Bis meine Liebe zu dir stirbt...
von Billie Jean aus der Kategorie Vampire
Hi Leute.
Das hier ist bis jetzt meine beste Geschichte. Ich bitte um Verbesserungsvorschläge und Kommentare. Und falls sie euch nicht gefällt, tut es mir Leid. Und wundert euch nicht, wenn dazwischen irgendetwas steht, was nicht zu der Geschichte gehört. :D Denn diese Geschichte ist mit einem anderen Dokument durcheinander gekommen, sorry!
,,Kyra!" Sie wurde sofort wach. Kyra war schon wieder in der Schule eingeschlafen. Sie richtete sich auf und senkte dann entschuldigend den Blick. Alle starrten sie an. ,,Könntest du uns jetzt bitte die Antwort nennen?" Kyra wusste nicht, was die Lehrerin von ihr wollte. Sie hatte doch gar nichts mitbekommen. Und das wusste diese Lehrerin ganz genau. Kyra schüttelte den Kopf. ,,Ich... habe nicht zugehört.", gestand sie leise und wich den Blicken der Mitschüler aus. Ein paar von ihnen drehten sich entnervt wieder nach vorne, dabei auch Kyra´s "Freunde"; Jessica Solder, Lea Kinera, Simone Schmitd und Sarah Kirne. Sie hatten immer etwas auszusetzen, wenn Kyra im Unterricht nicht aufpasste. Aber das war ihr eigentlich relativ egal. ,,Nun dann, nachsitzen." Die Lehrerin schrieb sich etwas auf und nannte Kyra dann den Nachsitztermin. Wenige Sekunden später klingelte es und Jessica sprang sofort auf und rannte zu dem Tisch ihrer Freundin. ,,Was du dir wieder zu schulden hast kommen lassen!", warf sie ihr vor. Kyra verschrenkte die Arme auf dem Tisch und legte den Kopf auf sie. ,,Du kannst doch nicht immer nachsitzen! Du hast in diesen 7 Wochen jetzt schon wie oft nachgesessen? 8 Mal? Das wird dann jetzt wohl das neunte Mal! Was soll denn das?! Du musst dich mehr anstrengen, aber wenn ich das richtig gesehen habe, hast du geschlafen." Kyra versuchte Jessica´s Gerede auszublenden, denn sie konnte ja auch nichts dafür, dass sie in letzter Zeit so müde war. ,,Schläfst du zu Hause nicht oder was? Du musst dir vielleicht Tabletten oder sowas verschreiben lassen, damit du abends einschläfst. Oder? Ist doch eine gute Idee, oder?" Kyra nickte nur und versuchte weiterhin, sie auszublenden. Doch sie schaffte es nicht. Aber so war Jessica eben. Sie redete gerne. Sehr gerne. Sie war 16 Jahre alt, genauso wie Kyra auch. Seit dem neu angefangenen, 10. schuljahr, dass schon seit ungefähr 7 Wochen ging, waren ihre Noten viel besser als Kyra´s. Letztes Schuljahr war es anders, aber dieses nicht mehr. Denn wenn Kyra abends in ihrem Zimmer lag und versuchte, einzuschlafen, konnte sie nicht. Jessica´s Gerede riss Kyra aus ihren Gedanken. ,,Und? Das siehst du doch auch ein, oder? Weil, denk doch mal nach, wenn.." Kyra blendete sie aus und schlief ein. Doch der Traum dauerte nicht wirklich lange, da die nächste Lehrkraft sie gleich wieder aufweckte. ,,Willst du nicht nach Hause gehen?" Es war ihr Klassenlehrer, der immer sehr nett war und Mitleid hatte. Kyra sah auf, wollte sich entschuldigen, doch nickte dann nur. Doch kurz bevor sie den Klassensaal verließ, wurde sie von Mejashi aufgehalten, einem Jungen aus ihrer Klasse, in den sie schon die ganze Zeit verliebt war. ,,Ist alles in Ordnung mit dir?", fragte er und Kyra zog ihre Tasche zurecht. ,,Ja.", sagte sie dann. ,,Ja. Alles okay."
Sie lief aus der Klasse, hinaus auf den Schulhof. ,,Hey, Ky..." Jemand schnipste nachdenkend in die Finger.,,Ky...Kyra!Kyra warte!" Schnelle Schritte folgten ihr. ,,Hey, bleib doch stehen! Was hast du denn? Willst du etwa schwenzen?" Es war Mike, der sie rief. Keuchend blieb er vor ihr stehen. ,,Hast du mit Mejashi geredet?" Kyra nickte verwirrt. ,,Nur kurz. 3 Worte. Wieso?" Er beantwortete ihre Frage mit einer Gegenfrage. ,,Kyra, liebst du ihn?" Kyra schüttelte den Kopf, aber wusste, dass es eine Lüge war. ,,Mike, wie kommst du darauf?", fuhr sie ihn an. ,,Das waren doch nur 3 Worte. Was ist los mit dir?" Mike schüttelte den Kopf. ,,Tut mir Leid.", mrumelte er. ,,Aber ich wollte es wissen, da ich etwas weiss, dass ich eigentlich nicht sollte." Kyra verstand nicht ganz. Mike seufzte. ,,Okay. Ich muss es dir sagen. Du bist..." Er unterbrach und sah hinter sich. ,,Hast du das eben auch gehört?" Beide blieben still. Irgendwo hörte man Schritte. Kyra nickte erschrocken. ,,Was zum..!?" ,,Mike?" Er war verschwunden, obwohl Kyra ihm nur ganz kurz den Rücken zugedreht hatte. ,,Mike!" Er war weg. Kyra ging nach Hause.
,,Schon da?", fragte ihre Mutter, die in der Küche stand und das Essen zubereitete. ,,Ja.", sagte Kyra jedoch nur, legte ihre Tasche ab und ging in ihr Zimmer. Sie schloss die Tür ab und setzte sich an ihren Schreibtisch, um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen; dem Zeichnen. Ständig zerknüllte sie die Bilder und warf sie neben den Mülleimer. Sie warf sich auf´s Bett und weinte. ,,Verdammt." Sie machte das Fenster auf und warf eine Katze mit ihren zerknüllten Bildern ab.
,,Jack, sehen sie sich die Bilder an! Das nenne ich moderne Kunst!" Jack riss seinem Manager das zerknitterte Papier aus der Hand und warf seine Zigarrette auf den Boden. Genervt vor sich hin murmelnd zertrat er sie und sah sich das Bild an. Er riss weit die Augen auf. ,,Frank, wir haben einen neuen Künstler.Diese Bilder sind wunderschön, auch, wenn sie noch nicht vollendet wurden." Jack sah hinauf zu dem Fenster, von dem die laute Musik kam. ,,Und ich denke, unser Künstler sitzt da oben."
,,K-A-J!", rief jemand und es klopfte an der Tür. Kyra machte die Musik aus. Erneut klopfte es an der Haustür. ,,Künstler-Agentur-Jack!" Verwirrt öffnette Kyra die Tür. ,,Hast du das gemalt?", fragte ein Jack, der eine Zigarette in der Hand hatte. ,,Ähm, ich denke nicht, dass man im Treppenhaus rauchen darf." ,,Ach. Lass das mal meine Sorge sein." ,,Ja, diese Bilder sind von mir. Wieso?" Kyra riss dem Kerl die Bilder aus der Hand. ,,Ich bin Jack. Du hast wirklich Talent.Ich dachte, du hättest vielleicht Interesse daran, Künstlerin zu werden. Und ich akzeptiere kein Nein." ,,Nein, das ist nichts für mich. Aber danke." ,,Kyra?", rief ihre Mutter aus der Küche. ,,Wer ist denn an der Tür?" ,,Hallo?" Auch Kyras Vater drängelte sich an den zwei Männern vorbei. Er kam gerade von der Arbeit. ,,Hallo. Sind sie der Vater dieses Mädchens?" Kyras Vater nickte. ,,Ja, ich bin Chad. Und sie sind?" Chad schüttelte Jack die Hand. ,,Ich bin Jack. Und das ist mein Manager Frank. Ihre Tochter kann wirklich gut zeichnen. Wir möchten sie berühmt machen!" Malen lag in der Familie und Chad und Leah, Kyras Mutter, hatten bereits schon früher entschieden, dass ihre Tochter Künstlerin werden würde. ,,Aber natürlich!", sagte Chad überglücklich. ,,Nein,Dad. Das ist etwas für dich und Mom, aber nicht für mich. Was machen sie eigentlich einfach so in der Stadt?", wollte Kyra von Jack wissen, doch Chad kam ihr mit Gerede dazwischen. Er schüttelte den Kopf. ,,Das ist doch eine super Chance, Kyra! Der Mann meint es doch nur gut. Versteh das doch! Verdammt, wieso musst du nur so naiv sein?" ,,Wenn ich jemanden wirklich will, bekomme ich ihn auch. Ich gebe nicht auf! Ich werde wieder kommen, das schwöre ich!" Die beiden Männer verschwanden und Leah knallte die Tür zu. ,,Das war deine Chance!", fuhr Chad seine Tochter an. ,,Und du hast ALLES vermasselt! Es war doch ein super Angebot, Kind!" Leah legte ihrem Mann die Hände auf die Schultern. ,,Nein. Lass Kyra. Wenn sie es doch nicht will- es muss nicht unbedingt eine Tradition werden." Kyra verschwand in ihrem Zimmer und verschloss die Tür. Sie drehte die Musik auf und ließ sich auf ihren Schreibtischstuhl fallen.
ICH BIN GEFANGEN, SO KOMMT ES MIR VOR. ICH WÜNSCHE MIR EINFACH, AUS DIESEM ALBTRAUM GERETTET ZU WERDEN . MEINE ELTERN VERSTEHEN NICHT, WIE ES MIR GEHT, UND MEINE GROßE LIEBE LIEBT MICH NICHT... ICH FRAGE MICH WIRKLICH, WAS ICH HIER NOCH MACHE. NÄCHSTE WOCHE SIND SCHON WIEDER FERIEN, DA FAHRE ICH MIT MEINEN ELTERN IN EIN HOTEL, ABER ICH WILL NICHT! ICH WILL NUR GERETTET WERDEN AUS DIESEM DUNKLEN ZIMMER, AUS DIESEM DUNKLEN LEBEN....... ICH WILL NICHT MEHR LEBEN, WEIL ICH KEINEN SINN MEHR DARIN SEHE...
Kyra hörte auf zu schreiben, zerknüllte das Blatt und warf es auf den Boden. Plötzlich sprang ihr Fenster wieder auf. Erschrocken fuhr Kyra herum und spürte den kalten Wind, der durch das geöffnete Fenster in den Raum kam. Vorsichtig lief sie zum Fenster und sah raus. Nichts und niemand war zu sehen oder zu hören. Nur der Wind blies sanft. Als sie sich umdrehte, und zu ihrem CD-Player ging, war die Musik verstummt. Kyra dachte, dass ihre Mutter ihr den Strom abgedreht hatte und wollte gerade zur Küche gehen, da versperrte ihr jemand den Weg. Kyra wich zurück. An der Tür stand ein Mann, nicht sehr viel älter als Kyra selbst. Er trug eine schwarze Lederjacke und eine schwarze Jeans. Wo kam er plötzlich her?! ,,Wie bist du hier reingekommen?", fragte Kyra und konnte das Zittern in ihrer Stimme nicht unterdrücken. Er hielt das zerknüllte Blatt hoch, dass Kyra vorhin achtlos auf den Boden geworfen hatte. Sie wollte gerade danach greifen, da hielt der Mann ihre Hand fest und sagte: ,,Ich kann dir helfen, Kyra. Doch dafür musst du mir vertrauen." Er hob den Kopf und lächelte. ,,Ich bin Roiben." Nachdenklich sah Kyra ihn an. ,,Ist das ein Witz?! Ich kenne dich nicht!" ,,Vertraust du mir?", fragte Roiben und hielt Kyra eine Hand hin. Unsicher nickte Kyra schließlich und nahm Roiben´s Hand. Was hatte sie schon zu verlieren? ,,Bist du sicher?" Kyra nickte nur wieder. ,,Dir wird nichts passieren, ich verspreche es. Komm, ich werde dir was zeigen." Verwirrt sah Kyra Roiben an und das entging ihm nicht. Er kam näher an Kyra heran und strich ihr übers Haar. ,,Schließ einfach deine Augen..", flüsterte er ihr zu. Kyra schloss die Augen. Sie spürte kühlen Wind. Als sie nach einiger Zeit wieder festen Boden unter den Füßen hatte, öffnete sie blinzelnd die Augen. ,,Wo sind wir?" Roiben lächelte. ,,Du weißt wo wir sind.", sagte er leise und drehte Kyra um. Erstaunt riss sie die Augen auf. Vor ihr lag der See, an den sie früher immer gegangen war. Er lag mitten im Wald und niemand wusste von ihm. Bis auf sie - und Roiben. Doch Kyra war bis jetzt nie aufgefallen, wie schön der See war. ,,Wieso hast du mich hierher gebracht?", fragte Kyra. Roiben zog seine Lederjacke aus und legte sie auf den Stein hinter Kyra. ,,Setz dich." ,sagte er. Kyra setzte sich. Roiben setzte sich auf einen Stein neben ihr. Zuerst fragte Kyra sich, wieso er wollte, dass sie sich auf die Jacke setzte, doch dann sah sie wie nass und schmutzig der Stein war. ,,Macht es dir nichts aus, dass deine Jacke schmutzig wird?", fragte Kyra und versuchte, Roiben vergeblich zu verstehen. Leise lachend schüttelte er den Kopf. ,,Nein, nicht wirklich." ,,Aber du sollst nicht wegen mir frieren." Ernst blickte Roiben auf den See. ,,Ich friere nicht.", murmelte er eher für sich selbst. ,,Nein, ich friere nicht." Kyra wurde noch verwirrter. ,,Also wieso sind wir hier?", fragte sie um schnell das Thema zu wechseln. ,,Ich dachte mir.. Naja." Roiben wusste nicht, was er sagen sollte. Er stand auf und ging vor Kyra in die Hocke. Sie sah in seine dunklen Augen und bemerkte seinen sanften Blick. ,,Ich habe dich aus der Dunkelheit befreit, raus aus deinem schrecklichen Leben. Bitte", er kam noch näher an sie heran, und hielt ihr eine Hand an die Wange. ,,Bitte stell keine Fragen, Kyra." Seine Stimme war wieder nur ein Flüstern. Langsam nickte Kyra und sah ihn wieder an. Roiben ließ Kyra los und richtete sich auf. ,,Ich kann nicht fassen, dass ich einem Fremden vertraue.", murmelte Kyra und Roiben fuhr herum. Er zog Kyra auf die Füße, nahm sie auf die Schultern und sprang mit ihr über den See. Als er Kyra wieder absetzte, sah ihn diese erschrocken an. ,,Wie hast du das gemacht?!", rief sie überrascht. ,,Sht!", machte Roiben. ,,Hörst du das nicht? Deine Eltern haben die Polizei informiert. Alle suchen nach dir!" ,,Was?! Ich bin doch noch gar nicht lange weg!" Schnell rannte Roiben voran, ohne dabei Kyras Hand loszulassen. ,,Hey, nicht so schnell!", beschwerte Kyra sich, doch Roiben achtete nicht darauf. ,,Ich.. ich kann nicht mehr!", keuchte Kyra. Roiben ließ ihre Hand los, drehte sich zu ihr um und nahm sie auf die Arme. Er raste mit ihr durch den Wald. Es wurde dunkel. Der Mond ging auf. Das helle Licht des Vollmondes verschwand jedoch hinter den dichten Baumkronen. Und das war auch besser so, denn nun konnte man die Lichter der Taschenlampen sehen, die die Suchtrupps der Polizei dabei hatten. Ruckartig blieb Roiben stehen. ,,Das darf nicht wahr sein...", flüsterte er und setzte Kyra ab. Langsam lief er rückwärts, doch die beiden waren umzingelt. Hektisch sah er sich um, doch es gab keinen Ausweg. Er sah hinauf zum Vollmond, und ehe Kyra sich versah, war Roiben auch schon verschwunden. Kyra´s Müdigkeit von heute Morgen in der Schule war verschwunden. Sie fühlte sich seit langem wieder ausgeschlafen. Sofort stürmten Kyra ihre Eltern entgegen und fielen ihr um den Hals. ,,Oh, Kyra! Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht! Wo warst du?" , fragte Leah. Kyra drückte ihre Eltern von sich. ,,Im Wald, das seht ihr doch, oder?!" Erschrocken durch die Zurückweißung der eigenen Tochter sagte Leah: ,,Kyra, wir sinds doch, deine Eltern." Kyra verdrehte die Augen. ,,Ich bin aber gerade nicht gut auf euch zu sprechen, Mom." Kyras Mutter sah sich um. Die Suchtrupps hatten sich aufgelöst und nur noch wenige Leute leuchteten suchend in der Luft umher. Sie suchen Roiben, dachte Kyra. Werden sie ihn töten? Ängstlich sah nun auch Kyra nach oben. Jemand der Leute schien ihn entdeckt zu haben. ,,Nein!", rief Kyra. Erschrockene Blicke kamen ihr entgegen. ,,Ihr dürft ihm nichts tun! Er hat mir nur versucht zu helfen! Bitte." Seufzend und murmelnd verzogen sich auch die restlichen Leute. ,,Wem nichts tun?", fragte Leah. ,,Das geht dich überhaupt nichts an! Und jetzt lasst mich in Ruhe!" Wütend rannte Kyra tiefer in den Wald. Als sie endlich ihre Ruhe hatte, suchte sie nach Roiben. Doch sie hatte kein Glück. Würde er jetzt für immer verschwunden sein? Würde er nie wieder kommen? Kyra drehte sich wieder um. Überglücklich sah sie in Roibens dunkle Augen. ,,Roiben!" ,,Wieso hast du mich vorhin verteidigt?", fragte er mit seiner dunklen Stimme und senkte den Blick. Verwirrt von Roibens Reaktion senkte auch Kyra den Blick. ,,Ich weiß nicht." ,,Ich meine, ich bin feige abgehauen und habe dich im Stich gelassen und du.... verteidigst mich.... Wieso?" ,,Du hast mir auch geholfen." Gerührt sah Roiben Kyra an. ,,Du weißt ja gar nicht..." Er machte einen Schritt auf Kyra zu, doch dann wich er zurück. ,,Ich kann das nicht!", sagte er und kehrte Kyra den Rücken zu. ,,Ich kann es nicht!" ,,Was kannst du nicht?", fragte Kyra. Doch sie bekam keine Antwort. Ein kalter Wind kam auf und Kyra begann zu frieren, denn sie hatte nur eine dünne Weste an. Roiben fuhr zu ihr herum. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke, dann verschwand Roiben erneut. Doch diesmal kam er schneller zurück. Er hielt seine Jacke hoch. ,,Ich will nicht, dass du meinetwegen frierst", sagte er und lächelte. ,,Ich friere nicht.", sagte Kyra. ,,Okay, dann nicht.", sagte Roiben und lief an ihr vorbei. ,,Ach gib her.", sagte Kyra und riss ihm zitternd vor Kälte die Jacke aus den Händen. Rasch zog sie sie an, doch von der Jacke wurde ihr auch nicht viel wärmer. ,,Das wollte ich hören.", murmelte Roiben lächelnd. Komm, ich bringe dich ins warme.", Roiben nahm Kyra von hinten in die Arme. ,,Du musst mir einfach nur vertrauen." ,,Du weißt, dass ich dir vertraue.", sagte sie und legte den Kopf müde zur Seite. Roiben wich zurück. Nein, dachte er. Ich mag sie zu sehr! ,,Nein, nein, Nein!", rief Roiben. Er wollte gerade wegrennen, da hielt Kyra in fest. ,,Renn nicht schon wieder weg! Roiben, du verwirrst mich. Was ist mit dir los? Liegt es an mir?" Natürlich lag es an ihr, dass wusste Kyra auch, aber sie wollte wissen, was er für ein Problem mit ihr hatte. Er war es doch gewesen, der zu ihr gekommen war. ,,Hab ich was falsch gemacht?" Roiben schüttelte den Kopf. ,,Nein, ich will dir nur nicht weh tun. Ich weiss, ich bin ja eigentlich gekommen, um dir zu helfen, doch ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann." ,,Mir wehtun?" ,,Ich muss jetzt wirklich gehen, Kyra." ,,Warte!", rief Kyra. Sie zog Roibens Jacke aus und hielt sie ihm hin. ,,Nimm die mit!" ,,Wann hab ich gesagt, dass ich nicht wiederkomme? Ich werde alles versuchen, um dir zu helfen.", sagte Roiben und ging. ,,Aber..." Kyra hängte sich die Jacke um die Schultern und kuschelte sich hinein. ,,Ich friere immer noch." Seufzend zog Kyra die Jacke richtig an und lief nach Hause. Zu hause angekommen, drehte Kyra ihren Schlüssel im Schloss, da ging die Tür auf. Von oben kam lautes Gebrüll und wenn sie sich nicht täuschte, hörte Kyra auch Roiben´s Stimme. Schnell rannte sie die Treppen hoch und sah, dass die Wohnungstür halb offen stand. Leise öffnete Kyra die Wohnungstür und schlich den Stimmen hinterher. Im Wohnzimmer saßen ihre Eltern zusammen mit Roiben auf dem Sofa und stritten mit ihm. ,,Sie erlauben sich wirklich hierher zu kommen?", schrie Chad und stand auf. ,,Ich erlaube mir dass, was ich kann!", entgegnete Roiben hart und stand ebenfalls auf. Sie waren so in ihren Streit versunken, dass sie Kyra gar nicht bemerkten. Leah versuchte die beiden Männer zu beruhigen. ,,Hey, hey. Wir wollen ruhig miteinander reden. Also, wieso sind .. Darf ich Roiben zu ihnen sagen?" Roiben nickte freundlich,setzte sich wieder und warf Chad einen wütenden Blick zu. ,,Okay.. Roiben. Wieso bist du hier?" ,,Ich bin wegen Kyra hier." Er sah zur Tür und lächelte. Kyra zog den Kopf ein. Sie konnte spüren, wie sie rot anlief. ,,Denkst du wirklich, nach all dem was passiert ist, lassen wir dich noch zu ihr?!", mischte Chad sich ein. ,,Pass auf was du sagst!", drohte Roiben und stand wieder auf. ,,Ich habe ihr nichts getan! Und Chad, ich schwöre dir, wenn..." ,,Roiben.", mischte Kyra sich kopfschüttelnd ein. ,,Er ist zu stur. Den kannst du nicht zum Schweigen bringen." Chad tat überrascht. ,,Wa... wie bitte?! Ich soll sturr sein? Ich.." Während er wütend vor sich hin schrie, liefen Kyra und Roiben nach draußen. ,,Siehst du? Stur." Der Wind hatte etwas nachgelassen. Es war immer noch mitten in der Nacht. ,,Ich weiß nicht, wie du mir helfen willst, Roiben. Gegen Chad kommst du nicht an.", sagte Kyra plötzlich. ,,Doch, das tue ich. Wenn ich es will, komme ich gegen ihn an." Kyra schüttelte den Kopf. Sie konnte sich Roibens Wesen einfach nicht erklären. ,,Ich komme gegen alle an, wenn ich es will." Seine seltsame und doch angeberische Art begann Kyra auf die Nerven zu gehen. Doch sie sagte lieber nichts, denn Roibens Art hatte einen Grund... Und diesen Grund wollte Kyra herausfinden. Denn vielleicht war es ja kein Angeben, vielleicht... ,,Kyra!" Roiben zog sie am Arm zurück. Kyra schüttelte verwirrt den Kopf. Vor ihr war eine Schlucht. Hätte Roiben sie nicht zurückgezogen, wäre sie hinuntergefallen. ,,Warum willst du einfach die Klippe runter laufen?" ,,Keine Ahnung." ,,Denk nicht so viel nach, Kyra.", sagte Roiben und legte Kyra einen Arm um die Taille. ,,Sonst verlier´ ich dich auch noch." Auch noch? ,,Was meinst du mit auch noch?" Ruckartig blieb Roiben stehen. ,,Ich.. Lauf einfach nicht die Klippe hinunter." Kyra wollte Fragen stellen, doch sie traute sich nicht. ,,Ich verspreche dir jetzt etwas.", sagte Roiben. ,,Ich werde dir um jeden Preis helfen. Aber ich muss nach Hause. Ich bin schon seit Tagen nicht mehr dort gewesen." Roiben ging, doch diesmal würde Kyra ihn nicht gehen lassen. ,,Hey!", rief sie ihm hinterher. ,,Wieso lässt du mich immer allein hier stehen?" Roiben schenkte ihr ein Lächeln, doch ehe Kyra sich versah war Roiben jedoch wieder verschwunden. ,,Es ist besser so, Kyra." Diese vertraute Stimme... Kyra fuhr herum. ,,Mejashi?! Was machst du hier?" ,,Dir die Wahrheit sagen. Roiben ist nicht so toll, wie er sich ausgibt. Er will dich doch nicht retten, er will dich töten! Er befreit dich nicht aus der Dunkelheit, sondern hat vor, dich dort für immer hin zu bringen!" ,,Ach, und du bist perfekt, hm?" Aus der Dunkelheit löste sich eine Gestalt. Es war wieder Roiben. Mejashi fuhr zu ihm herum. ,,Was erlaubst Du dir eigentlich?! Gerade du! Du hast sie doch erst so traurig gemacht! Du verstehst sie nicht! Sie..." Erstaunt darüber, dass er sie so gut verstand, sah Kyra Roiben an. ,,Du verstehst gar nichts von Mädchen! Also halte dich von ihr Fern, Mejashi!" ,,Ich verstehe nichts von Mädchen? Seit wann lügt man Mädchen an und hat Geheimnisse vor ihnen?! Und außerdem, wieso habe ICH sie traurig gemacht?!" Roiben verstummte. ,,Selbst wenn du Recht hast", verteidigte Kyra ihn. ,,und er Geheimnisse hat; heißt dass noch lange nicht, dass du besser bist wie er! Jeder hat Geheimnisse! Ich bezweifle, dass du mir alles anvertrauen würdest!" ,,Nein, das würde ich nicht, aber bei mir ist das auch etwas anderes als bei Roiben. Ich habe jemandem versprochen, dir nichts zu verraten. Und zwar jemandem, der mir wirklich etwas bedeutet. Und du Roiben hast Geheimnisse vor ihr weil du Kyra liebst, oder?" ,,Soll dass heißen dass Roiben mich liebt? Woher willst du das wissen, Mejashi?" Roiben schwieg weiter, und es wurde schnell klar, wieso. Er hatte Angst, irgendetwas zuzugeben bzw. zu verraten. Und Geheimnisse zu haben war in Ordnung, deshalb verteidigte Kyra Roiben weiterhin. ,,Mejashi, du solltest jetzt gehen.", sagte Roiben und drehte sich mit Kyra um und ging. ,,Ihr könnt jetzt nicht gehen!", rief Mejashi. Kochend vor Wut fuhr Roiben zu ihm herum. ,,Pass auf, wenn du uns jetzt nicht in Frieden lässt, dann..." ,,Roiben", flüsterte Kyra ihm zu. ,,Er ist es gar nicht Wert. Lass uns gehen." Roiben nickte. ,,Ich war es noch nie Wert, Kyra! Ich schätze, du wirst mich auch nicht vermissen, wenn ich..." Kyra fuhr zu ihm herum, doch er war verschwunden. ,,Ich werde ihn so vermissen.", scherzte Roiben. ,,Was? Du weißt, von was er sprach?" Roiben atmete tief durch. ,,Es tut mir Leid. Ich muss wirklich nach Hause." Roiben verschwand im Wald. ,,Hey, das war doch nicht böse gemeint! Ich wollte dich doch nicht wegjagen...", rief Kyra ihm hinterher, doch es brachte nichts. Kyra sank auf die Knie und lehnte sich an einen Baum. ,,Lass mich hier nicht allein."
,,Wer lässt dich allein? Alle? Genau wie mich!" Kyra stand auf und wirbelte herum. ,,Wer ist da?", rief sie, doch niemand war zu sehen. ,,Als ich Hilfe benötigt hatte, war niemand da, alle ließen mich allein." ,,Wer ist da?!" Kyra sprang auf. Leises Rascheln umgab sie. ,,Hast du mir geholfen, Kyra?" Kyra kannte diese Stimme. ,,Mike...", murmelte sie dann. Er trat vor sie. ,,Du hast bemerkt, dass ich verschwunden bin.", warf er ihr vor. ,,Wieso hast du nichts getan?! Du hättest die Polizei rufen können! Und jetzt beschwerst du dich, weil du leidest, denn niemand ist bei dir." Bei dem schwachen Licht konnte Kyra nicht viel erkennen, doch erkannte sie die dunklen Schatten unter Mike´s kristallblauen Augen. ,,Mike, du verstehst nicht ganz. Ich dachte, du wärst einfach gegangen." ,,Denkst du ich hatte keine Angst?! Und außerdem bin ich nicht freiwillig gegangen!", schrie Mike dann jedoch verärgert und drückte Kyra hart gegen einen Baum. ,,Ich wurde angegriffen, Kyra! Du hast mir nicht geholfen!" Mike´s Augen wurden Rot und Kyra wandte das Gesicht ab. ,,Aber du lebst.", murmelte Kyra, in der Hoffnung, dass könnte Mike ein wenig beruhigen, doch das Gegenteil geschah. Er wurde nur noch wütender. ,,Der Schein trügt, Kyra! Ich lebe nicht!" ,,Wieso stehst du dann vor mir?" ,,Weil ich ein Vampir bin." Kyra war nicht überrascht, doch sie hatte Angst. Geschickt entkam sie Mike´s Griff und stellte sich einige Meter entfernt von ihm. ,,Wer hat dich verwandelt?!" Diese Frage blieb unbeantwortet. Mike sah Kyra nur seltsam an. ,,Wer Hat Dich Verwandelt?" ,,Ich werde gar nichts sagen. Ich bin nicht hier zum reden." Das war nicht die Antwort auf Kyras Frage. Und das machte Kyra schließlich wütend. Sie hatte schon oft Fragen gestellt- die sie nie beantwortet bekam. ,,Das ist mir egal." Wut überspielte Angst. ,,Ich will eine Antwort von dir." Und die Angst verließ Kyra sofort. ,,Und wenn ich dafür sterben muss." ,,Deswegen bin ich hier. Dich wird niemand hören. " ,,Wir sind im Wald! ALLE werden mich hören." ,,Und sein wie du. Sie werden Angst haben und weglaufen. Und dein lieber Roiben wird auch nicht zurückkommen. Er muss ja nach Hause- ich bin überrascht, dass er dir keine Lüge aufgetischt hat. Wie auch immer. Er kommt und geht. Wann er will. Und nicht für dich, meine Liebe Kyra." Mike kehrte ihr den Rücken zu. ,,Ich wollte nicht so werden. Ich wollte das hier NIE! Ich habe nicht einmal daran gedacht!", sagte Mike ohne sich umzudrehen. Leise ging Kyra die ersten paar Schritte zurück. Erstmals unbemerkt. ,,Ich wurde nicht gefragt. Und du jetzt auch nicht." Als Kyra den nächsten Schritt setzte, fuhr Mike herum und war sofort bei ihr. Er packte sie an den Schultern und sagte: ,,So schnell kommst du einem Vampir nicht davon." Es war keine Lüge, Mike biss zu,also war er wirklich ein Vampir. Kyra schrie, doch Mike hatte recht; niemand hörte sie. Und Roiben kam nicht.
Es vergingen Sekunden, Minuten. Kyra wollte sich des öfteren losreißen, doch Mike war zu stark. ,,Mike, ich..." Bevor sie weiteres sagen konnte, hörte sie schon Roibens Stimme. ,,Ich würde loslassen.", warnte er Mike. ,,Ich bin älter als du. STÄRKER als du." Lachend ließ Mike los. Mit blutverschmiertem Mund drehte er sich zu Roiben um, der unmenschlich schnell zu der plötzlich umkippenden Kyra stürmte. Mike sah ihn ungläubig an. ,,Also bitte!", sagte er dann und leckte sich über die Lippen. ,,Erst kommst du nicht und dann spielst du den großen Helden, der auftaucht, wenn sie bereits gebissen wurde?!" Roiben schüttelte enttäuscht den Kopf. ,,Was hat Mejashi da nur wieder fabriziert... Mike, ich warne dich. Tötest du noch einen Menschen hier werde ich nicht zögern dich eigenhändig in Stücke zu reißen." Roiben nahm Kyra hoch und trug sie auf Händen nach Hause.
Die Tür zum Treppenhaus stand offen, wie eigentlich immer. Jeder Schritt, den Roiben auf den veralteten Marmortreppen tat, schallte mehrmals wider. Er sah in Kyras Gesicht. Es war total schmutzig und verkratzt von kleinen Baumästen, die sie sich wegen Mike zugezogen haben musste. Doch sein eigenes Gesicht sah auch nicht sehr anders aus. Sein Blick wanderte von ihrem Gesicht hinab zu ihrem Hals und an das Blut, das ihm inzwischen die Hände verfärbt hatte. Roiben blieb stehen. Er konnte die Augen nicht von Kyras Blut abwenden. Er begann, Mike zu beneiden. Roiben blinzelte. Er lief weiter, schneller, und erreichte schon bald die Haustür von Kyras Eltern. Er klopfte nicht, sondern trat die Tür auf. Sofort stürmten aus dem Wohnzimmer Kyra´s Eltern. Sie sahen Roiben beide verwirrt an und sahen dann Kyra in seinen Armen. Roiben setzte sie ab, übergab sie Kyras Vater, der sie in ihr Zimmer trug und brach zusammen.
Er war nicht unsterblich.
Nicht er.
Kyra schlug die Augen auf und drückte mit ihrer Hand das weiche Federkissen. ,,Mein Bett", formte sie lautlos mit ihren Lippen. Verwirrt setzte sie sich auf. Das letzte, an dass sie sich erinnern konnte, war an Mike und... Ihre Finger fuhren über die Wunde an ihrem Hals.
An Mike, und seinen Angriff. Kyra sprang auf. Ihr ganzes Kissen war voller Blut. Sie stürmte zum Badezimmer. Als sie die Tür aufschlug, erschrak sie. ,,Verdammt, Dad!", beschwerte sie sich dann. Ihr Vater hatte die Zahnbürste in der Hand, die er nun abspülte, sich den Mund auswusch, und sich dann zu seiner Tochter Kyra umwandt. ,,Besetzt.", sagte er dann mit glänzenden Augen. Des öfteren war dem so, doch darum ging es Kyra im Moment nicht. ,, Wo ist Roiben?", fragte sie. Ihr Vater senkte den Blick. ,,Kyra", begann er schließlich mitfühlend. ,,Er ist zusammengebrochen. Er trug dich her und dann... Er schaffte es gerade noch, dich mir in die Arme zu legen. Er war schwach. Sehr schwach." Kyra befürchtete Schlimmes. ,,Und wo ist er jetzt?", fragte sie mit zögernder Stimme. Ihr Vater gab ihr als Antwort nur ein kurzes Schulterzucken. ,,Wir haben ihn auf das Sofa im Wohnraum gelegt, und gewartet, bis er aufwacht. Und als er nach Stunden dann endlich aufgewacht war, ist er aus dem Haus gestürmt, und sagte nur, wir müssen besser auf dich aufpassen. Dann sagte er noch, dass es ihm Leid täte, aber dass er sein Versprechen halten würde." Kyra stiegen Tränen in die Augen, doch das sollte ihr Vater nicht sehen, also kehrte sie ihm den Rücken zu. Ihr Blick fiel auf die geschlossene Wohnungstür. ,,Hat er denn nichts weiter gesagt?", fragte Kyra mit leiser Stimme. ,,Nein.", antwortete Kyras Dad, der nun an ihr vorbei zur Küche lief. Kyra tat es ihm gleich und lief ebenfalls zur Küche. ,,Übrigens haben sich die Leute der Kunstagentur wieder gemeldet." Kyra lief zum Kühlschrank und zog dessen schwere, mit schwarzem Plastik überzogene Tür auf. Kyra seufzte. ,,Ich werde dieser Agentur keine Beachtung mehr schenken.", sagte sie und nahm einen Joguhrtbecher aus dem Kühlschrank. ,,Aber Kyra..!" Wütend schlug Kyra den Kühlschrank zu, dass die Gläser im Schrank über dem Gerät bebten. ,,Ich scheiss auf diesen Mist!", schrie Kyra, warf den Joguhrt aus der Hand und verließ wütend das Haus. Roiben musste noch hier sein. Irgendwo da draußen im Dickicht der Bäume. Kyra würde ihn nicht einfach so aufgeben. Auch wenn er einfach so die Hoffnung aufgab. Sie lief zum See zurück, an dem sie damals mit Roiben war. Die guten Zeiten kamen und gingen. Kyra war kurz davor, zu weinen und hätte beinahe nicht die Gestalt vernommen, die nun von hinten vor sie trat. ,,Wieso gehst du immer weg?", warf Kyra Roiben vor, als sie ihn erkannte. ,,Es tut mir Leid!", sagte er rasch und nahm Kyra in die Arme. Sie erwiderte seine Umarmung mit Tränen in den hellen Augen. ,,Du gehst immer. Du sagtest mal du willst mir nur helfen. Und ich muss dir dazu nur vertrauen. Ich vertraue dir. Aber wie soll ich das, wenn du immer gehst? Du lässt mich immer einfach so plötzlich alleine stehen und sagst, ich muss dir nur vertrauen. Ich vertraue dir. Auch wenn du ein Vampir bist tue ich es. Das weisst du." Sie konnte spüren, wie Roiben kurz an ihrer Schulter nickte, bevor er die Umarmung wieder auflöste. ,,Ich weiss, Kyra", gestand er sich dann selbst. ,,Ich weiss, dass ich immer verschwinde und dass man mir absolut nicht vertrauen kann. Aber ich habe einfach Angst, dir könnte etwas passieren. Und du scheinst also mitbekommen zu haben, dass ich ebenfalls ein Vampir bin." ,,Ja. Und außerdem: Gestern ist mir etwas passiert, als du nicht da warst. Und nicht, ALS du da warst." ,,Das heißt, du hast Angst und willst von mir beschützt werden?" Kyra schüttelte den Kopf. ,,Nein, ich will nicht von dir beschützt werden! Das soll nur heißen, dass mir auch etwas passiert, wenn du nicht da bist." ,,Wieso lässt du mich dann nicht gehen?" Kyra schwieg für einige Sekunden, dann murmelte sie leise: ,,Vielleicht hast du Recht. Ich werde dich einfach gehen lassen. Tut.. mir Leid wenn ich dich aufgehalten habe. Es ist ja schließlich deine Entscheidung." Roiben nickte. ,,Aber mein Versprechen halte ich.", sagte er, doch Kyra drehte sich um und ging. Sie sah nicht zurück. Und er rief sie nicht zurück. Roiben hielt sie nicht auf und ließ Kyra gehen. Doch vielleicht war es wirklich besser so. Die Welt würde deshalb nicht untergehen. Es war sicherer so. Auch ohne Roiben.
Die Tür fiel hinter Kyra nicht gerade lautlos ins schloss, als sie in später Nacht nach Hause kam. Sie hatte Roiben gehen lassen, als hell die Sonne schien, doch nun schien der Mond. Voll und klar vom Himmel herab. Aus der Küche kamen Kyras Mutter und Kyras Vater. ,,Wo bist du nur immer?", beschwerte sich ihre Mutter voller Sorge und lief auf Kyra zu, um sie in die Arme zu nehmen. ,,Ist es jetzt unser Schicksal, uns immer Sorgen um dich zu machen, Kyra?" ,,Er wird deinetwegen nicht zurückkehren", versuchte ihr Vater Chad ihr dann von hinten plötzlich klar zu machen und fuhr sich durch das braune Haar, dass schon zu grau zu wechseln begann. ,,Das willst du jetzt nicht hören..." Kyra unterbrach ihren Vater. ,,Ja. Ja,ich weiss, dass er meinetwegen nicht mehr zurückkehren wird. Aber ich bin jetzt Abends immer so lange weg. Macht euch also bitte keine Sorgen. Ich werde schon nicht entführt werden." Doch Chad schüttelte ablehnend den Kopf. ,,Nein, wir werden geregelte Zeiten ausmachen, wann du nach Hause zu kommen hast. Dann müssen wir uns wirklich keine Sorgen mehr machen." Nun war es Kyra, die den Vorschlag ihres Vaters kopfschüttelnd ablehnte.,,Ich werde nicht dann nach Hause kommen, wenn du es willst, Dad. Ich mache die Zeiten wann ich nach Hause komme und wann nicht selbst aus. Und jetzt will ich eigentlich nur noch Schlafen gehen." ,,Warte!", rief ihre Mutter jedoch, als Kyra gerade ihre Zimmertür geöffnet hatte. ,,Du warst jetzt die ganze Woche nicht in der Schule. Willst du den Stoff nicht nachholen?" ,,Nein, Mama.", antwortete Kyra genervt. ,,Das habe ich nicht nötig. Ich werde nichts von all dem nachholen, aber danke dass ihr mich habt Schwenzen lassen." ,,Du weisst, dass wir am Sonntagmorgen zu dem Kunsthotel fahren werden und dort bleiben, oder Kyra?" ,,Ja! Und ich weiss noch nicht so Recht, ob ich überhaupt mitkomme." Mit diesen Worten verschwand sie in ihrem Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Sie warf sich auf ihr Bett, dachte nach.. Und schon bald darauf fielen Kyra die Augen zu.
Es ist dunkel. Kalte Blicke verfolgen mich. Sie sind verächtlich. Fast schon angewidert. Ich sehe mich um. Die Menschen empfinden Hass, Ekel und Angst.
Angst... Wieso Angst? Hatte ich ihnen etwas getan? Ich wollte Fragen stellen; stellte sie. Niemand antwortete mir. Sie verschwanden alle in ihren Häusern. Sie hatten Angst. Sie versteckten sich. Auf der Straße stand ein kleines Kind. Es hatte eisblaue Augen und war nicht älter als 3. ,,Was habe ich getan?", wollte ich von dem kleinen wissen, als wäre er schon 16. Es war ein Junge mit dunklen Locken, wie Mejashi sie hatte. Er sah mich an. In der rechten Hand hielt er einen Spiegel und in der linken eine Rose. Er gab mir den Spiegel. ,, Sieh´ hinein.", sagte er und in seiner Stimme lag keine Spur von Angst. Ich sah in den Spiegel. Rote Augen. KALTE Augen. Seelenlos. Verloren. Erschrockene Augen. Erschrocken über den eigenen Anblick. ,,Du hast meinen Bruder getötet.", sagte der kleine, hob den Arm mit der Rose und ließ die Rose fallen. Ich sah ihr nach. Sie fiel zwischen viele weitere Rosen, Kerzenlichter und andere Blumen. Darüber hing ein Bild von einem kleinen, 2-Jährigen Jungen. Und auf einem Stück Pappe stand: Warum? Du bleibst für immer, auch wenn man uns dich nahm...
Kyra fuhr hoch. Was war das denn für ein bescheuerter Traum?! Und wieso hatte sie ihn geträumt? Um sich abzulenken stand Kyra von ihrem Bett auf, zog sich um und schaltete die Musik an. Im Radio liefen Momentan Schlager. Kyra seufzte. Sie verstand den Sinn dieses Traums nicht. Sie war eine Mörderin darin, die ein kleines Kind getötet hatte. Und für welchen Zweck? Und dann diese Augen... Kyra hatte sie schon mal gesehen. Ein einziges Mal. Bei Mike. Bei dem Angriff im Wald. Zuerst schimmerten sie kristallblau, doch dann... Nein. Damit konnte Kyras Traum unmöglich zusammenhängen. Das würde ja bedeuten, dass Kyra ein Vampir wäre, oder sein wolle-oder wird. Ihr wurde doch jetzt leider erst zu spät klar, dass sie Roiben niemals gehen lassen gedurft hätte. Sofort bereute Kyra ihre Entscheidung, rannte zum Kleiderschrank, zog sich um und wusste nicht, wie es jetzt weitergehen sollte. Roiben war weg, und er war der einzige, der Kyra diesen Traum hätte erklären können. Und nun standen Rätsel offen, die Kyra nicht lösen konnte. Es standen Fragen offen, die Kyra sich nicht zu beantworten wusste. Und die einzige Lösung, die sie jetzt noch sah, war zu Mike zu gehen, und ihn zu fragen, ob er sie verwandeln würde. Plötzlich klopfte es an Kyras Zimmertür. ,,Hey, Kyra", vernahm Kyra die Stimme ihres Vaters, die fast schon unhörbar zu ihr durchdrang. Kyra schaltete die Musik ab, und wartete darauf, dass ihr Vater weitersprach. ,,Möchtest du nicht herauskommen und mit uns Frühstücken? Du hattest nun schwierige Tage hinter dir, ich meine, du wurdest von einem Tier angegriffen und dann war da ja auch noch die ganze Sache mit diesem Roiben.." Sofort rannte Kyra zur Tür und riss sie auf. ,,Von was angegriffen?", fragte sie dann. ,,Na, von einem Tier. Es hat dir in den Hals gebissen und hätte dich zerfleischt, wenn Roiben nicht aufgetaucht wäre.", antwortete Chad seiner Tochter und sah diese schon fast ein wenig verwundert mit seinen großen, braunen Augen an. ,,Wer hat dir und Mama das erzählt?", wollte Kyra wissen. ,, Roiben, kurz nach dem er wieder aufwachte." ,,Warum sagst du mir das nicht?!", warf Kyra ihrem Vater vor. ,,Du hast gesagt, er hätte sonst nichts mehr gesagt! Hat er irgendwas gesagt, wo er hingeht, nachdem er die Stadt verlässt?" Chad dachte kurz nach, dann nickte er. ,,Er sagte, er wolle zu seinem Bruder nach Kerzenheim. Das liegt irgendwo im Donnersbergkreis. Rheinland Pfalz, denke ich." ,,Rheinland Pfalz?!", rief Kyra erschrocken. ,,Wieso hast du mir dass nicht schon viel früher gesagt?" Chad zuckte mit den Schultern. ,,Ich hatte es eben vergessen und Roiben sagte, du brauchst es nicht zu wissen, da es sowieso zu weit weg für dich wäre. Ich fragte ihn, ob er dort wirklich hinreisen wolle, er sagte nur Ja und dass wir ihm nicht folgen sollen. Er gab mir fast schon den ´Befehl`dich von Kerzenheim fernzuhalten. Ich sagte ihm, dass du da so oder so nicht hinkommen würdest und er dankte mir. Sehr freundlich. So hatte ich ihn eigentlich nicht kennengelernt. Ich dachte, er sei einer von diesen Arschlöchern, der die Mädels nur verarscht und sie dann einfach zurücklässt... Oh." Chad presste schweigend die Lippen aufeinander, drehte sich stumm um und verließ das Zimmer. Kyra folgte ihm. ,,Wieso bist du jetzt weggelaufen?", fragte Kyra als ihr Dad sich im Wohnzimmer auf das Sofa niederließ. ,,Weil es genau diese Art von Typ war!", sagte Chad und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. ,,Das war ein schlechter Vergleich." Kyra lief nun die Wohnzimmertür hinein und setzte sich auf den Fernsehsessel ihres Vaters. ,,Ich hoffe insgeheim immer, dass er zurückkommt, Dad.", murmelte sie und senkte den Blick. ,,Ich habe ihn geliebt." ,,Aber wenn er geht, heisst das, dass er dich nicht geliebt hat." Kyra schüttelte den Kopf. ,,Das is nicht der Grund, weshalb er ging.", sagte sie. ,,Er hatte andere Gründe. Die kann ich dir nicht sagen." ,,Warum nicht?", fragte Chad und stand auf. Er schaltete den Fernseher ein. ,,Dad!" Kyra fand es unhöflich, und sie kannte ihren Dad. Wenn er den Fernseher einschaltete, bedeutete dass immer, dass er nach wenigen Sekunden, in denen der Fernseher lief, dem Gespräch nicht mehr folgen würde, dass er mit seiner Frau, Tochter, oder sonst jemandem hielt. Kyra stand auf und verließ das Wohnzimmer wieder kopfschüttelnd. Es waren Ferien. Kyra hatte keine Lust auf das Kunsthotel. Was sollte das überhaupt sein? Und was war eigentlich mit Kerzenheim? Das lag doch im Donnersbergkreis... In Rheinland Pfalz. Wieso sollte Chad sie von dort fernhalten? Kyra entschloss sich, dort heute hinzufahren. Wie war ihr egal, hauptsache, sie kam dort an.
Sie fuhr mit dem Auto, mit dem Bus und schließlich mit der Bahn. Es vergingen Minuten-Stunden. Es war wieder ein kalter Tag. Kyra hatte keine Lust mehr auf dieses kalte Wetter. Zitternd zog sie den Reißverschluss ihres Wintermantels weiter zu und atmete aus. Ihr Atem bildete eine kleine Wolke. Kyras Blick wanderte nach rechts, dann nach links, bevor sie über die Straße ging. Vor ihr lag nun Kerzenheim. Weite Wege hatten sie hier her gebracht. Doch nun stand Kyra da mit ihrer zugezogenen Winterjacke und wusste nicht, wo Roiben war, wo er wohnte-lebte. Ihr Besuch kam nicht angekündigt und Roiben wollte sie auch von hier fernhalten, doch nun war dies unvermeidlich. Kyra atmete tief durch und lief einfach die Straße entlang, bis sie zu einem Kindergarten kam. Sie bezweifelte sehr, dass jemand Roiben kennen würde, da dieser nicht jene Art von Person war, die in der Stadt umherlief und sich jedem vorstellte. Jedoch würden die Leute Roibens Bruder kennen, von dem Kyra nicht mal den Namen kannte. Weder Vor- noch Nachname waren ihr bekannt. Sie seufzte und sah auf die letzten paar Autos, die den Parkplatz vor dem Kindergarten verließen. Der Himmel verdüsterte sich und es begann zu dämmern. Nun wusste Kyra nicht mehr wohin. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, nach Kerzenheim zu fahren. Jetzt gab es keinen Weg mehr zurück. Kyra musste wohl oder übel hier über Nacht bleiben. Doch wo sollte sie hin? Niemand kannte sie hier. Niemand wusste, dass sie sich hier aufhielt. Nicht mal ihrem Dad hatte Kyra bescheid gesagt. Wieso auch? Kyra lief über den Parkplatz zu einem Steil hinaufführenden Weg. Diesen lief sie hinauf, und sie kam an vielen Bäumen und Sträuchern vorbei. An jeder Seite befand sich ein Feld. Plötzlich hörte Kyra Schritte hinter sich. Sie fuhr herum. Ihr folgte jemand. Dieser jemand machte sich auch keinerlei Mühe, Kyra unauffällig zu folgen. Für einen kurzen Moment dachte Kyra, es sei Roiben, doch er war es nicht. Sie drehte sich wieder nach vorne und verschnellte ihre Schritte. Und die Schritte hinter ihr wurden ebenfalls schneller. War es ebenfalls ein Vampir, der ihr folgte? Wenn ja, könnte er sie vielleicht zu Roiben führen. Oder sie töten. Jedoch wäre ihr Verfolger ein Vampir, wäre dieser viel schneller. Verwirrt lief Kyra einfach weiter und kam bald an einem kleinen Waldstück an. Sie drehte sich ein letztes Mal um. Ihr folgte niemand mehr. Erleichtert atmete sie daraufhin aus und lief in den Wald hinein.
Es war dunkel. Der Wind rauschte langsam an Kyra vorbei. Es wurde noch kälter. Von sich selbst enttäuscht lief Kyra abseits der Waldwege zwischen alten, kranken Bäumen umher. Sie hatte so gut wie nichts versucht, um Roiben zu finden. Alles was sie getan hatte, war hierher zu fahren, und jetzt saßen ihre Eltern zu Hause und mussten sich Sorgen machen. Plötzlich blieb Kyra ruckartig stehen. Vor ihr erblickte sie eine Schlucht, die sie eben beinahe einfach heruntergelaufen wäre. Gedankenverloren sah sie die Schlucht hinunter. So tief... Kyra wurde müde. Sie setzte sich auf den kalten Boden, mit den Füßen in der Schlucht baumelnd. Es war ihr gleich, ob sie nun einschlafen würde, und herunterfallen würde, oder nicht. Schon bald lag Kyra und schloss die Augen müde.
Dunkelheit herrscht. Der Wald ist immer noch kalt. Und wenn ich die Schlucht hinuntersehe, denke ich an den Tod und an das, was passieren würde, wenn ich einfach nicht mehr wäre. Es wäre leichter. Ich müsste nicht mehr nach Hause fahren und nachdem ich Roiben nicht mehr habe, ist das alles kein Problem mehr.
Ich springe also und falle. Die Luft zieht eisig an mir vorbei und ich sehe den Wald, die Bäume... Und Roiben. Ich stehe wieder auf festem Boden und vor mir Roiben. ,,Ich bin immer da." Seine Stimme... Sein Blick.. Und seine Hand an meiner Wange,Ich bin immer da, wenn du schläfst. Ich werde dich beschützen. Ich wollte nie einfach verschwinden. Doch ich empfinde zu viel für dich. Ich kann nie ein Teil von dir sein, Kyra." Seine Worte ergeben für mich keinen Sinn. ,,Wieso kannst du nicht?", frage ich. ,,Du vermisst mich." ,,Wieso kannst du nicht?" Ich bleibe hartnäckig mit meiner Frage. ,,Suche mich nicht." Eine Antwort bekomme ich nicht. ,,Roiben?" Wir stehen wieder vor der Schlucht. Er schüttelt den Kopf. ,,Suche nicht nach mir. Ich halte mein Versprechen." Er geht einige Schritte zurück und verschwindet in der Schlucht.
,,Roiben!", schrie Kyra und fuhr hoch. Sie lag immer noch vor dieser Schlucht. Sonnenstrahlen drangen einigermaßen hell durch die dichten Baumkronen. Es war schon morgen. Kyra richtete sich auf und rieb sich den Kopf. Was war das für ein Traum? Ich vermisse ihn einfach, dachte Kyra sich und seufzte. Deshalb träume ich das. Ich kann kein Teil von dir sein. Wieso konnte sie diesen Satz nicht vergessen? Ein Teil von dir... Kyra stand auf. Sie klopfte sich ihre Klamotten ab, an denen einiges haften geblieben war. Kyra suchte in ihren Hosentaschen nach ihrem Handy; sie war sich nicht sicher, ob sie es mitgenommen hatte. Tatsächlich befand es sich in ihrer Hosentasche und sie hatte 23 unbeantwortete Anrufe. Alle von ihrer Mutter. Und sofort folgte der nächste Anruf. Kyra nahm ab. ,,Kyra wo bist du?", ertönte die Stimme ihrer Mutter vom anderen Ende der Leitung. ,,Mir geht es gut, Ma.", sagte Kyra und versuchte glaubwürdig zu klingen. ,,Wo bist du?" Ihre Mutter hatte ihr anscheinend wie so oft nicht zugehört. ,,Ich komme heute wieder!", versprach Kyra und legte auf. Weitere Zeitverschwendung konnte sie jetzt gar nicht gebrauchen. Sie musste Roiben finden. Sonst würde sie heute nicht nach Hause gehen. Sondern weitersuchen. Irgendwo musste es schließlich einen Anhaltspunkt geben, irgendjemand musste über Roiben bescheid wissen. Entschlossen trat Kyra den Rückweg durch den Wald an. Sie war schon fast aus dem Wald draussen, als sie dann plötzlich von jemandem am Arm gehalten ward. Sie wollte sich gerade umdrehen, da wurde sie auch schon in den Arm genommen. ,,Du solltest mir nicht folgen." Als Kyra die Stimme zuordnete, erwiderte sie die Umarmung. ,.Roiben.", murmelte sie leise. Dieser dachte gar nicht daran, Kyra loszulassen. ,,Ich wollte nicht, dass du nach Kerzenheim kommst.", sagte er. Kyra antwortete leise: ,,Wieso bist du gegangen?" ,,Ich mag dich zu sehr, Kyra." ,,Was soll das bedeuten?" Kyra löste sich aus der Umarmung und blickte Roiben fragend an. ,,Du kennst die ganzen Filme. Ich will dir nicht weh tun, Kyra." Kyra kehrte Roiben den Rücken zu. ,,Ich denke, dann werde ich mal gehen.", murmelte sie und ließ die Hände in ihren Jackentaschen verschwinden. Sie sah über ihre Schulter hinweg Roiben an. Dieser stand nur da und blickte zu Boden. ,,Naja. Bis.. irgewann mal." Mit diesen Worten verließ Kyra diesen Wald und bewegte sich wieder in Richtung Kindergartenparkplatz.
Der Weg war kein bisschen trockener geworden. Er war immer noch so nass wie am Tag davor auch. Der Wind blies eisig durch die Straßen. Es war Sonntag- wenn Kyra sich nicht täuschte. Und auf dem Parkplatz stand nur ein einziges Auto. Es war ein schwarzer Mercedes mit dunkel getönten Fensterscheiben. Kyra dachte sich, dass das Auto Roiben gehörte. Doch plötzlich öffnette sich die Beifahrertür und es stieg jemand aus, und es war nicht Roiben. Es war ein junger Mann, der nicht älter sein durfte, wie Roiben. Er wank Kyra zu sich herüber. Ohne nachzudenken lief Kyra zu ihm hin und verlor dabei nicht einen Gedanken an Roiben.
,,Kyra, richtig?", fragte der Typ, als Kyra vor ihm stand. Er lächelte Kyra verschlagen an, während Kyra nur erstmals stumm nickte. ,,Roiben hat doch von mir erzählt, oder? Ich bin sein Bruder." ,,Er hat mir nicht mal gesagt, dass er zu dir geht." Enttäuscht von seinem Bruder schüttelte er den Kopf. ,,Er sagte, du wüsstest es." Sie schüttelte den Kopf. ,,Ich wusste gar nichts. Er ist gegangen. Er sagte nur meinem Vater bescheid, welcher es nicht für nötig hielt, Mir bescheid zu sagen." ,,Willst du vielleicht mitfahren?" Kyra zuckte die Schultern. ,,Wohin denn?", fragte sie. Einladend hielt er die Beifahrertür für sie offen. Kyra stieg ein, während Roibens Bruder in nicht gerade menschlicher Geschwindigkeit um das Auto herum auf der Fahrerseite einstieg. ,,Hast du nicht Angst, dass das jemand sieht?", fragte Kyra und sah dem noch Fremden in die hellblauen Augen. Dieser blickte zurück und lachte dann. ,,Hm, du weisst bescheid. Okay. Wieso sollte ich?", fragte er dann und zog die Fahrertür zu. ,,Wer´s sieht, muss sterben." Lachend startete er den Wagen und verließ den Parkplatz.
,,Ich bin übrigens Stayren.", sagte er nach einer Weile und sah Kyra lächelnd an. ,,Konzentrier´ dich auf die Straße.", erwiderte diese daraufhin nur. Kopfschüttelnd blickte Stayren nach vorn. ,,Du bist auf der Beifahrerseite ausgestiegen", sprach Kyra wenige Sekunden später. ,,Kamst du mit Roiben?" Stayren nickte. ,,Ich sollte auf ihn warten. Aber ich werde doch nicht auf ihn warten, wenn du vorbei kommst." ,,Denkst du nicht, er wird dir etwas antun? Ich meine, du bist einfach ge.." Er unterbrach Kyra´s Vermutungen, was Roiben betraf und sagte kalt:,, Er interessiert sich nicht für dich, Kyra. Bilde dir nichts ein." Daraufhin wandte Kyra das Gesicht ab. ,,Ich weiß. Du hast.. Recht.", murmelte sie leise und senkte den Blick. Es wurde für einge Sekunden still, bis Kyra Stayrens Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie sah ihn an. ,,Tut mir Leid. Ich wollte dich nicht verletzen, doch seine alte Freundin starb, deshalb braucht er dich als Ersatz." Kyra schüttelte den Kopf. ,,Selbst wenn du Recht hast, da draussen gibt es tausende von Mädchen, also wieso ich?" ,,Ich merke schon, er hat dir gar nichts über sich erzählt." Kyra sah Stayren an. Dieser hatte hellbraunes, kurzes Haar, und eisblaue Augen. Er war total blass. ,,Wieso ist es immer so, dass Vampire denken, sie würden sich nicht beherrschen können?", fragte sie und sah rasch nach vorn. ,,Weil sie es nicht können.", antwortete Stayren ihr und fügte hinzu:,,Aber eigentlich hast du Recht. Manche übertreiben maßlos. So wie mein Bruder. Doch es ist einfach so, wenn du den guten Vampir spielen willst, dass du dich dann in jemanden verliebst, und sie unbedingt beschützen willst." Bevor Stayren weiterreden konnte, unterbrach Kyra: ,,Sie? Heißt dass, das das bei weiblichen Vampiren nicht vorkommt?" Stayren schüttelte den Kopf. ,,Ich habe so etwas zu mindest noch nie mitbekommen. Aber das liegt einfach in unserer Natur. Die bösen sehen jemanden, verlieben sich und spielen mit ihr, um am Ende eigentlich nur eins zu tun; das Blut derjenigen trinken. Also lass dich besser nie auf mich ein." ,,Du bist einer der bösen?" ,,Ja. Du brauchst aber keine Angst zu haben. Mir kann man noch entkommen." Kyra erblickte die Landschaft. Viel Grün, doch auf den Straßen kein anderes Auto und weit und breit keine Menschenseele. ,,Wo fahren wir hin?" ,,Nur ein wenig spazieren. Ich will Roiben provozieren." ,,Du sagtest doch, dass er sich nicht für mich interessiert." Stayren zuckte mit den Schultern und schaltete den Motor aus. Nun stand sein Wagen am Straßenrand. Kyra stieg aus und Stayren tat es ihr gleich. Heftig schlugen die beiden Autotüren hinter den beiden zu. Kyra sah sich um. ,,Hier wird dich wohl niemand schreien hören." Kyra erschrak, als sie plötzlich Stayrens Stimme direkt hinter sich vernahm. Sie fuhr zu ihm herum und wich einige Schritte zurück, woraufhin Stayren nur kurz zu lachen wusste. ,,Keine Angst", sagte er dann. ,,Ich will dir nichts tun. Vertraue mir." ,,Genauso wie ich Roiben immer vertrauen sollte?" Mit diesen Worten kehrte Kyra Stayren den Rücken zu und begann, die Straße, die sie eben entlang gefahren waren, wieder zurückzugehen, doch da stellte Stayren sich ihr erneut in den Weg. ,,Nur weil ich dir nichts tun will, heisst das nicht, dass du gehen darfst, sonst WERDE ich dir etwas tun." Kyra seufzte. ,,Ich gehe jetzt.", sagte sie dann. ,,Ich muss. Meine Eltern suchen mich." ,,Das hättest du dir vorher überlegen sollen." Kyra hatte Stayrens gemeine Seite bereits kennengelernt, doch nicht so. Er riss sie am Arm. ,,Du sollst nur bei mir bleiben, bis Roiben dich sucht!" Kyra verstand überhaupt nichts mehr. ,,Du bist ihm nicht egal! Ich weiss, dass er dich suchen kommen wird." ,,Wo gehen wir jetzt hin?" Stayren deutete den steilen Weg hinauf, direkt in ein dunkles Waldstück hinein. ,,Er ist doch zu dir gezogen.", bemerkte Kyra, als sie begannen, den Weg zu dem Waldgebiet hinauf zu gehen. ,,Wieso hasst du ihn so und weiss er das?" Stayren zuckte nur wieder mit seiner schon fast üblichen Art mit den Schultern. ,,Du denkst, ich hasse ihn?" Er lachte. ,,Schlaues Mädchen. Wie auch immer, Ich weiss nicht.", meinte er dann nur. ,,Ist mir auch eigentlich egal. Ich hasse ihn nur schon sehr lange. Ich glaube nicht, dass er das jemals bemerkt hat. Kann jedoch sehr gut möglich sein." ,,Gibt es dafür einen Grund?" Stayren nickte und winkte ab. ,,Aber das ist unwichtig. Geht zurück bis in unsere Kinderzeit. Musst du nicht verstehen." ,,Würde ich aber gerne.", erwiderte Kyra jedoch und wartete auf eine Antwort. ,,Die kurze Variante oder die lange?" ,,Werde ich die kurze verstehen?" Stayren überlegte kurz, schüttelte dann den Kopf. ,,Kommt darauf an, aber ich denke eher nicht." ,,Dann möchte ich die hören, die ich verstehen werde." ,,Du weisst ja hoffentlich, dass wir Vampire sind." Kyra verdrehte die Augen und sah Roibens Bruder dann nur ungläubig an. Dieser begann kurz leise zu lachen. ,,Sicher weisst du das.", murmelte er eher für sich selbst. ,,Nun zur eigentlichen Geschichte. Roiben wurde vor mir zum Vampir, und... es ist alles ganz anders als in den zahlreichen Filmen. Du... musst nicht gebissen werden, um verwandelt zu werden. Es gehört viel mehr dazu." ,,Das Blut eines Vampirs trinken?", fragte Kyra und sah Stayren missbilligend an. ,,Nein. Du musst dein eigenes Blut mit dem eines Vampirs vermischen, es austrinken, dann im Sonnenlicht sterben, dann lebst du wieder und dann musst du Menschenblut zu dir nehmen. Dann..." Kyra unterbrach ihn. ,,Was ist, wenn man kein Menschenblut trinkt? Stirbt man dann?" Stayren schüttelte den Kopf und blieb ernst. ,,Dann ist die Verwandlung abgebrochen und du kannst normal weiterleben. Also, nachdem du dann das Menschenblut getrunken hast, musst du erneut sterben, im Mondlicht und danach ist es immer noch nicht vorbei. Du musst bis zum nächsten Vollmond 1 Liter Blut zu dir genommen haben oder du wirst sterben." ,,So kompliziert?", fragte Kyra. ,,Ja", sagte Stayren und setzte fort. ,,Aber das war ja nicht das, was du wissen wolltest. Roiben wurde früher als ich verwandelt. Er war acht Jahre alt, als er verwandelt wurde und ich war 14." ,,Moment." Kyra unterbrach erneut. ,,Also altern Vampire doch?" ,,Nein, nur bis sie Achtzehn sind. Danach nicht mehr. Frag´ nicht, wieso das so ist, es ist einfach so." ,,Aber von wem wurdet ihr verwandelt?" ,,Er hieß Joe. Wir kannten ihn nicht. Roiben erzählte mir, wie er verwandelt wurde: Dad war schon früh gestorben und unsere Mom hatte schon nach nicht mal 4 Wochen einen neuen. Roiben kam damit nicht zurecht. Er war 8, und ich 14, als wir wegliefen. Wir BEIDE kamen einfach nicht damit zurecht, dass Mom schon einen neuen hatte. An Dad´s Grab saßen wir damals. Wir waren kleine, naive Kinder und haben nicht auf die Zeit geachtet. Es war stockdunkel, als wir daran dachten, nach Hause zu gehen. Roiben lief einfach weg. Er lief nicht nach Hause, sondern er lief auf den dunkelsten Teil des Friedhofs. Ich wollte ihm erst nicht folgen, doch er war ja ganze 6 Jahre jünger wie ich, er war mein kleiner Bruder und ich durfte ihn doch nicht einfach alleine lassen..." ,,Und was hat dich dazu gebracht, ihn zu hassen?" ,,Die Ungerechtigkeit." Stayrens Stimme klang dunkel und Kyra sah ihn wartend an. Sie wartete auf den Rest der Geschichte. ,,Naja, wie auch immer ich folgte Roiben also. Es war eiskalt und ich wollte einfach nur noch schnell nach Hause. Auch wenn ich auf Moms Freund keine Lust hatte.. " ,,Hast du Roiben gefunden?" ,,Nein. Ich bin nach Hause gegangen und erzählte meiner Mom alles. Sie gab eine Vermisstenmeldung auf, was nicht sehr schwierig war, ihr neuer Freund war Polizeichef. Nach einer Woche wurde Roiben ja dann auch wieder gefunden- er war völlig verstört und sah sich auch ständig irgendwie seltsam um, und mir erzählte er das alles. Ich habe ihm geglaubt, und war neidisch, denn es war immer MEIN Traum gewesen, Vampir zu werden." ,,Hasst du ihn deshalb? Weil er deinen Traum leben durfte?", fragte Kyra zwischen die Geschichte. ,,Ach, Quatsch.", setzte Stayren jedoch fort. ,,Ich bin doch jetzt auch ein Vampir. Es war ganz einfach so, dass ich noch am selben Abend auf den dunklen Teil des Friedhofes ging. Joe verwandelte mich." ,,Wer ist dieser Joe?" ,,Ein unwichtiger, starker, uralter Vampir, der uns verwandelt hat. " Stayren blieb stehen, was dann auch Kyra tat. ,,Und auch ich war dann ein Vampir. Doch Joe sagte mir, ich könne nicht zu meiner Familie zurück. Auch Roiben hielt mich fern von Mom und ´Dad´. Joe sagte, mein Herz wäre nicht rein genug, ich würde meine Eltern töten. Also wurde ich für Tod erklärt. Ich war bei der Beerdigung dabei, ich habe mich versteckt. Es wurde einfach ein Grab errichtet, ohne das jemand vergraben wurde. Als Gedenken denke ich mal. Sie haben um mich getrauert. Meine Mutter hat geweint. Und ihr toller Freund, Polizeichef Avan hat sie nicht einmal in den Arm genommen, sie nicht einmal getröstet. Er hat die Augen verdreht, als sie eine Schulter zum Ausweinen brauchte. Roiben hat mich bemerkt und hat mich angefahren, als hätte ich jemanden umgebracht. Wir gingen abseits, damit mich keiner bemerkt. ´Mom will dich nicht´, sagte er. ´Geh jetzt! Du bist hier nicht erwünscht!´Er hat sich umgedreht und ist gegangen. Er hatte mir alles genommen, was mir jemals wichtig war. Deshalb werde ich ihm alles nehmen, was ihm wichtig ist. Doch mit 14 habe ich ihm noch geglaubt. Ich habe gedacht, Mom will mich nicht mehr. Ich war so wütend, dass ich sie in der Nacht umbrachte. Ich wollte sie nicht töten, doch als ich mit ihr fertig war, war sie Tod. Ich habe wegen seiner Lüge meine Mutter getötet. Es ist nur fair, wenn ich ihm alles nehme, was ihm wichtg ist. Und du scheinst ihm wirklich wichtig zu sein." ,,Heisst das, du willst mich töten?", fragte Kyra und konnte das Zittern in ihrer Stimme nicht unterdrücken. ,,Es tut mir Leid; ja. Ich habe gerade angefangen dich zu mögen, aber.." ,,Das kannst du nicht machen!", rief Kyra erschrocken. ,,Ich habe damit doch nichts zu tun! Ich habe dir nichts genommen!" ,,Nein, hast du nicht, aber das du Roiben so wichtig geworden bist, ist dein Todesurteil." ,,Und wieso hast du Roiben nie gesagt, dass du ihn hasst?" ,,Weil es so einfacher ist, die Leute zu töten, die ihm wichtig sind. Dann kann er nicht dazwischenfunken." ,,Aber du hast gesagt, du willst dass ich bei dir bleibe, damit Roiben kommt, weil er mich suchen wird!" ,,Das wollte ich und dann hast du mich wieder daran erinnert, dass ich alle töten wollte, die ihm wichtig sind." ,,Aber wird er nicht trotzdem nach mir suchen?" ,,Genau deswegen werden wir jetzt keine Zeit mehr verschwenden." ,,Aber wenn du mir etwas tust, bist du doch kein Stück besser wie Roiben!" Es war Kyra egal, wie idiotisch ihr Gerede klang, sie musste Zeit gewinnen. ,,Ich bin auch nicht besser. Ich bin der böse, dem man nicht vertraut hatte, der seine Familie an seinen Bruder verloren hatte. An seinen BRUDER! Und ich war so dumm und habe Mom erzählt, dass er verschwunden sei... Hätte ich glaubhaft erzählt, dass er gestorben wäre, dann wäre ich bei meiner Familie aufgewachsen und wenn mein Bruder dann zurückgekommen wäre hätte meine Mutter ihn nicht mehr gewollt. Denn einen Geist... Das hätte ich tun sollen, doch jetzt ist es zu spät und etwas anderes wie das hier kann ich nicht tun um Rache zu nehmen." ,,Aber du hast doch selbst gesagt, ich wäre nur ein Ersatz für ihn. Dann kann ich ihm doch gar nicht so wichtig sein!" ,,Vielleicht. Ich weiss es nicht. Ich weiss in seinem Leben von drei Freundinnen. Die erste hatte er mit 7. Es war eine Kinderbeziehung. Ziemlich süß. Die beiden wussten noch gar nicht richtig, was Liebe ist." ,,Wie hieß sie?", fragte Kyra in der Hoffnung genug Zeit zu schinden. Sie war sich sicher, das ihr jemand zur Hilfe kommen würde. ,,Alexis.", antwortete Stayren. ,,Aber sie waren ja noch ziemlich klein und es war auch eigentlich keine richtige Beziehung. Alexis verliebte sich in einen anderen und verbrachte so gut wie keine Zeit mehr mit Roiben." ,,Und dieser jemand war?",,Ein Vampir. Und dazu noch ein damals zwölfjähriger. Und Alexis war erst 7! Seine zweite Freundin hatte Roiben mit neunzehn. Diese verlor er nicht an einen anderen. Sie starb. Sie hatte ihm sein Geheimniss erzählt und Sie wollte auch verwandelt werden, doch nachdem sie im Mondlicht starb, schaffte sie es einfach nicht 1 Liter Blut bis zum nächsten Vollmond zu trinken. Roiben fühlte sich schuldig. Und du bist seine dritte Freundin." ,,Und wieso musste er mich als Ersatz nehmen und konnte nicht irgendeine andere nehmen?" ,,Ich glaube nicht, dass er will, dass ich dir das erzähle, doch ich werde es einfach tun. Ich habe ja nichts mehr zu verlieren. Ich habe es ja zuerst auch nicht verstanden, wieso gerade du, denn du hast keinerlei Ähnlichkeit mit seiner letzten Freundin. Aber Roiben schreibt Tagebuch." Ein Lächeln zog über sein Gesicht, doch es verschwand schnell wieder. ,,Komm mit zum Auto. Ich habe es noch irgendwo darin rumliegen." Der Weg hinunter zum Auto ging schneller als hier hoch und Kyra war froh, dass sie soviel Zeit schinden konnte. Stayren zog die Autotür auf und suchte nach dem Tagebuch unter den Sitzen. Plötzlich hörte Kyra ein Auto näher kommen. Sie hätte beinahe übersehen, welche Farbe es hatte. Der Wagen hielt hinter Stayrens Wagen. Ein älterer Mann in Uniform stieg aus. Stayren sprang sofort auf und sah den Mann wutentbrannt an. ,,Autopanne?", fragte der Polizist und sah erst zu Kyra, dann zu Stayren. Stayren schüttelte lächelnd den Kopf. ,,Alles wieder in Ordnung.", sagte er dann. Missbilligend wechselte der Blick des Mannes zu Kyra. ,,Du bist hoffentlich freiwillig mit ihm unterwegs, oder?", fragte er dann und blitzte Stayren kurz wütend an. Kyra senkte den Blick. ,,Nein bin ich nicht.", begann sie schon fast enttäuscht davon, dass die Polizei ihr half, und nicht Roiben. ,,Er wollte mich töten." Der Polizist schien wenig überrascht und wank einen weiteren Polizisten zu sich. ,,Kyra!", schrie Stayren. ,,Wieso hast du das getan?! Du weisst, wie stark ich bin, ich komme zurück!" Fast schon freiwillig ließ er sich Handschellen anlegen, doch als ihn ein weiterer Polizist zum Auto brachte, konnte er sich nicht losreißen. Dieser Polizist war stärker als er. Es musste auch ein Vampir sein. ,,Keine Angst.", wollte sie der Polizist beruhigen, der Anfangs ausstieg. ,,So schnell kommt uns der nicht mehr aus dem Gefängnis. Das eben war eine Drohung, die drei Personen gehört haben. Und darin lag auch die Spur von Geständnis. Drohung und versuchter Mord. Ich werde schon bis zu sechs Jahren irgendwie hinbekommen. Können wir dich irgendwie nach Hause bringen?" ,,Das ist sehr weit weg.", meinte Kyra leise. ,,Ich denke eher nicht." ,,Egal, wir fahren dich einfach dorthin." ,,Köln." ,,Das ist in der Tat weit. Aber wir fahren dich trotzdem nach Hause." Er lächelte sie an. Im selben Moment stieg der andere Polizist noch einmal kurz aus, ließ Stayren jedoch nicht aus den Augen. ,,Er will ein Buch haben!", rief er seinem Kollegen zu. ,,Es muss im Auto liegen! Das Mädchen soll das Buch bekommen." Der Mann rannte in Richtung des Wagens und begann die Suche. Wenige Sekunden später, hielt er schon ein kleines Buch in der Hand. ,,Das?", rief er. Der andere nickte und stieg ein. Auch Kyra folgte nun zum Polizeiwagen und stieg dort in den hinteren Teil ein. Sie konnte nicht verstehen, dass ihr sofort geglaubt wurde, dass Stayren sie töten wollte, doch vielleicht lag es daran, dass der Kollege auch ein Vampir war. Sie saß neben Stayren, der sich nicht zu bemühen schien, sich zu befreien. Kyra sah ihn an und hätte am liebsten alles rückgängig gemacht. Er hatte genug gelitten in seiner Kindheit, und Kyra verriet ihn nun. Das schien ihr irgendwie nicht ganz fair zu sein. Doch auf der anderen Seite war es wieder nur das Richtige, wenn sie daran dachte, was dieser Stayren ihr antun wollte und aus welchem Grund. Sie wandte den Blick ab und sah aus dem Fenster, während der Motor startete und der Wagen sich in Bewegung setzte. ,,Schlag´ die Mitte des Buches auf.", flüsterte Stayren nach einer Weile. ,,Ruhe!", röhnte eine Stimme von vorne. Stayren verdrehte nur die Augen. Kyra schlug die Mitte auf. Stayren nickte. ,,Lies.", murmelte er, wobei ihm einer der Polizisten einen wütenden Blick zuwarf. Kyra begann zu lesen. Es war wirklich ein Tagebuch. Roibens Tagebuch.
4. Januar
Kathlin schaffte es nicht.
Sie starb gestern.
Ich habe ihr unrecht getan, sie war erst 18. Ich wollte sie. Ich wollte mit ihr mein ganzes Leben verbringen und wegen meinem egoistischen Verhalten ist sie nun nicht mehr. Okay, ich muss schon zugeben, dass Kathlin ein bisschen eingebildet war, sie war blond, blaue Augen.. Sie war eine Schönheit. Und diese Schönheit habe ich ausgelöscht. Sie wollte zwar verwandelt werden, doch ich hätte es nicht tun müssen.. Wäre ich nicht gewesen, würde Kathlin heute vielleicht noch Leben. Ich hätte einfach wissen müssen, dass sie es nicht schaffen wird, einen Liter Blut bis zum nächsten Vollmond zu trinken. Sie schaffte es ja schon kaum am Tag genug zu trinken oder zu Essen. Alles ist meine Schuld. Aber diesen Fehler werde ich wieder gut machen. Sie hat mir von ihrer Schwester erzählt, die in einer anderen Familie aufgewachsen sei. Bei der Geburt wurden sie getrennt. Sie hatte mich schon vor ihrem Tod gebeten, dieses Mädchen zu finden, und ihr das beste Leben zu bereiten, dass sie nur haben kann. Ich habe nur den Namen, Kyra, und die Adresse, sie wohnt in Köln. Ich muss sie nicht heiraten, oder mit ihr zusammen kommen, aber ich will einfach nur wieder gut machen, was ich getan habe. Hoffentlich w
Kommentare
Es gibt 4 Kommentare zu dieser Geschichte
BJ schrieb am 17.12.2011 um 19:30 Uhr folgenden Kommentar:
Klar gibt es noch eine Fortsetzung. :)
In wenigen Tagen oder auch erst mehreren Wochen.
Cassy schrieb am 27.11.2011 um 19:35 Uhr folgenden Kommentar:
die Geschichte ist echt spitze kommt noch eine fortsetzung?
BJ schrieb am 03.11.2011 um 11:12 Uhr folgenden Kommentar:
Danke schön! ^-^
Freut mich, dass die Geschichte dir gefallen hat.
Sel schrieb am 23.10.2011 um 14:07 Uhr folgenden Kommentar:
Genial, wirklich.