Blutige Herzdame
von AlLu aus der Kategorie Vampire
Louise öffnete ihre Karten. Zwei Bube, zwei 10 und ein König. Kein schlechtes Blatt, aber sie wollte sicher gehen. Ihre Augen wanderten zu ihrem Gegenüber, ein junger gutaussehender Mann Mitte 20, welcher sie herausfordernd betrachtete. Die Beiden waren neben einem älteren Herren, der Louise schräg gegenüber saß die Einzigen, die um die noch um das Geld spielten. Ein letztes Mal mischte der Kartenleger die Karten und gab jedem Spieler zwei neue Karten. Langsam und gewissenhaft nahm Louise die Karten vom Tisch und schaute sie sich an. Zwei Pik-Asse, ein Glückstreffer! Sie legte die zwei Zehner aus der Hand und schaute nun völlig neutral ihre Gegner an, bevor sie ein Zug von der Zigarette nahm.
„Ich passe!“, meinte der altere Männer und schob seine Karten, sowie die gesetzten Spielchips in die Mitte des Tisches. Nun betrachtete Louise den jungen Mann mit den wuscheligen braunen Haaren und den meerblauen Augen an, welcher wie sie keine Regung im Gesicht zeigte. Louise betrachtete ihr ungesetzten Spielmarken und warf unwillkürlich 200 dieser Währung vor sich hin. Der Mann ging mit und warf alle seine Münzen auf den Tisch, die er noch besaß. Ein kurzes Funkeln in seinen Augen verriet Louise das er von vorne bis hinten bluffte. Vorsichtig glitt ihre Hand zu den zugedeckten Karten vor Sicht, öffnete langsam eine nach der Anderen ihr Blatt und ein triumphierendes Lächeln entwich ihrem Gesicht, während sie schelmisch und herausfordernd zugleich ihren Gegenspieler betrachtete, der sichtlich nervös erschien. Er deckte seine Karten auf, hatte auf der Hand lediglich zwei sieben, eine 10, zwei Damen und eine Acht.
„Lächerlich...“, prustete Louise und drückte ihre Zigarette erst an den Spieltischrand aus, bevor sie den Stummel in den Aschenbecher neben sich legte. Anschließen nahm sie sich ungeniert die Spielchips vom Tisch, stand auf und zog ihr schwarzes Kleid zurecht, eh sie ihre feuerroten Haare öffnete die zu einem Dutt gedreht waren, welche sich in einer eleganten Kopfbewegung nach hinten werfen ließen. Mit einem letzten Blick schaute sie den jungen gutaussehenden Mann an und lief zur Casinobank, wo sie ihre Chips einlöste. Ganze 500 $ bekam sie dafür, was einen abendlichen Gewinn von fast 320 $ machte. Louise wusste nicht, was sie mit dem Geld anstellen sollte, denn eigentlich besaß sie alles was sie brauchte... zu mindestens fast. Sie liebte es Poker zu spielen, nicht des Geldes wegen, sondern einfach wegen der Tatsache, dass sie das Glück im Spiel nie verließ. Plötzlich hörte sie mit ihren scharfen Gehör Schritte hinter sich. Louise drehte ihren Kopf leicht, so dass sie gerade im Augenwinkel erkennen konnte, dass es sich um ihren attraktiven Mitspieler am Pokertisch handelte, der diesen Abend ohne Geld nach Hause ging.
„Sie spielen sehr gut...“, meinte der Mann plötzlich, der immer noch hinter Louise stand.
Ohne lange zu Überlegen drehte sich die Vampirin um und betrachtete ihn.
„Ich habe sie noch nie hier spielen gesehen...“, murmelte er wieder, erneut im Versuch ein Gespräch mit der hübschen Frau aufzunehmen, die eine außergewöhnliche Ausstrahlung trug.
„Das liegt daran, ..:“, setzte Louise an, „...das ich fast nie in den selben Lokalen spiele.“
Warum, erwähnte Louise gar nicht, doch sie hatte einen sehr praktischen Grund für diese Tatsache. Es wäre wirklich sehr verdächtig, wenn nach fast jedem Spiel, ein junger Mann spurlos verschwinden würde und am nächsten Morgen mit seltsamen Bissspuren am Hals aufgefunden werden würde, nachdem eine Rothaarige Schönheit am selben Tisch wie dieser saß.
„Spielen Sie öfters?“, fragte der Mann nun wieder.
„Gelegentlich...“, log Louise schamlos, drehte sich wieder um und wollte gerade aus der Tür gehen, als ihr „Opfer“ ihr hinter herrief: „Der Abend ist noch jung! Wollen Sie mich nicht noch auf ein oder zwei Tequila in eine Bar begleiten.“
„Wie heißen sie?“, fragte Louise nun, blieb stehen, aber drehte sich nicht um.
„Ich heiße Chris...“
„Also gut Chris... einem Gentleman wie dir kann man ja nicht widerstehen!“, gab Louise als Antwort, drehte sich leicht in der Hüfte und sah ihn mit einem mysteriösen Blick an.
Chris holte Louise schnell auf und ging mit ihr eine Bar, in der Nähe des Casinos.
„Hier gehe ich jeden Abend hin und trinke nach dem Spiel Einiges...“, meinte Chris, während er Louise die Tür aufhielt.
„Sehr hübsch...“, war das Einzige was sie sagte, denn sie musste wieder über Chris und all die anderen Männer lachen, die so dumm waren und ihrer Mörderin blind in die Falle liefen. Es lief immer gleich ab: Louise siegte bei einem Spiel, bei den meist gutaussehende Männer anwesend waren, die anschließend diese rätselhafte Frau fragten, ob sie nicht noch etwas mit ihnen tranken gehen wollten. Manche waren auch direkter und fragten einfach, ob Louise nicht gleich zu ihnen in die Wohnung wollte, aber solche Angeboten lehnte sie strikt ab. Sie wollte es sich nie leicht machen, denn sie liebte es mit ihrer Beute zu spielen, sie so lange zappeln zu lassen, bevor sie den ersten Schritt machten, aber das Berauschende war immer wieder, wie die Männer reagierten, wenn sie spürten wie die eiskalten Raubzähne in ihren Hals gerammt wurden und sie mit jeder Sekunde mehr Blut verloren.
Louise lief an die Bar, setzte sich auf einen Hocker und bestellte, ohne Chris zu fragen zwei Cola-Rum-Getränke. Chris setzte sich neben sie und wollte gerade ein Geldschein zücken, doch Louise war schneller und drückte dem Barkeeper einen 10 Dollar Schein in die Hand: „Stimmt so!“
„Sie sind sehr spendabel...“, meinte Chris, als er nachrechnete und feststellte, dass Louise mehr als das doppelte an Trinkgeld gegeben hatte, was die Getränke gekostet hatten.
„Ich brauche nicht so viel Geld...“, antwortete Louise schulterzuckend. „Und wenn wir schon mal dabei sind: Duzen wir uns doch lieber!“
Chris grinste. Er mochte die spritzige, aber gleichzeitig mystische Art seiner schönen Begleitung.
„Da fällt mir ein... ich weiß noch gar nicht wie du heißt!“
In diesem Moment musste Louise grinsen, aber sie antwortete nicht, sondern schüttelte nur leicht ihren Kopf. Selbst bei dieser leichten Bewegung schwangen ihre Haare mit und hüllten ihr Gesicht in eine Art rotes Seidenkopftuch.
Louise erkannte an Chris Gesichtsausdruck, dass er sichtlich irritiert war.
„Keine Sorge... wir werden uns nach diesem Abend sicher nicht noch mal begegnen!“, weissagte sie, was ja auch stimmte.
„Sie stecken voller Überraschungen..:“, gab er zurück und beugte sich leicht zu ihr, allerdings ohne auch nur ein Anzeichen davon erahnen zu lassen, dass er sich näher für Louise interessierte.
Plötzlich musste sie sich eingestehen, dass sie Chris doch auf eine Art sympathisch empfand, denn er war anders als die meisten Männer, zwar offen und neugierig, aber keineswegs aufdringlich, besaß beinahe die Unschuld eines kleinen Jungen. Mitleid hatte sie jedoch nicht mit ihm, schließlich war er so naiv und las in ihrem Gesicht die pure Lieblichkeit.
„Ich bin lediglich eine Frau die gut pokert...“, antwortete Louise schlagfertig und damit hatte sich dieses Thema für den Rest des Abends erledigt.
Beide unterhielten sich noch lange in dieser warmen Sommernacht, über die unterschiedlichsten Dinge die man so beredete wenn man sich kennenlernen wollte und Chris musste nach und nach feststellen, dass er sich in eine Frau verguckt hatte, die ihm sowohl körperlich als auch geistig um Längen besiegte.
„Ich muss nun nach Hause...“, stellte Louise fest, als sie auf die Uhr ihres Handys schaute. In Wirklichkeit war es ihr natürlich egal, wann sie in ihrem kleinen Apartment mitten in der Stadt ankam.
„Ich bring dich nach Hause!“, räumte Chris schnell ein, denn er hoffte aus dem Abend könne sich noch etwas mehr, als ein netter Plausch entwickeln.
An diesem Zeitpunkt waren Louises Schauspielkünste immer Gold wert, denn es verlief fast nie anders. Selten musste sie einen Mann bitten ihr zu folgen, sondern sie bissen an wie hungrige Fische an den Wurm, welcher an einem Angelhaken hing.
„Wenn du darauf bestehst...“, kicherte Louise und knabberte zum ersten Mal an diesem Abend auf ihrer blutroten Unterlippe herum.
Eigentlich war das der schwierigste, aber auch zugleich einfachste Teil des ganzen Abends, denn die Männer waren in ihren Wachs, nur wimmelte es in der späten Nacht vor Vampiren. Vollmondnächte waren besonders gefährlich, da dort die Werwölfe wie Straßenköter auf der Straße herumliefen. In diesen Nächten mied sie es auf die Straße zu gehen, verzichtete auf jegliche Art von menschliches Blut.
Wieder strich sie ihr hautenges schwarzes Kleid zurecht und sah Chris erwartungsvoll an.
„Wollen wir?“, fragte sie, aber wartete nicht auf eine Antwort, sondern lief einfach zur Tür.
Die Stadt war schön an diesem Abend. Es war angenehm mild und der warme Wind erfrischte Louise, als sie aus dem stickigen Lokal herauskam. In dieser Hinsicht war sie nicht anders, als jeder normale Mensch. Sie hasste es in Räumen zu sein, wo sich viel zu viele Menschen waren, die ihr die Luft zum atmen wegnahmen. Gut, so gesehen brauchte sie keine Luft zum Leben, aber die Gewohnheit zu atmen war inzwischen so stark, dass sie stickige, feuchte Luft hasste.
Louise war erstaunt, dass Chris den ganzen Weg bis zu ihrem Apartment in sturem Schweigen verbrachte. Anscheinend schien er sich nicht wohl zu fühlen oder war nervös. Wie auch immer.
Zehn Minuten Fußweg kamen ihr vor wie eine halbe Ewigkeit, denn die Angst ein anderer Vampir könnte jeden Moment um die Ecke springen und sie oder schlimmer ihr Opfer anfallen, ließ sie nicht los. Erleichterung, die von außen hin aber nicht sichtbar war, packte Louise, als sie endlich an der Tür ihres Wohnhauses stand, in dem sich ihre kleine, aber feine Wohnung befand.
„Kommst du noch auf ein Gläschen Sekt mit nach oben?“, fragte sie zuckersüß Chris, der nun doch etwas verunsichert wirkte.
Sein Gesicht erhellte sich jedoch, als Louise diese elementare Frage stellte, die ihren Mitternachtsimbiss voraus sprach.
„Gerne!“, rief er etwas zu laut, worauf er rot wurde.
Nun konnte Louise seine Unsicherheit förmlich greifen. Sicher, sie hätte sein Unbehagen in Vertrautheit umwandeln können mit ihrer Gabe, aber das wäre zu langweilig für sie gewesen.
„Na dann komm!“, gab Louise zurück und drehte den Schlüssel im Schloss herum.
Kurze Zeit später fanden sich die beiden auf ihrem Sofa im Wohnzimmer wieder, wo beide mit einem Glas Sekt in der Hand anstoßen.
„Auf diesen schönen Abend!“, prostete Louise Chris zu und nahm einen Schluck von der edlen Brause.
„Wirklich gut...“, meinte Chris und betrachtete die Flasche. „So, so... dem Barkeeper ein kleines Vermögen an Trinkgeld geben, sagen man braucht man kein Geld, aber solch teuren Sekt Zuhause stehen haben!“
Ein schiefes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, als sie das Glas auf den Tisch abstellte und in die Küche lief. Sie wusste, dass Chris ihr jetzt folgen würde, aus Neugierde oder Begierde war ihr hierbei völlig gleichgültig.
Sie stand einfach nur so da, mitten in der kleinen Küche, an eine Wand gelehnt und ihre schwarzen Augen funkelten den attraktiven Mann an, in dessen Blick man nun keine zurückhaltende Höflichkeit, sondern brennende Leidenschaft sehen konnte. Er lief ungestüm auf Louise zu und drückte sie mit seinem ganzen Gesicht gegen die Wand, so stürmisch, dass es die Luft aus ihrer längst unbrauchbaren Lunge presste.
Louise spürte die Hitze seines Körpers, auf ihrer kalten Haut und die Hände an ihrer Taille, die sie noch näher an ihn heranzogen, damit er sich küssen konnte. In diesem Moment musste sich Louise ein Grinsen verkneifen, denn sie hatte das erreicht, was sie sich bei jedem Treffen vorstellte, es bräuchte nur das richtige Opfer. Sie erwiderte den Kuss, mit gleicher Leidenschaft, aber wilder und biss ihn in seine Lippe. Sie schob ihn von sich weg und erst in diesem Moment erkannte Chris, wie stark Louise doch war. Ohne lange zu warten, lief Louise auf ihn zu, schob ihn gegen den Kühlschrank und tastete mit ihren Lippen er an seinem Ohr, dann an seinen Hals entlang, welchen sie erst sanft küsste und plötzlich ihre spitzen Zähne in seinen Hals rammte. Sie begann ihn seinen Lebenssaft zu rauben. Eh Chris wirklich realisiert hatte, was mit ihm geschah, war es zu spät, denn Louise hatte ihn schon viel zu viel Blut geraubt, als das er sich hätte wehren können. Aus seiner Kehle entwich nur noch ein klägliches Wimmern, bevor sein lebloser Körper zu Boden sackte und er sich nicht mehr regte.
„Schade das es so enden musste, Chris...“, seufzte sie und leckte sich über ihre Lippen.
Sie stieg über den Leichnam und ging wieder in das Wohnzimmer, wo sie den Fernseher anschaltete und das Nachtprogramm verfolgte, während sie die Flasche Sekt einsam und allein austrank.
Kommentare
Es gibt 3 Kommentare zu dieser Geschichte
Adriel schrieb am 12.05.2012 um 18:25 Uhr folgenden Kommentar:
Die ganze Zeit hab ich mich gefragt, wo denn wohl der Harken an dieser Geschichte ist. Dass es keinen gab, hat die Spannung der Geschichte auf die Spitze getrieben. Ist dir echt gut gelungen, dass du eigentlich schon am Anfang sagst, was passiert und es dann doch überraschend ist, wenn es wirklich so kommt. Gefällt mir
Dia schrieb am 11.04.2011 um 16:37 Uhr folgenden Kommentar:
Ich bin so neidisch... ich bekomme es nicht auf die Reihe, KURZGESCHICHTEN zu schreiben... . Alles andere, klar, aber keine KURZGESCHICHTEN... argh... .
Le Pure. schrieb am 10.04.2011 um 13:09 Uhr folgenden Kommentar:
Voll guut! ich mags.