Hand über den Bauch. Das Grinsen des Mannes verflog auf der Stelle und verwandelte sich in Wut.
„Dein wievieltes Kind ist es? Sag! Und wer hat dir das Kind angehängt?“
Maerian blieb stumm. Sie wusste, nichts zu sagen, würde ihn noch wütender machen, doch etwas zu sagen, würde wahrscheinlich den Tod von Paetho bedeuten. Berro war schon immer fixiert auf Maerian und sah sie als sein Eigentum an. Einige Minuten vergingen in denen beide kein Wort sprachen und Berro sich an den Esstisch setzte. Anscheinend hatte er sich etwas beruhigt, da er leise fragte:
„Warum gab es so ein köstliches Mittagessen bei uns nie, Mary?“
Da jetzt Maerian wieder mit den Rücken zu Berro stand, drehte sie sich wieder so, dass sie sehen konnte, was Berro tat. Er hob die Deckel von den Köstlichkeiten und roch daran.
„Weil ich dich nicht liebte und ihn dafür umso mehr!“, flüsterte Maerian und blickte zu Boden.
Vor Schreck hüpfte sie ein paar Schritte zurück, als plötzlich Besteck und Geschirr mit einem Hieb und Juwelenstoß auf den Fliesen im Esszimmer aufschlugen. Maerian fing an zu weinen.
„Wieso sagst du nicht einfach was du willst und verschwindest wieder?“, schluchzte sie und ließ sich zu Boden fallen.
„Ich will dich wieder besitzen, Mary. Aber wenn ich dich zwinge, wirst du wieder abhauen und das hätte keinen Sinn!“
Er stand auf und ging einmal das ganze Esszimmer ab. Während er sich die Bilder, die auf einem Schrank standen, näher ansah, sagte er weiter: „Auch wenn du, wie ich dich kenne, mehrere Kinder von diesem Nichtsnutz, mit dem du jetzt zusammen bist, willst, werde ich es nicht dulden. Da das Geschöpf, was du gerade in deinen Bauch trägst, dass erste Kind ist, hast du nochmal Glück und ich werde dich und es nicht töten. Aber ein 2. Kind wird euer aller Leben bedeuten!“
Maerian heulte auf, doch sie fasste sich für eine weitere Frage:
„Was bringt es dir, wenn ich nur ein Kind mit ihm habe? Ich werde ja trotzdem niemals zu dir zurückkehren! Niemals!“
Beim letzten Wort sah sie auf und grinste ihn hämisch an. Berro stand genau vor ihr. Er holte mit der Hand aus und schlug Maerian mit voller Kraft ins Gesicht. Durch die Wucht des Schlages fiel sie zur Seite und blieb regungslos liegen.
„Ich weiß, dass du nicht ohnmächtig bist, Mary. Du hast schon viele Schläge mehr ausgehalten, ohne dass dir schwarz vor den Augen wurde. Also hör mir nochmals genau zu. Ich werde dich beobachten. Tag für Tag. Wenn du das tust, was ich dir sage, wirst du vielleicht auch ein ganz normales Leben führen können. Doch nur eine Aktion, die mich ins Grübeln bringen ließe oder ein nicht erwarteter Babybauch und deine ganze friedliche und glückliche Familie wird zur Strecke gebracht. Außerdem bliebt ihr in Berroselle und setzt euch nicht ab. Hast du das verstanden?“
Maerian rührte sich nicht. Berro versetzte ihr einen Tritt in den Bauch. Schmerzvoll rührte sich Maerian und brachte nur ein zaghaftes ‚Ja‘ heraus.
Berro lachte wieder bösartig, richtete seinen Blick Richtung Tür und ging gelassen darauf zu. Kurz bevor er den Raum verließ, drehte er sich um und sagte mit einem grauenhaften Grinsen im Gesicht:
„Glückwunsch zum Baby. Ich glaube deine Fruchtblase ist geplatzt!“
„Wir brauchen schnell eine Heilerin! Ist hier irgendwo eine Heilerin?“, Paetho lief durch die Straßen und blickte schnell von links nach rechts. Keine Heilerin in Sicht, nur Passanten die ihn unglaubwürdig ansahen. Als er nach dem Besuch bei Dora nach Hause kam, hatte er Maerian auf den Boden des Esszimmers gefunden. Sie hatte anscheinend während den Mittagessensvorbereitungen die Wehen bekommen, riss Geschirr und Besteck mit sich und blieb auf den Fliesen liegen. So schnell es ging, trug er sie zu ihrem Bett ins Schlafzimmer und machte sich auf die Suche nach einer Heilerin, die ihnen bei der Geburt helfen würde.„Ich bin Heilerin! Noch in der Ausbildung, aber die..“, kam ein Mädchen auf ihn zu gerannt. Er stoppte sie mitten im Satz.
„Egal! Komm schnell mit, meine Freundin bekommt unser erstes Kind!“
Triumphierend schritt er in das dunkle Zimmer. Die Fenster waren mit dunklen Vorhängen zugezogen worden. Nur drei Kerzen, die ein Dreieck bildeten erhellten ein wenig den Raum. In der Mitte des Dreieckes lag ein großes Buch, dass in Leder eingebunden und aufgeschlagen war. Er konnte durch die enge Schrift und dem schwachen Licht nicht genau erkennen, was auf der Seite stand. Neben dem Dreieck war ein Schreibtisch an der Wand. Die dunkle Gestalt, die auf dem Sessel davor saß, hatte seine Ankunft wohl nicht bemerkt. Regungslos befand sie sich auf dem Stuhl. Das Rot ihrer Haare leuchtete etwas im Kerzenschein. Calvia, die Reichsmagierin des Reichshofes, war seine engste Verbündete und rechte Hand. Sie hatte ihm von ihrer Vision, das ein Kind von Maerian, nämlich genau das Dritte, sein Untergang bedeuten würde, erzählt. Er konnte nicht ganz glauben, dass ein normaler Mensch, wie Calvia es war, ein Jaribi sein konnte. Jedoch wollte er dennoch jede Möglichkeit eines Sturzes vom Thron ausschließen und hatte deshalb die Mutter seiner Tochter gesucht, gefunden und bedroht. Ihm kam ein belustigendes Schnauben aus, welches die Aufmerksamkeit von Calvia auf ihn lenkte.
„König SaGuno!“, sagte diese, stand auf und machte einen leichten Knicks vor ihm.
„Ich hoffe deine Jaribi-Fähigkeiten waren nicht gespielt, Calvia. Ich habe deiner Schwester ordentlichen Druck gemacht, nicht dass das mir etwas ausmachen würde!“, erwähnte Berro beiläufig.
Wieder lächelte er und stellte sich so weit zu den Kerzen, dass man sein Gesicht erkennen konnte. Caliva tat es ihm gleich, nahm aber vorher ein Blatt Papier vom Schreibtisch.
„Ich habe keine Jaribi-Fähigkeiten. Es gibt auch andere, bösere Wege in die Zukunft zu blicken“, antwortete die rothaarige Frau mit einem, wenn nicht genauso bösen, belustigen Lächeln, als Berro.
Durch das geringe Licht der Kerzen konnte Berro die blutüberströmten Arme, die diese Prozedur der Wahrsagerei verlangte, nicht sehen. Noch immer zweifelte Berro an den Voraussagen der Magierin.
„Und diese andere Methode bringt wirklich ein hundertprozentiges Ergebnis?“, fragte er deshalb misstrauisch.
Calvia schnaubte.
„Natürlich gibt es kein hundertprozentiges Ergebnis. Ich bekomme nur einzelne, kurze Bilder und Wörter, die ich nach der Vision erst zu einem Resultat formen muss. Jaribis haben es leichter, da sie schon einen Zusammenhang von den Bilder, die sie sehen, bekommen.“
Jaribis waren gefährlicher als Berro dachte. Es würde nicht leicht werden Xaruyll an sich zu reißen. Die meisten Tiere dort waren Wahrsager.
„Woher hast du die Kenntnis dieser anderen Möglichkeit?“, wollte Berro wissen, um zu erfahren wie viel Erfolg er noch daraus schlagen konnte.
Calvia ging aus dem Kerzenschein ins dunkle. Er hörte, wie sie einen Wasserhahn aufdrehte und sich wahrscheinlich die Hände wusch.
„Vor einigen Jahren, noch bevor ich an deinen Hof kam, erkundete ich die Grenzen von Berroselle. Ich war abenteuerlustig, sehnte mich nach einem Zweikampf mit irgendjemand und übersah dadurch, dass ich die Grenze des Landes schon längst überschritten hatte. Ängstlich irrte ich in einen menschenleeren Wald umher. Naja, vielleicht gar nicht so menschenleer, denn ich fühlte mich beobachtet. Gesehen von Augen, die wiederum aber keine Menschenaugen waren. Als ich zu einer Lichtung kam, stand ein anderes Wesen nicht weit von mir entfernt. Ich stürmte auf es zu, so töricht ich auch war, glaubte ich, dass es mir den Ausgang aus dem Waldlabyrinth zeigen konnte. Ein derartiges Wesen hatte ich noch nie gesehen, jedoch hatte ich schon viel von ihnen gelesen und gehört. Starr vor Schreck, als ich endlich erkannte was es war und wo ich mich jetzt befand, hielt ich den Atem an. Ich hatte die Grenze zu Kaelfan überschritten und stand einem Elf gegenüber. Weißt du etwas über Elfen, SaGuno?“, begann sie ihre Gesichte zu erzählen.
Den Wasserhahn hatte sie währenddessen wieder zugedreht und bewegte sich nun im Raum hin und her. Berro überlegte. Er wusste nichts von den Elfen. Er wusste zwar, dass es Kaelfan gab, allerdings dass ihr Land so klein war, dass sich eine Übernahme nicht lohnen würde. Elfen waren ein Mythos für ihn. Darum verneinte er Calvias Frage.
„Das habe ich mir gedacht. Nur wenige wissen etwas über die Elfen. Man muss schon wirklich gut suchen, um Bücher von ihnen zu finden. Doch ich war immer fasziniert von ihnen. Sie sind blutrünstige, brutale Wesen, die keine Scheu vor dem Töten zeigen. Darum liebte ich diese Wesen. Ich wollte so sein, wie sie. Und so einer Gestalt bin ich damals direkt in die Arme gelaufen!“
Irgendwie gefielen diese Elfen Berro immer mehr. Brutale Kämpfer. So etwas wie sie, fehlten ihm noch in seiner Armee. Er musste unbedingt einmal mit Tavris, der Hauptkommandant seiner Streitkraft, über diese Sache reden. Dennoch war seine Frage noch immer nicht beantwortet worden.
„Wie bist du wieder herausgekommen?“, fragte Berro interessiert.
„Mein großes Glück war, dass sie Frauen gefangen nehmen, um sie später in einer Langen Prozedur zu töten. Währenddessen sie Männer sofort erledigen. Keine Ahnung warum Frauen eine Sonderbehandlung ertragen müssen. Aber so war es meine Chance noch einmal zu entkommen.“
„Wie hast du es geschafft aus einem Lager voller Elfen zu fliehen?“, wollte Berro verblüfft wissen.
Calvia kam wieder ins Kerzenlicht, das Stück Papier immer noch in ihrer Hand. Er blickte in ihr Gesicht, auf dem sich ein grauenhaftes böses Lächeln spiegelte. Ihre Hand bewegte sich leicht nach oben und zeigte zur Mitte des Dreieckes.
„Mit diesem Buch!“
Erst jetzt sah Berro wieder zu dem Buch hinunter und wusste warum er vorher nichts lesen konnte. Es war in Elfenschrift geschrieben, nahm er an, weil er nichts entziffern konnte. Nichtdestotrotz wie hätte ein normales Buch Calvia befreien sollen?
Calvia setzte wieder an, um weiter zu erzählen.
„In einem Käfig eingesperrt, hängend unter einem Baum, sah ich mein Ende kommen. Auch die Nacht brach allmählich heran und alles wurde dunkler. Ich lag eingerollt am Boden meines Gefängnisses, mit meinem Leben abgeschlossen, als ich plötzlich etwas an meinen Füßen spürte. Dieses Buch. Ich sah mich um und konnte nur mehr ein Elfenkind in weiter Ferne erkennen. Dieses Kind hatte mir das Leben gerettet. Ich wusste nicht wieso oder warum oder wie sie darauf kam, dass ich ihr Buch lesen konnte. Ich konnte es, weil ich mich viel mit der Elfenschrift befasst hatte. Wie vorher schon erwähnt, ich bin vernarrt in Elfen. Schnell schlug ich das Buch auf, mitten auf irgendeiner Seite. Es war schon dunkel und ich musste mich anstrengen um noch etwas lesen zu können. Genau die Seite, die ich aufgeschlagen hatte, war meine Rettung. Ein Platzwechslungszauber. So stand es im Buch.“
„Das ist ein Buch der Zauberei von Elfen?“
Das Böse funkelte nur so in Berros Augen. Waffen zu haben, die der Gegner nicht kannte, war ein großer Vorteil. Der Überraschungseffekt würde enorm sein. Sich die anderen Länder unter den Nagel zu reißen, würde mit dieser Kenntnis doch einfacher sein, als geplant. Berro konnte sein hinterhältiges Lächeln nicht mehr verstecken.
„Ein Kinderbuch der Zauberei von Elfen!“, besserte Calvia Berro aus.
„Kinderbuch?“, stutzte der König etwas.
Sein Lächeln war verflogen.
„Heißt das, dass erwachsene Elfen noch stärkere und mächtigere Zauber beherrschen, als Wahrsagerei und Platzwechsel?“
Er musste unbedingt das Land Kaelfan zufriedenlassen. Er konnte seinen Tod und die vielen von seinem Heer nicht zulassen. Nur eine vollständige Armee konnte etwas gegen Surrejona und Panthalena ausrichten.
„Elfen sind reine Zauberkreaturen. Jedoch verlangt ihr Gemüt nicht nach Macht. Ihr eigenes Reich genügt ihnen vollkommen. Ich an deiner Stelle würde nicht den Zorn entfachen lassen wollen. Denn er ist einfach schrecklich“, Calvia wurde, während des Sprechens immer leiserer.
Irgendetwas war da noch in der Geschichte, dass Berro unbedingt hören musste.
„Wie ging die Geschichte aus? Du hast den Platzwechselzauber angewandt und dann?“, fragte Berro und lauschte aufmerksam der Antwort.
Calvia blieb leise und flüsterte:
„Nach dem Anwenden des Zaubers wusste ich, dass es eigentlich nur Elfenzauber waren, die für Menschen, wenn sie sie benutzen, schwere Folgen haben können.“
Sie machte eine dramatische Pause und Berro wartete bis sie weiter erzählte.
„Ich wachte nicht an dem Ort auf, wo ich es eigentlich geplant hatte. Ich wusste nicht wo ich war. Ich wusste nur, dass mein Befreiungsversuch Opfer darbrachte. Am Boden liegend konnte ich nur mehr meine Hände spüren, alles andere war taub und als ich an mir runter sah…“, Calvia senkte noch weiter die Stimme, „Blut. Alles voller Blut. Sechs Monate hat meine Heilung gedauert. Sechs Monate voller Schmerzen.“
Berro erschrak, die Elfenzauber waren so stark, dass man sich dabei selbst zerstörte. Dies war erst ein Kinderzauber gewesen. Wie groß würden die Schmerzen sein, wenn man einen normalen Elfenzauber anwandte?
„Du bist entkommen!“, bekräftigte er Calvia und wollte so ihre Stimmung wieder etwas heben. Doch Calvia blickte nur stumm zu Boden. „Du hast aus diesem Buch also den Wahrsagungszauber?“, wollte er sie auf andere Gedanken bringen.
Er mochte sich nicht vorstellen welche Qualen dieser Zauber mit sich brachte. Doch wenn er nicht diese Schmerzen durchmachen musste, war es ihm egal. Hauptsache er hatte ein Ergebnis, dass er für seine Herrschaft ausnutzen konnte. Calvia sah auf. In ihren Augen war jetzt etwas anderes als vorhin. Langsam überreichte sie Berro das Blatt Papier, dass sie seit Anfang an in ihren Händen gehalten hatte. Das Papier war bespritzt mit Blut und in der Mitte stand ein Name.
„Alena VanHell“, sprach Berro laut aus.
Was war mit der Reichshexe von Panthalena?
„Tod!“
„Was? Sie ist tot?“, fragte Berro verblüfft.
Calvia verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf.
„Nein, du Narr. Du musst sie töten, sonst könnte sie dir in nicht so ferner Zukunft in die Quere kommen.“
„Achso“, Berro überlegte angespannt, „Das wird nicht so einfach sein, wie bei Maerian. Dazu braucht man einen ausgeklügelten Plan. Calvia, deine Dienste werden heute nicht mehr benötigt. Du kannst nach Hause gehen.“
Berro verließ noch immer nachdenkend das Zimmer. Calvia blieb alleine zurück. Auch sie war in Gedanken versunken. Als sie langsam die Kerzen ausblies, die Vorhänge öffnete, und das Buch aufhob, ließ sie ihre Erinnerungen an die Gefangenschaft bei den Elfen
noch einmal zurück schweifen. Sie hätte sich lieber umbringen lassen sollen, als Nacht für Nacht aus demselben Albtraum zu erwachen. Sie wusste, dass die Elfen an diesen Albträumen schuld waren. Leiden lassen, das war die Devise der Elfen an die Frauen und auch wenn sie entkommen war, musste sie dennoch dafür büßen. Nacht für Nacht. Calvia nahm ihren schwarzen Mantel und verließ ebenfalls das Zimmer. Das Buch immer an ihrer Seite. Ihre einzige Möglichkeit so zu sein wie ein Elf und an Berro näher ran zu kommen.
Freu mich wie immer über Feedback und Stephanie, es geht sich sogar noch ein Teil aus, den ich aber erst später veröffentliche!! Ich hoffe du liest ihn wieder und gibst einen Kommentar dazu ab!!
Und über alle anderen Kommentare freue ich mich genauso, also zeigt keine Scheu!! :D :D
eure *Luna