Bis zur Regenbogenbrücke
von Mandy Joanne aus der Kategorie Drama Geschichten
Die Geschichte eines Hundes
12 Jahre. Ich blicke in meinen Gedanken auf sie zurück. Es waren wundervolle Jahre. Die Erinnerungen, die Gefühle, sie sind überwältigend. Ich bin ein Mädchen von 15 Jahren.
"", rief meine Mutter von unten, "Kommst du bitte? Wir wollen essen."
Essen! Wie kann sie ans Essen denken? Seit 5 Tagen esse ich schon nix mehr. Warum auch? Mein Hungergefühl hat mich verlassen. Es scheint so, als hätte mich alles verlassen.
Ich war gerade mal drei Jahre alt und ich kann mich noch genau an die Bilder erinnern. Sie sitzen so tief in mir drin. Ich erinnere mich an so vieles aus diesen Jahren, aber an das... Das kann man einfach nicht vergessen. Vor paar Monaten, ich weiß es nicht mehr genau, ist unser Hund gestorben. Sie war ein klasse Hund. Mein Vater hat sie gefunden, als er noch bei der Bundeswehr arbeitete. Sie kam verwarlost und hungrig über die Grenze. Wir nahmen sie auf, wie alt sie war wussten wir nicht. Noch recht jung, da sie viele Jahre bei uns lebte und dann wegen vollkommener Blindheit eingeschläfert werden musste. Sie lief überall gegen. Es war schrecklich. Ich glaubte, so einen Hund finde man niemals wieder. Doch das Schicksal entschied anders.
Die ein-jährige Jana sucht ein neues Zuhause. Ideal wäre eine Familie mit Kindern, wo sie viel Abwechslung und Beschäftigung findet. Jana ist ein Labrador, ihr Großvater soll ein Colli gewesen sein. Geboren wurde sie am 21. November 1998. Jana ist sehr lieb und auch liebesbedürftig, gelehrig und lebhaft. Sie braucht viel Auslauf, apportiert am liebsten Bälle, kann sich aber auch alleine beschäftigen. Die Hündin hat alle Impfungen, ist ungezieferfrei. Halsband, Leinen, Körbchen, Matratze, Näpfe und ähnliches werden mitgegeben. Wer Jana aufnehmen kann, sollte sich...
Die überschrift lautete Tier des Monats. Dadrunter war ein schwarz-weißes Bild mit einer aufgeweckten Labradorhündin. Die Augen haben es uns, glaube ich, angetan. Große, braune Augen. Natürlich nahmen wir sie auf. Mein Vater wurde die Bezugsperson, meine Mutter regte sich auf, das sie so viel Haare verlor und ich? Ich fande es klasse einen so tollen Hund in meiner Familie zu haben. Sie lag ziemlich oft im Weg rum und meine Mutter meckerte darüber. Tief in ihr fand sie sie aber toll und liebte sie auch. Halt auf ihre Art und Weise.
25. August 2002,
Jana saß in Papas Büro. Er saß an seinem Schreibtisch und arbeitete am Computer. Jana lag treu neben ihm. Oh je, Jana wurde langweilig. Mama wollte grade den leeren Leckerli-Karton in Müll werfen, redete aber noch kurz mit Papa. Jana schnappte sich den Karton und untersuchte ihn. Es könnte ja noch was drin sein. Sie steckte ihren Kopf rein. Wie es kommen musste, bekam sie ihn nicht mehr raus. War schon lustig. Als ich ihr dann halt rauszukommen, zerriss sie wutentbrannt den Karton. Überall lagen Pappreste rum.
Ihre lebhaften Augen funkelten förmlich vor Energie.
Mein Papi ging mit ihr zum Hundetraining und vollbrachte Turniere mit ihr. Das war es was sie brauchte. Forderung. Sportlich, wie auch geistig. Die genauen Tage weiß ich leider nicht mehr, aber viele Ereignisse sind trotzdem noch in meinem Kopf.
Gegenwart
Die Bilder auf meinem PC. Eigentlich brauche ich sie nicht. Ich habe alle Bilder in meinem Herzen. Dort werde ich sie immer tragen. Meine Finger berühren das Bild an meinem Schrank, wo sie mit ihren großen, runden Augen in die Kamera guckt und ihren Spiel-mit-mir-Blick draufhat. Alle Erinnerungen, Bilder, Erlebnisse... sie sind unvergesslich. Sie sind etwas besonderes. Jana, ein Hund, mehr als das!
Es war ein schrecklicher Tag. Jana verliehlt sich komisch. Irgendwas stimmte nicht mir ihr. Wir fuhren zum Tierarzt. Schreckliche Diagnose, blind. Blind auf dem rechten Auge. Und auf dem rechten Ohr auch. Konnte das sein? Wie ist das passiert?
"Oft passiert Erblindung, wenn Hunde gegen etwas gegenlaufen." Dieser Satz löste in mir ein Gefühl aus. Ein ekelerregendes Gefühl.
Wie lange ist es her? Ich weiß es nicht mehr. Jana lief gegen die Tür. Wir haben sie gerade reingerufen, da hat sie den Spalt nicht richtig eingeschätzt. Die Schiebetür war aus Glas, Jana war auf Hochspeed eingestellt und rammte mit diesem Auge gegen den weißen Rahmen der Tür.
Trotzdem mussten wir zum Spezialisten. Ich fuhr immer mit. Egal, ob es Impfung war oder zum 60km entfernten Nienburg. Dort war ein Spezialist. Vollblind auf dem rechte Auge. Nix. Sie sah nicht einmal Umrisse. Und das Ohr? Nein, sie hörte noch gut. Obwohl sie ziemlich gut abschalten kann...
Gegenwart
Ich höre sie hinten tapsen. Torkelnd, wie immer. Nach diesem schrecklichen Tag kein Wunder.
Sie torkelt, liegt fast nur noch, fiept. Es ist schrecklich sie so zu sehen.
Ich erinnere mich, wie ich immer mehr mit ihr auch beim Hundetraining gemacht habe...
Immer mehr hab ich mit ihr mitgemacht. Über Hindernisse springen. Gehorsam gehen. Vieles habe ich übernommen. Mit einem blinden Auge ziemlich schlecht, zumal sie auf der linken Seite gehen musste und sie auf dem rechten Auge blind ist, also mich nicht sieht. Trotzdem klappte es mit der Stimme super. Aber es wurde zu viel, mein Vater wollte sie ja trainieren. Also sollte ich einen eigenen Hund bekommen. Wird das klappen? Wird Jana sie akzeptieren? Warum nicht? Jana ist so lieb und ruhig geworden. Als sie zu uns kam, war sie leicht zu reizen. Jetzt kann man mit ihr machen, was man will. Naja, irgendwann trifft man auch auf Grenzen. Aber sie ist halt der perfekte Familienhund. Gefunden! Liebe auf den ersten Blick. Lucy! So klein, so niedlich... so zickig! Ich konnte es kaum erwarten, aber die Fahrt war so lang. Ich sag sie und es funkte. Immer wieder die Frage: Wird Jana sie akzeptieren?
Und wie sie wird. Es war toll. Jana hatte absolut keine Probleme mit ihr. Und sie? Sie war zickig und garstig. Aber die beiden lieben sich über alles. Jana war der perfekte Spielkamerad. Sie ließ sich so leicht ablenken und Lucy nutzte das aus. Wie süß das aussah, wenn sie losraste, weil Jana sie genervt anbellte. Ein Herz und eine Seele. Wie Lulu immer Janas Futter klauen will. Was, wenn das nicht mehr ist?
Komisch, die Vorstellung. Wenn es klingeln wird. Nur noch ein Hund, der bellt. Wenn das Telefon klingelt. Wie wird sich das anfühlen? Wird es sich jedes Mal anfühlen, wie ein Loch das größer wird?
Sie ist ruhiger geworden seit dem Tag.
Ich war im Halbschlaf, etwas rüttelte an mir, aber ich wurde einfach nicht wach. Eine Stunde später wachte ich von selbst auf. Ich ging aus meinem Zimmer. Meine Mutter sagte mir, Papa wäre zum Tierarzt gefahren. Der Schock: Jana hatte einen Schlaganfall. Meine Welt brach zusammen. Ich wäre nicht aufgewacht, mein Vater wollte, dass ich mitfahre, aber ich bin nicht aufgewacht. Herzzerreißend. Ich bin immer mitgefahren. Und jetzt? Wo sie mich am meisten brauchte, war ich nicht da. Ich ging nach vorne, meine Mutter musste hinten arbeiten. Gut so, dann sieht sie nicht, dass ich weine...
Ich sah Fernsehn. Ich weiß gar nicht, was ich gesehen habe. Ich habe nicht aufgepasst. Es war mir egal. Alles egal. Lulu, die hinten nach mir rief, weil sie Guten Morgen sagen wollte. Fypsie, der schrie, als wäre er ein Hahn und wir würden nicht aufwachen. Was, wenn sie gerade eingeschläfert wird und ich bin nicht dabei? Ich, nicht dabei. Ist es ein Traum. Ich weiß, dass ich das dachte. Ich wollte aufwachen. Doch es klappte nicht. Ich weinte, ich war immer dabei gewesen. Und jetzt? Der entscheidenste Moment vielleichtin ihrem Leben. Immer diese Ungewissheit, dass sie vielleicht eingeschläfert wird. Jetzt, in diesem Moment. Die Sekunden kamen mir vor, wie Minuten. Die Minuten, wie Stunden. Die Stunden, wie eine halbe Ewigkeit. Die Tür ging auf. Mein Vater kam rein. Ja, sie hatte einen Schlaganfall. Es ist nicht wissentschlaftlich bewiesen, aber irgendwas blockierte das Gehirn. Ich musste sofort anfangen zu weinen. "Heute Abend muss sie nochmal hin.", sagte er.
"Ich will mit!", schrie ich fast.
"Es könnte aber eine schwere Entscheidung geben."
Das war mit egal. Dann erst Recht. Ich wollte dabei sein. Schließlich war ich immer bei ihr gewesen. Ich ging nach hinten. Der Anblick war schrecklich. Sie lag auf ihrer Decke. Schwer hob sie ihren Kopf. Sie konnte nicht gerade gucken, sie hielt ihren Kopf schief. Wie musste es sich anfühlen die ganze Zeit nur so gucken zu können? Sie hat Schmerzmittel bekommen. Sie guckt so gequält. Haben die wirklich angeschlagen? Ihre Augen sind voller Angst und Ungewissheit. Es ist alles so anders.
Abends sind wir zum Tierarzt gefahren. Wie sie torkelt. Ich musste mich zusammenreißen nicht loszuheulen. Es ging ihr aber besser, als am Morgen.
Kay, Leute. Ist noch nicht fertig,aber ich würde gerne wissen, ob es zu verwirrend ist. :D